Wiener Theaterreform: 45 Projekte zur Förderung empfohlen

1. Juli 2007, 19:49
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Neun Gruppen erhalten Zwei-Jahres-Förderungen - Auswahl "radikal nicht nach dem Gießkannenprinzip"

Wien - Mitte Jänner wurde das dreiköpfige Kuratorium für die Wiener Off- und Tanztheater-Szene neu bestellt, seit Anfang Februar sind Marianne Vejtisek, Angela Glechner und Andre Turnheim aktiv. Ihre Aufgabe ist die Entscheidung, welche Konzepte aus der Freien Szene gefördert werden sollen. Neun Gruppen erhalten Zwei-Jahres-Förderungen, insgesamt wurden aus 214 eingereichten Anträgen 45 Projekte der Kulturabteilung zur Förderung empfohlen, teilten die Kuratoren am Dienstag bei einer Pressekonferenz mit. Die restlichen Antragsteller werden von den 2,5 Millionen Euro, die jährlich zur Verfügung stehen, nichts sehen.

Auswahl "nach künstlerischer Notwendigkeit"

Man habe "radikal nicht nach dem Gießkannenprinzip" ausgewählt, sondern "nach künstlerischer Notwendigkeit", betonte Turnheim. Er verwies auf die Professionalität der Wiener Tanz- und Performance-Szene rund um internationale Aushängeschilder wie Chris Haring oder Philipp Gehmacher, daher wurden von den 45 zur Förderung empfohlenen Konzepten fünf aus dem Tanz-Bereich mit einer Zwei-Jahres-Förderung bedacht. Neben Haring und Gehmacher dürfen sich Barbara Kraus, Akemi Takeya und Artificial Horizon/Milli Bitterli über jährliche Förderungen von 40.000 bis 70.000 Euro freuen.

Im Theater-Bereich wurde von 16 geförderten Gruppen nur dem theatercombinat von Claudia Bosse eine Zwei-Jahres-Förderung zugesagt. Das Projekt wird mit 170.000 Euro pro Jahr insgesamt am meisten von der neuen Förderungsregelung profitieren. Von vier geförderten Musiktheater-Einreichungen wurden mit der Neuen Musikwerkstatt Wien und dem Sirene Operntheater zwei Projekte zur Zwei-Jahres-Förderung vorgeschlagen - mit 130.000 bzw. 120.000 Euro pro Jahr. Bei den Kinder- und Jugendtheaterprojekten kommt das Theater Foxfire in den Genuss einer zweijährigen Planungssicherheit in Höhe von 55.000 Euro pro Jahr. Die weiteren Projekte werden entweder mit Jahres-, Projekt- oder Nachwuchsförderungen bedacht.

"Die Stadt verträgt nur eine gewisse Anzahl von freien Gruppen"

Man habe sich die eingereichten Kalkulationen und finanziellen Forderungen sehr genau angesehen, so Vejtisek, Glechner und Turnheim, und man habe versucht, Kriterien anzuwenden, die über das subjektive Empfinden hinausgehen. "Die Stadt verträgt nur eine gewisse Anzahl von freien Gruppen", meinte Turnheim, dem eine verstärkte Transparenz in der Freien Szene ein Anliegen ist. So sollen die Off-Theater nicht nur als Begriff stehen bleiben, sondern mit ihren Inhalten auf sich aufmerksam machen. Seitens des neuen Schauspielhaus-Direktors Andreas Beck, dem Theater Drachengasse oder dem TAG bestünden bereits Überlegungen, wie man die Freie Szene auch stärker in den regulären Betrieb der Häuser einbinden könne.

Die Empfehlungen des neuen Kuratoriums, das bis 15. Jänner 2009 bestellt ist und das erste Dreier-Gremium Uwe Mattheiß, Anna Thier und Silke Bake (Bake war Günter Lackenbucher nachgefolgt) ablöste, gelten für einen Zeitraum von zwei Jahren ab der Herbstsaison 2007, alle zwei Jahre können neue Projekte zur Förderung eingereicht werden. Am 18. Juni laden die drei Kuratoren zu einem "Dialog mit der Szene" in den Dschungel im Wiener Museumsquartier. Dann soll es für alle Antragsteller die Gelegenheit geben, die Förderempfehlungen zu diskutieren und zu hinterfragen. Mit einigen emotionalen Stunden ist am 18. auf jeden Fall zu rechnen. (APA)

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