Paukenschlag ohne Schlussakkord

3. Oktober 2007, 15:01
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Harte Maßnahmen: 13 ÖSV-Betreuer werden nie mehr für Olympia akkreditiert - Schröcks­na­del trat als ÖOC-Vize zurück

Wien - Manchmal ist es schon losgegangen, bevor es wirklich losgeht. Und so hat das ÖOC am Dienstag brav gewartet, bis der ORF die mit Spannung erwartete Pressekonferenz des Olympischen Komitees Österreichs (ÖOC) eröffnet hatte.

Das Wiener Hotel Intercontinental, Saal Schubert. Vor einer halben Stunde ist High Noon gewesen, aber auf die halbe Stunde kommt's jetzt auch nicht mehr an. ÖOC-Präsident Leo Wallner liest seine Erklärung vor, der ÖOC-Vorstand hat sie einstimmig abgesegnet. Neben den sechs ÖSV-Sportlern, die schon seitens des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) auf Lebzeiten für Olympische Spiele gesperrt sind, wird das ÖOC 13 weitere ÖSV-Mitarbeiter nie wieder akkreditieren. Anmerkung: Vier der 13 sind nicht mehr für den Skiverband tätig, darunter Walter Mayer, der im Zentrum der Skandale in Salt Lake City 2002 (Blutbeutel-Affäre) und Turin 2006 (Amokfahrt) stand.

Eigentlich ist es auch gestern noch früher losgegangen. Denn Peter Schröcksnadel, Präsident des Skiverbands (ÖSV), wartete weder High Noon noch Pressekonferenz ab. Schon bei der ÖOC-Vorstandssitzung am Vormittag hatte er seinen Rücktritt als ÖOC-Vize erklärt. In einer Erklärung fährt er noch einmal mit Geschützen gegen ÖOC-Generalsekretär Heinz Jungwirth auf, verteidigt er noch einmal die ÖSV-Vorgangsweise.

"Kein Rechtsmittel" Im Saal Schubert betont Wallner, dass man über die 13 Nie-wieder-Olympia-Teilnehmer "keineswegs Schuldsprüche" gefällt habe. Sie seien halt "in einer Umgebung gewesen, in der gedopt wurde". Und das ÖOC sei "wie das IOC ein privater Verein. Wir behalten uns vor, wen wir akkreditieren und wen nicht." Wallner meint, dass es dagegen "kein Rechtsmittel" gibt. Schröcksnadel sei vom olympischen Bann nicht betroffen. "Er ist immer wieder gegen Doping aufgetreten." Und Jungwirth, der laut ÖSV als Chef de Mission verantwortlich zu machen wäre, bekam vom ÖOC-Vorstand einstimmig das Vertrauen ausgesprochen.

Gelassen und empört

Die Betroffenen reagierten unterschiedlich auf den ÖOC-Spruch. ÖSV-Teamarzt Peter Baumgartl, gelassen: "Mich beschuldigen weder IOC noch ÖOC, dass ich mit Doping oder Manipulationen zu tun habe. Daher sehe ich auch keinen Grund, rechtliche Schritte zu ergreifen. Ich kann damit leben, dass ich nicht mehr für Olympia akkreditiert werde."

Weniger groß war die Gelassenheit bei ÖSV-Biathlon-Cheftrainer Alfred Eder: "Da fühle ich mich nicht mehr wohl in Österreich. Es gibt zwei Fälle im Biathlon, bei 15 Leuten wurde gar nichts gefunden. Natürlich wehren wir uns." Der ÖSV-Erklärung ist auch zu entnehmen, dass der ÖSV den Anti-Doping-Experten Hans Holdhaus wegen Rufschädigung klagt.

Bürgermeister Heinz Schaden nennt Salzburgs Chancen in der Bewerbung um die Winterspiele 2014 "intakt". Im ORF hielt Schröcksnadel noch fest: "International ist das kein großes Thema. Wie beim Weinskandal: Wir hatten den Skandal, die Italiener die Toten. Es wird sich alles relativieren." Offen ist nur die Frage, wann es damit losgeht. (DER STANDARD Printausgabe 30. Mai 2007)

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    Peter Schröcksnadel (rechts) und Leo Wallner vor der Dringlichkeitssitzung in Wien - Interpretationen der präsidialen Handbewegung bitte posten!

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