"USA in vorderster Reihe"

6. Juni 2007, 12:39
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Kein Machismus in der Kriegspolitik: Lage der Frauen im Irak habe sich seit dem US-Einmarsch verbessert, so Shirin Tahir-Kheli, Chefberaterin von Condoleezza Rice

Am Anfang der Affäre stand eine Umarmung, am Ende beinahe ein Rücktritt. Nach einem Fallschirmsprung bei einer Veranstaltung in Frankreich für Erdbebenopfer umarmte Pakistans Tourismusministerin Nilofar Bakhtiar ihren Tandem-Partner. Für radikalislamische Geistliche in Pakistan stand fest: Das war obszön. Sie forderten die Absetzung Bakhtiars. Vergangene Woche erklärte sie ihren Rücktritt.

Und obwohl Pakistans Premier Shaukat Aziz den Rücktritt ablehnte: Dass der Fall Bakhtiar zum Politikum werden konnte, sei ein gewaltiger Rückschritt, sagt Shirin Tahir-Kheli kopfschüttelnd im Standard-Gespräch. Die Chefberaterin von US-Außenministerin Condoleezza Rice für Frauenangelegenheiten ist eine der prominenten Teilnehmerinnen der "Women Leaders"-Konferenz des Außenministeriums in Wien. Neben US-Außenministerin Condoleezza Rice nimmt auch deren israelische Kollegin Zipi Livni teil.

Um Frauen im Nahen Osten geht es ebenso wie um die Rolle der Presse; der Medien-Workshop wird von Standard-Außenpolitikchefin Gudrun Harrer geleitet. Aber es gehe auch um (mediale) Aufmerksamkeit für Frauen in bewaffneten Konflikten, in denen Frauen ja "die verletzlichste Bevölkerungsgruppe" seien. Als Beispiel nennt Tahir-Kheli Darfur. Andere würden den Irak nennen.

Die Lage der Frauen im Irak habe sich seit dem Einmarsch der US-Armee verbessert, ist Tahir-Kheli, die unter US-Präsident Reagan im Nationalen Sicherheitsrat saß, überzeugt. Unter Saddam Hussein seien Frauen massenweise verschwunden, im politischen Prozess hätten sie ganz gefehlt. Dagegen "hat die US-Regierung im Irak von Anfang an darauf fokussiert, Frauen in die Entscheidungen einzubinden".

Auch dass sich in den USA der Machismus durch die Kriegspolitik der Bush-Regierung ausbreite, weist Tahir-Kheli zurück. "Die USA stehen, im Gegenteil, im Kampf um Frauenrechte in vorderster Reihe." So habe Bush 2004 Frauenhandel vor der UN-Generalversammlung als moderne Form der Sklaverei bezeichnet und dadurch das Thema ganz nach oben auf die politische Agenda gehoben. Die EuropäerInnen dagegen würden - wie sie auch selbst sagten - bei der Unterstützung für Frauen in anderen Regionen nachhinken.

Schwierig sei die Frage nach dem richtigen Ton im Diskurs mit den muslimischen Eliten zu beantworten: "Wichtig ist, dass sich gerade in Nahost Frauen immer stärker für Women-Empowerment interessieren." Etwa in Kuwait, wo Frauen 2006 erstmals bei Parlamentswahlen mitstimmen durften. "Dieses Recht haben sie sich selbst erkämpft, ganz ohne Hilfe von außen." (András Szigetvari/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31.5. 2007)

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    Gemeinsam studieren an einer Schule in Islamabad. Die Kooperation von Frauen-Eliten ist ein Schwerpunkt der "Women Leaders"-Konferenz.
  • Tahir-Kheli: Frauen im Irak geht es seit dem US-Einmarsch besser.
    foto: standard/heribert corn
    Tahir-Kheli: Frauen im Irak geht es seit dem US-Einmarsch besser.
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