Geständnis beeindruckt nicht

9. Juli 2007, 16:39
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Ex-Sturm-Boss Kartnig gab Schwarzgeld­zahlungen zu - Sprecher der Anklagebehörde: "Er war in diesen Punkten schon überführt"

Graz - Wenig beeindruckt hat sich die Staatsanwaltschaft Graz am Mittwoch vom Teilgeständnis des ehemaligen Sturm-Graz-Präsidenten und derzeitigen Untersuchungs-Häftlings Hannes Kartnig gezeigt. Die langjährige Lichtgestalt des steirischen und österreichischen Fußballs hatte schon in der vergangenen Woche bei einer richterlichen Anhörung Schwarzgeldzahlungen an Spieler, Trainer und Angestellte sowie damit in Verbindung stehende Abgabenhinterziehung zugegeben.

Am Dienstag gingen nun Kartnigs Anwälte Richard Soyer (Wien) und Michael Pacher (Graz) mit dieser neuen Entwicklung auch öffentlich in die Offensive. Die Juristen erhoffen sich eine baldige Enthaftung ihres prominenten Mandanten, da die Gründe der Verabredungs- und Verdunkelungsgefahr nun weggefallen wären. Manfred Kammerer, der Sprecher der Staatsanwaltschaft Graz, sieht dies anders und relativierte Kartnigs Kooperationsbereitschaft: "Die Sachverhalte sind nicht vom Tisch. Er hat sich nur in Punkten geständig gezeigt, in denen er schon klar überführt war."

"Keine große Leistung"

Man sehe im Zugeben von Taten, die durch Unterlagen und Belege klar nachgewiesen wurden, keine große Leistung, betonte Kammerer. Abgesehen davon, dass man dem gefallenen Sturm-Zampano neben der Abgabenhinterziehung auch noch Veruntreuung, Untreue, betrügerische Krida und grob fahrlässige Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen zur Last legt, sei die Anklage in der jüngsten Hauptverhandlung auch noch auf das "Verbrechen des schweren Betrugs" ausgeweitet worden. Bis zur nächsten Verhandlung in drei Wochen werde laut Kammerer daher unverändert weiter erhoben.

Ein äußerst unangenehmes Nachspiel könnte das Geständnis der Schwarzgeldzahlungen für ehemalige Sturm-Kicker, Trainer oder andere Bezieher von anonymen Sparbüchern und sonstigen an der Finanz vorbeigeschleusten Zahlungen haben. Kammerer erklärte dazu: "Die gerichtliche Zuständigkeit beginnt in solchen Fällen ab 75.000 Euro. Nun gilt es die Frage zu klären, ob Spieler oder Trainer diese Grenze überschritten haben." Zunächst werde die Finanzbehörde tätig.

Spieler werden wohl befragt

Einigen Akteuren aus der "goldenen" Sturm-Ära, als Ivica Vastic, Markus Schopp, Hannes Reinmayr, Mario Haas und Co. in der Champions League "geigten", blühen also voraussichtlich unangenehme Befragungen. Es stellt sich wohl in erster Linie die Frage, ob die Zahlungen von den Empfängern versteuert wurden oder nicht. Im zweiten Fall wäre dies ein Finanzdelikt. Das Finanzamt Graz wollte dazu am Mittwoch allerdings keinerlei Auskunft geben.(APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Hannes Kartnig.

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