Zukunft liegt im maßgeschneiderten Fahrzeug

10. Juli 2007, 13:50
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Das nach Kundenwunsch maßgeschneiderte Auto zu konkurrenzfähigen Preisen ist die Zukunftsvision von einem Team von Forschern und Industrieunternehmen

Wien - Das nach Wünschen des Kunden maßgeschneiderte Auto zu konkurrenzfähigen Preisen ist die Zukunftsvision von einem Team von Forschern und Industrieunternehmen, die sich um eines von acht zu vergebenen K1-Kompetenzzentren des neuen Förderprogramms COMET der Forschungsförderungsgesellschaft FFG beworben haben. "Das ist der einzige Weg, wie die europäische Automobilindustrie zukünftig ihre Wettbewerbsfähigkeit sichern kann", sagte Daniel Palm, Leiter der Fraunhofer-Projektgruppe für Produktions- und Logistikmanagement in Wien und Konsortium-Partner, gegenüber der APA.

Werden die Vorstellungen des Bewerberkonsortiums um Wilfried Sihn vom Institut für Managementwissenschaften der Technischen Universität (TU) Wien Realität, soll das Auto der Zukunft wie ein Maßanzug passen. Wissenschaft und Wirtschaft wollen im Rahmen des beantragten "Competence Center Car on Demand - 3CoD" an innovativen Lösungen im Bereich des Produktionsmanagements und der Logistik tüfteln, die dies möglich machen sollen.

Kostengünstiges Massenprodukt

Mit dem reinen "Low-Cost-Car", dem möglichst kostengünstigen Massenprodukt, wird Europa laut Palm mit seinen Standortfaktoren immer Nachteile gegenüber Niedrigkostenländern haben. Ziel ist daher, das europäische Produktionsnetzwerk aus Herstellern, Logistikdienstleistern und Lieferanten so zu gestalten, dass schnell, individuell und effizient auf Kundenwünsche eingegangen werden kann. "Bisher basiert die Produktion noch eher auf Kundenprognosen. Man produziert zudem auf Lager. Das Liefernetzwerk ist auf Masse ausgerichtet", berichtete Palm. Damit habe man aber den Kundengeschmack nicht im Griff.

"Das maßgeschneiderten Auto zu konkurrenzfähigen Preisen hat zunächst mal als Vorteil, dass es überhaupt einen Kunden hat und nicht wie 20 bis 50 Prozent der Fahrzeuge in Europa - je nach Fahrzeugmodell - kundenanonym gefertigt wird und dann als Lagerfahrzeug am Markt viel Geld kostet", so Palm. Wenn nur kundenspezifisch gefertigt werden würde, könnten 500 bis 1.500 Euro pro Fahrzeug eingespart werden.

Individuelle Gestaltung

Die Maßschneiderung könnte sich etwa auf die kundenindividuelle Gestaltung des Cockpits beziehen, das ohne Mehrkosten realisierbar wäre. Auch im Bereich der Fahrgastzelle gibt es laut Palm entsprechende Überlegungen. Weiters könnten die gesamten Optionen und Sonderausstattungen, die Premium-Hersteller wie Daimler, BMW und Audi ihren Kunden anbieten, als Beispiel für Individualisierungen genommen werden. "Diese sind zum Teil im Moment deswegen so teuer, da die Automobilindustrie noch auf hohe Stückzahlen ausgelegt ist, die sie mit den vielen unterschiedlichen Optionen nicht erreichen", so Palm.

Mit einer verbesserten Kommunikation der Verbraucherwünsche an alle Partner der Produktionskette, "maßgeschneiderten" Einzelproduktionen für kleinere Kundengruppen und flexibleren Laufzeiten soll in Zukunft auf Kundenseite gepunktet werden. Die Schlüsselelemente hierzu sind für das Konsortium "Lean Logistics" und "Synchronized Local Production Networks" - schlanke Produktions- und Logistikprozesse, die innerhalb eines synchronisierten Netzwerks aus Unternehmen ablaufen.

Forscher an Bord

Im "3CoD" beteiligen sich schon jetzt prominente Forschungseinrichtungen im Bereich Automotive, so etwa die TU und die Wirtschaftsuniversität Wien, die TU Graz, die Montanuniversität Leoben, die Fraunhofer-Gesellschaft und die RWTH Aachen, sowie international tätige Zulieferer und Automobilhersteller. Geplant ist, innerhalb des Kompetenzzentrums in den nächsten sieben Jahren eine Vielzahl an Projekten für insgesamt 15 Millionen Euro gemeinsam mit Partnern aus der Industrie durchzuführen.

Ende September fällt die Entscheidung, welche Kompetenzzentren unter COMET (Competence Centers for Excellent Technologies) nach der ersten Ausschreibung tatsächlich eingerichtet werden. Weitere Bewerber um ein K1-Zentrum sind neben "3CoD" das Konsortium ABC&RENET (Bioenergy 2020+) sowie KNOW (Know-Center GmbH Graz - Österreichs Kompetenzzentrum für Wissensmanagement), evolaris (evolaris next level), Wood Comet (Kompetenzzentrum für Holzverbundwerkstoffe und Holzchemie), K1-MET (Technologies in Advanced Metallurgical and Environmental Process Development), ZPT (K1-centre for non-destructive testing and tomography), CCPE (Competence Center for Pharmaceutical Engineering), ACV+A (Advanced Computer Vision and Audio), CTR (CTR Carinthian Tech Research AG - Competence Centre for Advanced Sensor Technologies) und SCCH (Software Competence Center Hagenberg). (APA)

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