Minister zeigt zwei TV-Sender an

11. September 2007, 12:36
109 Postings

Globovision unterlegte Papst-Attentat mit Lied "Das ist noch nicht vorbei" – CNN verwendete Bildmaterial aus Mexiko

Der venezolanische Kommunikationsminister William Lara hat am Montag Anzeige gegen die Fernsehsender CNN und Globovision erstattet, weil diese zu Gewalt gegen Präsident Hugo Chavez aufgerufen bzw. manipuliertes Bildmaterial verwendet hätten.

Lara wirft CNN vor, Anfang Mai einen Bericht über Proteste gegen die Nichtverlängerung der Sendelizenz des Privatsenders RCTV mit Bildern einer Gedenkveranstaltung für den im mexikanischen Acapulco ermordeten Journalisten Amado Ramirez illustriert zu haben. Dass auf dem Video zahlreiche TeilnehmerInnen des Trauermarsches Schilder mit dem Vornamen des getöteten Reporters trugen, dürfte niemandem in der Redaktion aufgefallen sein. CNN weist die Vorwürfe zurück: man habe, als der Fehler bemerkt wurde, eine Korrektur gesendet, gab eine Sprecherin des US-Senders an.

Außerdem beschuldigte Lara CNN, ein Bild Chavez´ neben ein Foto des Al-Kaida-Führers Abbi Ajjoti el Masai zu montiert zu haben. Damit habe das US-Medium den venezolanischen Präsidenten mit "Gewalt und Mord" in Verbindung gebracht, sagte Lara. Ein Reporter des Senders erklärte jedoch, der zitierte Ausschnitt sei von Lara aus dem Zusammenhang gerissen worden.

Globovision soll zur Ermordung Chavez´ aufgerufen haben

Schwerer wiegen die Vorwürfe des Informationsministers gegen den im Besitz des TV-Magnaten Gustavo Cisneros stehenden venezolanischen Sender Globovision: in der Berichterstattung über die Kundgebungen am Wochenende wurden Bilder des Papst-Attentats 1981 eingeblendet, unterlegt mit den aufmunternden Versen des Salsa-Stars Ruben Blades: "Glaubt daran, das hört hier nicht auf" – ein Aufruf zur Ermordung des Staatschefs, interpretiert Lara. Der Informationsminister belegte seine Vorwürfe auf einer Pressekonferenz mit Videoeinspielungen.


Laras Erklärungen, warum die Anzeige gegen Globovision erforderlich sei, dürften dem Präsidenten des Senders, Alberto Federico Ravell, zuviel geworden sein: bei 4:14 der Live-Übertragung klappt ein Fenster auf, in dem der Globovision-Chef zu sehen ist, die Tonspur der Pressekonferenz des Ministers wird ausgeblendet und Ravell gibt seine Sicht der Dinge bekannt.

Reuters gegenüber warnte Globovision-Chef Ravell am Mittwoch vor weiteren Senderschließungen: "Dies ist ein Land mit einer einzigen Partei und mit einer einzigen Gewerkschaft. Nun scheint es, als ob es bald nur noch einen Fernsehkanal geben wird."

Die rechten Oppositionsparteien hatten ihre Kandidatur für die Wahlen 2005 überraschend zurückgezogen und sind deshalb nicht mehr im Parlament vertreten. Der der ehemals staatstragenden "Accion Democratica" nahe stehende Gewerkschaftsverband CTV hat zwar in Seit Chavez´ Amtsantritt viel Einfluss verloren, gab aber beim Erdölstreik 2002/2003, den der CTV gemeinsam mit der Unternehmervertretung Fedecamaras organisierte, ein kräftiges Lebenszeichen.

Copa America statt Telenovelas

Auf der bisherigen Frequenz von RCTV nahm unterdessen der neue Sender Televisora Venezolana Social den Sendebetrieb auf. Statt der Telenovelas, für die RCTV berühmt war, wird das Programm des neuen Lizenzinhabers laut eigenen Angaben aus Nachrichten, Kultur- und Sportübertragungen sowie in- und ausländischen Spielfilmen bestehen. Zum Einstand wurden die TV-Rechte für das Fußballturnier Copa America gekauft, das vom 26. Juni bis 15. Juli in Venezuela ausgetragen wird. (bed)

  • CNN verwendete für einen Bericht über Proteste in Caracas Bildmaterial einer Gedenkkundgebung für einen ermordeten Journalisten im mexikanischen Acapulco.
    screenshot: derstandard.at/

    CNN verwendete für einen Bericht über Proteste in Caracas Bildmaterial einer Gedenkkundgebung für einen ermordeten Journalisten im mexikanischen Acapulco.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Baltazar Cardozo, Erzbischof der westvenezolanischen Stadt Mérida, verglich Chávez mit Fidel Castro, Hitler und Mussolini.

Share if you care.