Firmen scheuen die Bilanzhinterlegung

22. Juni 2007, 14:44
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Ein Viertel aller Unternehmen hinterlegen ihre Bilanzen nicht, wie dies das Gesetz vorsieht

Wien – Österreichs Unternehmen sind bei der Bilanzhinterlegung nach wie vor säumig. Immer noch kommt nur jedes vierte Unternehmen seiner Pflicht nicht oder verspätet nach, geht aus einer neuen Studie des Kreditschutzverbandes von 1870 (KSV) hervor. Dies entspreche im Jahresvergleich lediglich einem Rückgang um ein Prozent.

"Verweigerung aus Tradition"

26,11 Prozent der rund 100.000 in Österreich verpflichteten Unternehmen hinterlegen entweder nur veraltete oder überhaupt keine Bilanzen. Die Möglichkeit der elektronischen Abgabe ist offenbar kein Anreiz, der Pflicht pünktlich nachzukommen und wurde nur von 14,73 Prozent in Anspruch genommen. Als Gründe werden "Verweigerung aus Tradition", ein zu geringer Stellenwert der Bilanzhinterlegung in Unternehmen oder eine restriktive Haltung bei Informationsweitergabe genannt. Außerdem gebe es Kapazitätsengpässe bei Gericht.

Transparenz kann jedoch als Signal für gute Bonität gewertet werden, sagt der KSV: 40 Prozent jener Unternehmen, die keine oder veraltete Zahlen hinterlegen, seien in ihrer Bonität als gefährdet einzustufen sind.

Höchststrafe nur bei 3600 Euro

Im Ländervergleich schneiden Tiroler Unternehmer mit 9,5 Prozent an unzuverlässigen Hinterlegern am besten ab, die Kärntner weisen mit 45,4 Prozent die deutlichsten Hinterlegungsversäumnisse auf (siehe Grafik). Rund 40 Prozent aller Bilanzhinterlegungssünder rangieren in den Ratingklassen 4 bis 7. Der KSV spricht ein erhöhtes Risiko ab Ratingklasse 4 aus. In der Ratingklasse 1 – ausgezeichnete Bonität – versäumen lediglich 0,7 Prozent eine fristgerechte Bilanzhinterlegung.

Von den 2857 Unternehmen, die 2006 ein Insolvenzverfahren eröffneten, waren 1247 Unternehmen dem Gesetz nach bilanzhinterlegungspflichtig (Kapitalgesellschaften: AG, GmbH, GmbH & Co KG mit Gründungsjahr vor 2005). Die Höchststrafe von 3600 Euro sei zu gering, um die Bilanzhinterlegungsmoral zu steigern, beklagte KSV-Chef Johannes Nejedlik. (APA, red, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.50.2007)

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