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Bis zur Edelweißglut

4. Juni 2007, 12:50
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Hubert von Goisern spricht mit Sascha Aumüller über Aufgeblasenheit, österreichische Selbstdarstellung und das Schützenswerte in der Natur

Braucht das österreichische Lied das Edelweiß?
Hubert von Goisern: Spontan fällt mir nur dieses Lied aus dem Musical „Sound of Music“ ein, und das ist halt kein österreichisches. Möglicherweise ist es auch keine Symbolik, die wir selber, sondern nur andere für uns verwenden – um uns irgendwie greifbar zu machen. Das ist schwierig, weil bei uns im Salzkammergut gibt’s überhaupt kein Edelweiß – zumindest nicht dass ich wüsste. In Matrei in Osttirol hab ich wohl ordentliche Plätschen am Hut gesehen, aber was soll das, man findet es genauso gut im Himalaja, nur eben noch größer.

Nicht nur im Himalaja, sondern auch in der Schweiz. Warum soll das gerade für Österreich stehen?
Hubert von Goisern: Das ist wohl nicht mehr als eine Innenwahrnehmung, die gerade einmal bis nach Europa oder vielleicht noch in die USA reicht. Fragen Sie einmal einen Chinesen, der verbindet mit Österreich wahrscheinlich andere Dinge. Da brauchen wir uns jetzt nicht einbilden, dass das jetzt so einzigartig ist und Essenzielles über uns aussagt.

Woher kommt dann diese Austro-Edelweiß-Essenz?
Hubert von Goisern: Für mich vielleicht noch über eine andere Schiene. Das Edelweiß ist eine geschützte Pflanze, und wenn man schon über essenziell Österreichisches spricht, fällt mir ein, dass wir ein kernkraftfreies Land sind. Wenn das Edelweiß dafür oder für den Naturschutz steht, soll’s mir recht sein.

Können Sie das transportieren?
Hubert von Goisern: Ich werde es versuchen. Wir beginnen ja bald unsere zweijährige Reise mit dem Schiff auf der Donau. Der ökologische Aspekt auf dieser Tour durch die Donauländer ist ein ganz wichtiger, weshalb wir mit dem WWF zusammenarbeiten. Und es geht eben auch einmal nicht um den alpinen Raum, sondern darum, den Lebensraum der Menschen an der Donau zu schützen. Da braucht man nicht mehr weiter ausbaggern oder aufstauen, da kann man die Schiffe selbst adaptieren. Meine Musik nehm ich jedenfalls einmal mit, diesen Hintergedanken auch, und dann schauen wir einfach, was passiert.

Brauchen Sie da das Edelweiß für diese Botschaft?
Hubert von Goisern: Wahrscheinlich nicht, und wir haben’s bislang eigentlich nur einmal verwendet für das Cover von „Oben und Unten“, weil es so eine schöne Pflanze ist – ein strahlend weißer Stern. Und so selten. Und natürlich wahnsinnig gefährlich, dort hinzugehen, wo es wächst. Das symbolisiert auch Mut, weil man immer dieses Bild im Kopf hat,wo jemand „auffigeht und obifallt“, weil er es halt nicht ganz geschafft hat. Das hat seinen Charme.

Symbolisch ist es jedenfalls ein Exportschlager, wie das schon erwähnte Lied „Edelweiß“ aus „Sound of Music“ zeigt. Was transportiert man damit?
Hubert von Goisern: Nur die Hälfte von Österreich, eben nur den alpinen Teil. Aber ich repräsentiere ja auch nur einen Teil von Österreich, wenn ich in Berlin oder Hamburg spiele. Ich fühl mich schon wohl in Wien oder Salzburg, aber diese Kultur vertrete ich halt gerade auswärts nicht. In meinen Texten hab ich das Edelweiß jedenfalls nie exportiert.

Und als Kulisse für das alpine Österreich?
Hubert von Goisern: Da hat mir eigentlich immer ein Bergpanorama als angemessener Rahmen gereicht. Oder maximal noch ein aufblasbarer Hirsch auf der Bühne. Der war billig und hat fesch ausgeschaut. Während des Konzerts ist ihm dann langsam die Luft ausgegangen, und das Geweih hat begonnen herunterzuhängen. Ich glaube, dass dieses Spiel mit aufblasbarem Plastik der natürlich Majestätik einfach das richtige Gegengewicht gibt. Wenn man diese Symboliken so überstrapaziert, ist irgendwann die Luft draußen.

Aber Tatsache ist, dass Sie diese Kulisse und ihre Symbole gerne mitnehmen für Konzerte.
Hubert von Goisern: Ja, vor allem als Schwarz-Weiß-Fotopanorama. Das mag für uns ästhetische Gründe haben, aber unterwegs repräsentiert das vielleicht wirklich ein alpines Schwarz-Weiß-Bild. Volkslieder sind da wie heuriger Wein: Wenn ich den am Kahlenberg oben trink, schmeckt er besser. Wenn ich jetzt etwas über die Herkunft der Bilder in meinen Liedtexten sagen will, nehm ich sie am besten einfach mit.

Funktioniert dieser Symbol-Transport universell?
Hubert von Goisern: Bei den Konzerten in Afrika haben wir die Bilder nicht mitgehabt. Obwohl mir die Idee gefallen hätte, das Bergpanorama in der Wüste von Mali aufzustellen und es dann einfach dort stehen zu lassen. Aber wir haben ohnehin schon so viel Übergepäck gehabt. Und andererseits ist es ja nicht nur Kulisse, was ich da mitnehme, sondern auch eine Art „innere Landschaft“.

Eine Landschaft, die äußerlich intakt ist?
Hubert von Goisern: Ich kann auch in einer Umgebung spielen, die kaputt ist, wenn Sie das meinen. Aber ja, ich wollte eine Zeit lang nur an „schönen, intakten Orten“ spielen. Nur wird das mit der Zeit fad, diese Plätze sollen die Leute selber entdecken. Über die Kommunikation der Schönheit kann man diese Schönheit auch zerstören.

WEGWEISER

Kompetenzfeld Naturschutz


Bedrohte Arten lassen sich am besten schützen, indem man ihre Lebensräume erhält, vom naturnahen Wald mit ausreichend Totholz über das Moor bis zur hochalpinen Wiese. Manchmal tun es auch Ersatzbiotope, für die Gelbbauchunke etwa mit Wasser gefüllte Radspuren, vielfach sind gezielte Wiederansiedlungen, Renaturierungen und Bestandesumwandlungen nötig. Bei Artenschutzprojekten sind die ÖBf-Betriebe jedenfalls firm, ob Spechte, Eulen, Schwarzstorch, Amphibien, Luchs oder Braunbär, Sibirische Schwertlilie, Deutsche Tamariske oder Wilder Wein.
  • Ein strahlend weißer Stern. Für Hubert von Goisern steht das Edelweiß, jenseits jeder symbolischer
Überhöhung, für Naturschutz und ein kernkraftfreies Österreich.
    foto: martin fuchs

    Ein strahlend weißer Stern. Für Hubert von Goisern steht das Edelweiß, jenseits jeder symbolischer Überhöhung, für Naturschutz und ein kernkraftfreies Österreich.

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