Erwartungsdruck auf Zoellick

25. Juni 2007, 19:21
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Die Reaktionen auf die Nominierung von Robert Zoellick als neuen Weltbank-Chef fielen außerhalb der USA gemischt aus

Washington/Potsdam – Frankreich erwartet vom wahrscheinlichen US-Kandidaten für den Chefposten der Weltbank, das Vertrauen in die Institution wieder herzustellen. Robert Zoellick werde hoffentlich behutsam ein erneutes Vertrauensverhältnis zwischen der Weltbank-Führung und ihren Partnern etablieren, sagte der französische Außenminister Bernard Kouchner vor einem G8-Außenministertreffen am Mittwoch in Potsdam.

Es wurde erwartet, dass US-Präsident George W. Bush den Ex-US-Handelsbeauftragten Zoellick noch am Mittwoch für den Posten des Weltbank-Präsidenten vorschlägt. Die Bestätigung durch das Direktorium der Institution gilt als Formsache.

Auf die Frage, ob Zoellick der richtige Nachfolger für den scheidenden Weltbank-Chef Paul Wolfowitz sei, sagte Kouchner: "Bestimmt". Die USA besetzen traditionell die Spitze der Weltbank, der Internationale Währungsfonds IWF wird dafür von einem Europäer geführt. Mehrere Mitgliedstaaten – allen voran lateinamerikanische Staaten wie Brasilien – hatten aber nach der Gehaltsaffäre um Wolfowitz ein offeneres Auswahlverfahren der USA gefordert. Die Weltbank soll den wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt weniger entwickelter Staaten mit Finanzhilfen, Beratung und technischer Hilfe fördern. Sie vergibt jährlich Mittel in Höhe von rund 20 Mrd. Dollar. Der derzeitige Weltbank-Chef Wolfowitz tritt nach Vorwürfen der Günstlingswirtschaft Ende Juni zurück. US-Handelsminister Henry Paulson sagte, es gebe von mehreren Ländern positive Reaktionen auf Zoellicks Nominierung – welche, sagte er nicht. Die Weltbank hat ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum in China im laufenden Jahr erhöht. Das Wachstum werde 10,4 Prozent betragen und nicht, wie bisher vorhergesagt, 9,6 Prozent, teilte die Weltbank am Mittwoch mit.

Chinas Exporte seien im ersten Quartal 2007 kräftig gestiegen, Handelsüberschuss und Devisenreserven hätten weiter zugelegt. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs in den ersten drei Monaten dieses Jahres um 11,1 Prozent, während die Exporte um 27,8 Prozent zulegten. 2006 hatte sich die Wirtschaft um 10,7 Prozent verbessert.

Aus makroökonomischer Sicht sei die chinesische Wirtschaft derzeit nicht überhitzt, da sich die Nachfrage und das Angebot in etwa die Waage hielten, urteilte die Weltbank. Die Wachstumsaussichten seien insgesamt gut. Größte Herausforderung sei es, die Wirtschaft auszubalancieren. China müsse den Konsum stärken und die Exportabhängigkeit verringern. Eine scharfe Korrektur an der chinesischen Börse könnte das gerade entdeckte Vertrauen in diesen Kapitalmarkt beschädigen.

Unterdessen fiel am Mittwoch der Shanghai Composite Index um 6,8 Prozent auf 3886,46 Punkte. Die Zentralbehörden hatten zuvor eine Steuer auf Wertpapiergeschäfte verdreifacht, um die chinesischen Börsen abzukühlen. Die Regierung sieht mit Sorge auf die zunehmende Zahl von Chinesen, die an der Börse ihr finanzielles Glück suchen. Die Anzahl der Aktienkonten in China hatte am Wochenanfang zum ersten Mal über 100 Millionen betragen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31.05.2007)

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    Robert Zoellick soll nach den Wünschen der Europäer das Vertrauen in die Institution Weltbank wieder herstellen.

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