Java attackiert Flash und Microsoft

19. Oktober 2007, 10:02
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Neue Skriptsprache ermöglicht interaktive Web-Anwendungen- Java-Erfinder James Gosling: "JavaFX Script bringt Java zu den Kreativen"

Nach Adobe und Microsoft steigt jetzt auch Sun Microsystems mit seiner Java-Technik in die Entwicklung einer neuen Generation von interaktiven Web-Anwendungen ein. Auf der Konferenz "JavaOne" stellte Java-Erfinder James Gosling Anfang Mai die Skriptsprache JavaFX vor, die sogleich als "Flash-Killer" tituliert wurde.

Entwicklung von "Rich Internet Applications"

Wie bei Flash und wie bei der Microsoft-Technik XAML geht es auch bei JavaFX um die Entwicklung von "Rich Internet Applications" (RIA). Diese Anwendungen werden die Richtung vorgeben, in der sich das Web in den nächsten Jahren entwickelt.

"Die Welt hat doch schon so viele Skriptsprachen!"

"Warum denn noch eine Skriptsprache?", fragte Java-Guru Gosling, der sich den Java-Entwicklern langhaarig, bärtig und im T-Shirt ganz bodenständig präsentierte. "Die Welt hat doch schon so viele Skriptsprachen!" Aber keine sei bisher richtig geeignet zur Entwicklung von dynamischen Anwendungen mit der Integration von Videos und interaktiver Steuerung durch den Nutzer. Dies werde jetzt mit der neuen Skriptsprache möglich, erklärte Gosling und fügte hinzu: "JavaFX Script bringt Java zu den Kreativen."

Teuer

Bisher setzten Web-Designer bei der Gestaltung von aufwendigen Multimedia-Webseiten vor allem die von Macromedia entwickelte und inzwischen von Adobe betreute Flash-Technik ein. Dazu wird eine relativ teure Software benötigt, die gerade als Adobe Flash CS3 in einer neuen Version erschienen ist. Zur Steuerung von Schaltflächen und Formularen kommt in Flash die Skriptsprache ActionScript zum Einsatz. Noch raffiniertere Anwendungen werden mit Adobe Flex möglich, doch wird dafür eine teure Server-Software benötigt. Die mit Flash und Flex erstellten Web-Anwendungen bringt jeder Browser und jedes Betriebssystem auf den Bildschirm, da der Flash-Player frei verfügbar ist. Internet-Anwendungen ohne Browser, also direkt auf dem Desktop, sollen mit dem Adobe-Projekt Apollo möglich werden.

Allerdings liegt die Blütezeit dieser Mini-Anwendungen schon zehn Jahre zurück

Die Unabhängigkeit von einem bestimmten Betriebssystem war schon immer auch ein Vorteil der Java-Technik. Die "Laufzeitumgebung" (JRE) mit der virtuellen Java-Maschine (JVM) gibt es für alle Betriebssysteme. Sie ist erforderlich, um etwa die in Webseiten integrierten "Java-Applets" ausführen zu können. Allerdings liegt die Blütezeit dieser Mini-Anwendungen schon zehn Jahre zurück. Für heutige Ansprüche sind sie zu langsam und bieten zu wenig Interaktivität. Mit JavaFX soll sich beides ändern. Für Handys und andere mobile Geräte, also dort, wo Java bisher am erfolgreichsten ist, wird es mit JavaFX mobile eine spezielle Version geben.

Mächtiger

Die neue Skriptsprache kann Java-Klassen aufrufen und deren Funktionen einbinden, was JavaFX weitaus mächtiger macht als das verbreitete JavaScript, das mit Java nicht viel mehr als den Namen gemeinsam hat. Sehr viel einfacher wird mit JavaFX die Gestaltung der grafischen Oberfläche einer Anwendung, in der Fachsprache als GUI-Design bezeichnet. Um erste JavaFX-Anwendungen zu programmieren, gibt es im Internet frei verfügbare Plugins für Eclipse und NetBeans, das sind die beiden führenden Programme zur Entwicklung von Java-Anwendungen. Außerdem kann man selbst geschriebene JavaFX-Skripte in einem JavaFXPad testen - in einem unteren Fenster wird der Code eingegeben, im oberen Fenster läuft das Programm ab.

Plugins für Eclipse und NetBeans

Die Tests mit den Plugins für Eclipse und NetBeans gestalten sich etwas schwierig. Das Eclipse-Plugin mit der frühen Versionsnummer 0.0.2 bringt das Programm zum Absturz. Und mit NetBeans kommt es zu Problemen bei der Ausführung der Skripte. Da sich diese aber auch mit einem einfachen Editor erstellen und mit JavaFXPad ausführen lassen, kann man sich doch schon einen ersten Eindruck von der neuen Skriptsprache verschaffen. Die Bestimmung von Parametern zur optischen Gestaltung von Schaltflächen ist verblüffend einfach und erinnert an die Layout-Gestaltung von Web-Seiten mit Hilfe von CSS.

"Ich denke, es wird mindestens sechs Monate dauern, bis JavaFX die Möglichkeiten von Flex eingeholt hat"

Die Einführung von JavaFX hat in den Blogs der Software-Entwickler eine rege Diskussion über die Tendenzen bei den "Rich Internet Applications" ausgelöst. "Ich denke, es wird mindestens sechs Monate dauern, bis JavaFX die Möglichkeiten von Flex eingeholt hat", erklärte Tim O' Brien im Java-Blog des Verlags O'Reilly. Den größten Nachteil von JavaFX sieht der dänische Web-Designer kschiller darin, dass sich die Skripte noch nicht direkt in eine Webseite einbinden lassen - im Unterschied zu den alten Java-Applets und den anderen RIA-Angeboten.

Silverlight

Die RIA-Strategie von Microsoft hört auf den poetischen Namen Silverlight - der Software-Marktführer bezeichnet so die Techniken, die bisher unter dem sperrigen Namen "Windows Presentation Foundation/Everywhere (WPF/E) geführt wurden. Auch Silverlight-Anwendungen funktionieren systemübergreifend, die Programme für ihre Entwicklung sind allerdings vor allem in der Windows- und .NET-Welt zu Hause. Wichtigste technische Grundlage von Silverlight ist XAML (Extensible Application Markup Language), ein von Microsoft entwickeltes XML-Format für Web-Anwendungen.

Welche Technik schließlich die Nase vorn haben wird, hängt nicht zuletzt davon ab, welche Präferenzen die Entwickler haben. JavaFX hat nur dann eine Zukunft, wenn sich eine breite Entwicklergemeinde dafür begeistern und überzeugende Werke vorlegen kann. (AP)

  •  Java-Erfinder James Gosling

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