Vorwurf der Willkür: Mailath unter Druck

1. Juli 2007, 19:49
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Groteske rund um den "Operettensommer" - SP-Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny verstrickt sich in Widersprüche

Wien - Von Marie Ringler, der Kultursprecherin der Grünen, wegen freihändig vergebener 150.000 Euro an eine SP- Vorfeldorganisation für den Wiener Operettensommer im Theresianum unter Druck gebracht, verstrickt sich SP-Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny in Widersprüche.

Im Zuge der Theaterreform wurden zwei Gremien eingesetzt, die prinzipiell über alle Subventionsansuchen zu befinden haben. Auf dieses Faktum wies Franz Ferdinand Wolf, Kultursprecher der VP, am Freitag im Gemeinderat hin: "Die Theaterreform umfasst", so deren Leitbild, "alle Gruppen und Einrichtungen der darstellenden Kunst, die von der Stadt Wien Finanzierungsbeiträge erhalten."

Dies weiß auch Mailath: In einem Brief an den Linzer Bürgermeister Franz Dobusch vom 8. Februar, der dem Standard vorliegt, teilt er mit, dass die Stadt die künstlerische Beurteilung "an ein unabhängiges Expertengremium delegiert hat, um möglichst objektive Förderungsentscheidungen treffen zu können". Den zuständigen Kuratoren aber wurde, wie diese beteuern, der den Operettensommer betreffende Akt nicht vorgelegt.

Mailath verteidigte sich nun dahingehend, dass es sich beim Wiener Operettensommer um eine "Sommerveranstaltung" handle, die von ihrer Anlage her "nichts mit der Theaterreform zu tun hat, weil das explizit ein Operettensommer ist, von dem auch die Kuratoren und die Jury sagen: Das hat mit uns nichts zu tun".

Dies müsste bedeuten, dass auch Die Fledermaus, ein Projekt des Musiktheaters Schönbrunn, nichts mit der Theaterreform zu tun hat: ebenfalls Operette, ebenfalls Sommerveranstaltung, ebenfalls imperialer Rahmen. Doch in diesem Fall übermittelte Mailath das Ansuchen dem Kuratorium. Und dem Linzer Bürgermeister, der für die Fledermaus interveniert hatte, schrieb er: "Sollte dieses Gremium sich für eine Förderung des Projekts aussprechen, wird die Stadt dieses selbstverständlich im Rahmen der Möglichkeiten unterstützen."

Verärgert über den Vorwurf der Willkür, konterte Mailath im Gemeinderat mit einer Unterstellung: Er würde ja auch das Diskussionsforum Depot fördern, obwohl Wolfgang Zinggl, Kultursprecher der Bundes-Grünen, Vorstandsmitglied sei. Pech für Mailath: Zinggl übt beim Depot seit Jahren keine Funktion mehr aus. (Thomas Trenkler/ DER STANDARD, Printausgabe, 26./27./28.05.2007)

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