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Gedanken über das Multitalent Wald

4. Juni 2007, 12:52
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Josef Pröll reflektiert über die Zukunft der Waldwirtschaft und die der Österreichischen Bundesforste

Da soll noch jemand sagen, das Bewirtschaften der Wälder sei nicht zeitgemäß, nicht „trendy“ genug oder nur etwas für Traditionalisten. Vom Standpunkt jedes einzelnen Ressorts aus, für das ich verantwortlich bin – Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft – kann ich nur betonen: Wälder sind unentbehrlich! Wahrscheinlich sogar mehr denn je! Unzählige Tier- und Pflanzenarten sind Teil des komplexen Ökosystems Wald, Wälder sind ein wichtiger Klimaschutzfaktor, sie sorgen für saubere Luft und reines Wasser, sie bilden die Lebensgrundlage der lokalen Bevölkerung, sie liefern einen nachwachsenden Rohstoff, sie laden Einheimische und Gäste zur „natürlichen“ Sportund Freizeitgestaltung ein, und sie sind Orte spiritueller Erfahrung und Entspannung. Da von „Multifunktionalität“ zu reden klingt eigentlich viel zu technokratisch, „Multitalent Wald“ würde mir da als Schlagwort schon viel besser gefallen – aber zugegeben, für den Text eines Forstgesetzes wäre es unpassend.

Damit dieses Multitalent nicht verkümmert, gibt es einige große, einige mittelgroße und zigtausende kleine Waldbesitzer, denen die Bewirtschaftung und Betreuung ihrer Naturflächen ein Anliegen ist. Ja, es stimmt, die Waldbesitzer tragen große Verantwortung. Sie haben – nicht zuletzt im Hinblick auf die Rahmenbedingungen, die sich rasch ändern, Stichwort: Klimawandel – eine sehr spannende Betätigung. Umso mehr freut es mich, als Eigentümervertreter des wichtigsten und branchenführenden Forstunternehmens Österreichs, der Bundesforste, an den künftigen Aufgaben aktiv teilzuhaben. (Das klingt jetzt sehr nach offizieller Rede, aber bitte ...) Denn die Aufgaben und die damit verbundenen Herausforderungen werden es an Schwierigkeit und Größe nicht fehlen lassen.

Doch wie heißt es so schön? „Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen.“ Ja, Unternehmen, die Mut zur Kreativität und Phantasie entwickeln und in der Veränderung eine Chance sehen, werden langfristig erfolgreich bestehen. Nicht umsonst hat mein Amtsvorgänger vor zehn Jahren den politischen Mut bewiesen, die Bundesforste aus dem Staatshaushalt auszugliedern und als Aktiengesellschaft neu zu gründen. Wir müssen den Wandel als Chance begreifen, ohne die notwendigen Neuorientierungen als Bruch von Werten zu erleben. Veränderung ist und bleibt ein Grundprinzip des Lebens. Die Natur ist unser Vorbild. Ihr gelingt es, in uns Faszination für Veränderung zu erzeugen.

Auf die unternehmerische Veränderung bei den Bundesforsten kann man wirklich stolz sein und künftig darauf aufbauen. Die Österreichischen Bundesforste haben in den letzten Jahren hervorragende Arbeit geleistet, sie haben ihre neue Freiheit genützt und gelten zu Recht als Musterbeispiel einer Ausgliederung. Mit ihrem 2002 gestarteten Unternehmensentwicklungsprozess ist ihnen die Positionierung als nachhaltig agierendes Unternehmen voll gelungen. Sie leben Nachhaltigkeit und haben gezeigt, dass ein langfristig „notwendiger“ ökonomischer Erfolg einem ökologischen und sozialen Engagement nicht widerspricht. Aber wir dürfen nicht stehen bleiben!

Die ÖBf müssen für eine konsequente Fortsetzung und zeitgemäße Weiterentwicklung einer mehr als 80-jährigen Geschichte stehen. Auch wenn sie mittlerweile als Modewort einiges an Tiefgang verloren hat und durch CSR, Corporate Social Responsibility, begriffliche Konkurrenz bekommen hat: Nachhaltigkeit bleibt der Schlüssel zum Erfolg. Ihr müssen wir uns umfassend verpflichtet fühlen, denn in diesem Leitprinzip verbindet sich die Verantwortung als größter österreichischer Naturressourcenbewirtschafter mit den Verpflichtungen und Visionen als „Treuhänder“ des Bundeswaldes (oder des Staatsforstes, wenn man ihn so nennen will).

