Causa Kartnig wird "heiß"

9. Juli 2007, 16:39
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Kriminalfall dürfte sich weiter auswachsen - Laut U-Richterin Radl seien noch immer bis zu 1,5 Millionen Euro unauf­geklärt

Graz – Die Sache ist noch lange nicht ausgestanden. Während die Verteidigung des ehemaligen Grazer Fußballpräsidenten des SK Sturm, Hannes Kartnig, am Mittwoch mit einer Entlastungsoffensive – via ORF – vorpreschte und den Eindruck vermittelte, Kartnig müsse sich nur noch wegen des von ihm gestandenen Steuerdeliktes verantworten, legt U-Richterin Elisabeth Radl im Standard-Gespräch jetzt ein Schäufchen nach.

"Wir sind erst mittendrin in der heißen Phase der Ermittlungen", bremst Radl den Optimismus der Verteidigung, Kartnig über das "Geständnis" aus der U-Haft zu bekommen. Die "Steuergeschichte" sei "ja keine Neuigkeit". Der Standard hatte ebenfalls mehrmals darüber berichtet. Es stehe viel mehr auf dem Spiel, sagt Radl. Auch für die Staatsanwaltschaft bleiben die Vorwürfe der Veruntreuung und des schweren Betruges nach wie vor aufrecht.

Kartnigs Verteidiger Richard Soyer und Michael Pacher aber argumentieren, von den im Klub versickerten 2,3 Millionen Euro seien nur noch 490.000 unaufgeklärt. Über das Gros der Gelder seien – Kartnig entlastende – Belege über Schwarzgeldkonten und -sparbücher aufgetaucht, über die erkleckliche Summen an Spieler und Trainer geflossen sein sollen. Kartnig gestand von Anbeginn der U-Haft in diesem Zusammenhang ein Steuervergehen.

Aber "mitnichten" sei der verschwundene Betrag auf 490.000 Euro geschrumpft. Das sei "absoluter Blödsinn", sagt Radl. Es habe sich zwar aufgeklärt, dass Teile des verschwundenen Geldes schwarz an Spieler und Trainer verteilt worden seien, aber das alles sei nur eine der vielen grauen Zonen dieser Causa.

Neue Geldflüsse

Es existierten noch weitere, bisher völlig unaufgeklärte Geldflüsse, sagt Radl. Die U-Richterin schätzt: "So an die eine bis 1,5 Millionen Euro sind noch unauffindbar." Wobei sich die Sache noch auswachsen könnte. Radl: "Denn bis vor einer Woche haben wir geglaubt, wir haben alles beisammen, und dann sind plötzlich diese neuen brisanten Unterlagen aufgetaucht." Zwei dicke Bene-Ordner mit Zusatzverträgen für Spieler und Trainer, die bei der Schwiegermutter des ebenfalls in U-Haft sitzenden ehemaligen Sturmsekretärs deponiert waren. Nun müssten neue Zeugen vorgeladen werden, und womöglich sind darunter auch neue Verdächtige, kündigt Elisabeth Radl an.

Der Fall sei auch deshalb noch so nebulos, weil die Buchhaltung de facto nicht vorhanden gewesen sei, und bis heute nicht bis ins Detail nachvollziehbar sei, wie viel Geld im SK Sturm in den letzten Jahren tatsächlich im Umlauf war. Am besten habe noch die "zweite Buchhaltung" über die Schwarzgelder funktioniert. Hier sei alles akribisch registriert worden. Für Richterin Radl wird erst in 14 Tagen einigermaßen Klarheit herrschen, wenn die "Schlussanzeige" der Finanzbehörde mit möglichen neuen Fakten und der Schlussbericht des Landeskriminalamtes vorliegen. Solange nicht alle Fakten auf dem Tisch sind, müsse weiter mit Verdunkelung gerechnet werden. (DER STANDARD, Printausgabe, Donnerstag, 31. Mai 2007, Walter Müller)

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    Der ehemalige "Fußball-Zar" des Bundesligaklubs Sturm muss sich auf weitere Ermittlungen einstellen.

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