Roter Joker mit Bubengesicht

6. Juni 2007, 14:51
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In seinem Amt als Heeresminister steht Norbert Darabos im Kreuzfeuer der Kritik. Unterschätzt zu werden ist der Burgenland-Kroate gewohnt - Ein Porträt

Norbert Darabos eilt in diesen Stunden von einer Bundesheerveranstaltung zur nächsten. Er schneidet Torten an, bläst Kerzen aus und genießt die Musik der Militärkapelle, die ihm zu Ehren aufspielt. Der Verteidigungsminister feiert heute, Donnerstag, seinen 43. Geburtstag. Tage wie dieser sind eine angenehme Abwechslung zu seiner sonstigen Amtszeit, die für Darabos schwieriger und turbulenter nicht sein könnte. Kein anderer Minister steht seit Regierungsantritt Anfang Jänner mehr unter Beschuss als der rote Heeresminister.

Zivi als Heeresminister

Zu Beginn wurde der Burgenland-Kroate belächelt, weil er in der Jugend Zivildiener war und den Umgang mit der Waffe aus Überzeugung ablehnt. Dann, weil ausgerechnet Darabos den Eurofightervertrag zum Fallen bringen soll. Mit seinem bubenhaften Äußeren, der seltsamen Designerbrille und seinem sanften Auftreten habe er schlichtweg nicht das Zeug, sich gegen internationale Rüstungskonzerne durchzusetzen, heißt es.

Zuletzt sorgte der leidenschaftliche Tischtennisspieler für Negativschlagzeilen, weil er vor lauter Kampfjet-Verhandlungen mit EADS das Bundesheer und seine Generäle vernachlässige. Kurz: Der Verteidigungsminister ist momentan der Buh-Mann der Regierung, der es niemandem Recht machen kann. Wie viel einfacher wäre sein Leben, hätte Darabos von Gusenbauer vor sechs Monaten das erhoffte Innenressort übertragen bekommen.

"Das ganz große Los"

Nachdenklich wurde Darabos wohl erstmals, als Wolfgang Schüssel im Zuge der Regierungsverhandlungen festhielt, die ÖVP werde ganz sicher nicht das Verteidigungsressort besetzen. Darabos hatte bereits Erfahrung im Bereich Äußere Sicherheit, kannte sich aus in der Kampfjet-Thematik, war also nicht ungeeignet für den Job. Und genau so kam es dann auch: Gusenbauer ernannte ausgerechnet ihn, den Zivi und Pazifisten, zu Günther Platters Nachfolger.

Als der Kanzler bei der Bekanntgabe der Ministerposten dann noch von einem "ganz großen Los" sprach, muss der 43-jährige innerlich gekocht haben. Doch Norbert Darabos ist ein Parteisoldat wie er im Buche steht. Er verhielt sich damals so, wie er es immer getan hat und nach wie vor tut: schweigend, betont sachlich und strikt loyal gegenüber der eigenen Partei. "Nichts erwarten, alles annehmen und sich durchsetzen", nennt er sein politisches Motto. Dass man in einer Großpartei wie der SPÖ auf diesem Weg ganz hoch kommt, hat Darabos in seiner Heimatgemeinde Kroatisch-Minihof gelernt, einem Dorf mit 380 Einwohnern nahe der ungarischen Grenze, wo er bis heute mit seiner Frau und seinen zwei Kindern wohnt.

Blitzkarriere

Genau hier begann seine politische Karriere als Parteivorstand des Ortes im Alter von 21 Jahren. "Hier lernt man die Probleme anzupacken und nicht lange herumzureden", sagt er über diese Zeit. Wenig später wurde der damalige Landeshauptmann Karl Stix - sein späterer Mentor und väterlicher Freund - auf ihn aufmerksam und machte Darabos zu seinem Pressesprecher. 2001 folgte er Wechsel ins SPÖ-Team von Hans Niessl, dem er als Landesgeschäftsführer den Wahlkampf managen sollte.

Eine schwierige Aufgabe, steckten die pannonischen Genossen doch mitten drinnen im Bank-Burgenland-Skandal. Und dennoch fuhr die burgenländische SPÖ einen fulminanten Sieg heim. Wenig später kam der Ruf aus Wien: Darabos solle den Präsidentschaftswahlkampf von Heinz Fischer leiten. Wieder prophezeiten ihm alle eine Niederlage, wieder belehrte er sie eines Besseren. Nicht anders war es im Dienste von Alfred Gusenbauer, der Darabos zu seinem Bundesgeschäftsführer auserkor. Noch einmal erwies sich der Rapid-Anhänger allen Unkenrufen zum Trotz als roter Joker im Hintergrund. Öffentliche Anerkennung hat er dafür bis heute nicht bekommen. Dass man ihm jetzt auch die Eurofighter-Verhandlungen nicht zutraut, kommt Darabos gelegen. "Ich werde wegen meines Aussehens immer wieder unterschätzt. Davon habe ich schon öfters profitiert“, sagt er.

Heldentum

Mag sein, dass es Darabos tatsächlich nicht gelingt, kostenlos aus dem Kampfjet-Vertrag auszusteigen. Mag sein, dass er auch die Stückzahl der Jets nicht reduzieren wird können. Darum kämpfen wird der Verteidigungsminister jedenfalls bis zuletzt. Um im Heeresjargon zu bleiben: Der britische Premierminister George David Lloyd hat einmal gesagt, dass der Beweis von Heldentum nicht im Gewinnen einer Schlacht, sondern im Ertragen einer Niederlage liegt. Wenn dieser Satz wirklich stimmt, dann würde Darabos trotz seines ersten großen Rückschlags endlich Anerkennung zuteil.(gum/derStandard.at, 31.05.2007)

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    Darabos bei den Regierungsverhandlungen

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    Der Verteidigungsminister bei seiner Leidenschaft, dem Tischtennisspielen

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    Der Zivi als Heeresminister

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    Erfolgreicher Wahlkampfmanager: Zuerst bei Hans Niessl für die SPÖ Burgenland auf Landesebene....

  • ...dann für Bundespräsident Heinz Fischer
    foto:standard/matthias cremer

    ...dann für Bundespräsident Heinz Fischer

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    ...und schließlich für Kanzler Gusenbauer

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