Es geht darum, die Wälder so zu nutzen, dass der Holzertrag dauerhaft erzielt werden kann, dass der Zuwachs genutzt wird, ohne den Wald in seiner Substanz zu gefährden. Es stimmt: Die Bundesforste müssen in höherem Maß als andere, private Waldbesitzer aktiv die Schutz- und Erholungsfunktion des Waldes und der Natur sichern – eine Grundvoraussetzung für die Erhaltung und Verbesserung der ökologischen Wertigkeit des ganzen Systems. Ganz zu schweigen von der Bewahrung und Verbesserung der biologischen Vielfalt. Darin sehe ich ein bedeutendes Ziel unserer Waldbewirtschaftung. Wir wissen, ein großer Strukturreichtum verbessert die Anpassungsfähigkeit gegenüber Umweltveränderungen und fördert wesentlich das Regenerationspotenzial von Wald und Natur. Deshalb müssen sich die ÖBf auch in Zukunft die Schaffung, die Erhaltung und den Ausbau naturnaher, gesunder und leistungsfähiger Mischwälder, die einer Vielzahl heimischer Tier- und Pflanzenarten als Lebensraum dienen, zum Ziel setzen. Darüber hinaus sollen sie auch weiterhin ökologisch besonders wertvolle Wälder in ihrem natürlichen Zustand erhalten – als Naturwaldreservate oder Nationalparks.

Zur Unternehmenspolitik der nächsten Jahre wird es auch gehören, die Nachhaltigkeit über das eigene Unternehmen hinauszutragen und über die Betriebe in den Regionen zu verankern. Mit regionaler Nachhaltigkeit sollten die ÖBf die wichtigsten Akteure in den Regionen und damit ihre Wirtschaftspartner stärken.

Und dann noch eine weitere, geradezu aufregende Seite des Waldes: seine Bedeutung als Klimaschutzfaktor! Der Klimaschutz ist wahrlich eine der bedeutendsten Herausforderungen dieses Jahrhunderts – nicht nur für die Politik, sondern für uns alle. Für die Forstbetriebe ist er eine Kernaufgabe. Der Wald wird gemeinhin als ein respektabler Speicher von Kohlendioxid aufgefasst, der sich durch Zuwachs, aber auch Aufforstung vergrößert. Aber auch durch die Holznutzung trägt der Wald zur Problemlösung bei. Einerseits als Speicher, insbesondere bei der Verwendung von Holz als Baumaterial, andererseits bei der Energiegewinnung aus Holz. Dieses Potenzial ist verantwortungsvoll zu nutzen. Auch dabei haben die ÖBf eine Vorbildfunktion und darüber hinaus die Verantwortung, ihr Knowhow und ihre Leistungsfähigkeit in den Regionen und im Interesse einer nachhaltigen Energiepolitik einzubringen.

WEGWEISER

Sicherer Ertrag für die Republik


Die seit 1925 bestehenden Bundesforste wurden 1997 aus dem Staatshaushalt ausgegliedert und als Aktiengesellschaft neu gegründet. Alleinaktionärin der ÖBf AG und Eigentümerin aller ÖBf-Flächen ist die Republik Österreich. Für das Recht zur Bewirtschaftung erhält sie von den ÖBf AG jährlich ein Fruchtgenussentgelt von 50% des Jahresüberschusses. In den vergangenen zehn Jahren summierten sich die ÖBf- Beiträge auf 195,5 Mio. 2. Einnahmen aus Grundstücksverkäufen fließen zur Gänze wieder in Flächenankäufe, sodass die Substanz des ÖBf-Besitzes erhalten bleibt.
  • Nachdenken im Grünen.
Bundesminister Josef Pröll sinniert
über die Zukunft der Waldwirtschaft
im Allgemeinen und die der
Österreichischen Bundesforste
im Speziellen.
    foto: martin fuchs

    Nachdenken im Grünen. Bundesminister Josef Pröll sinniert über die Zukunft der Waldwirtschaft im Allgemeinen und die der Österreichischen Bundesforste im Speziellen.

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