Pühringer für verpflichtendes Vorschuljahr

9. Juli 2007, 12:38
56 Postings

Landeshauptmann widerspricht ÖVP-Bildungssprecher - Verweist jedoch auf Finanzierung und Arbeitsmarkt

Wien - Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer spricht sich für ein verpflichtendes Vorschuljahr aus. ÖVP-Bildungssprecher Fritz Neugebauer hatte diese Forderung der SPÖ zuletzt abgelehnt. "Ein verpflichtendes Vorschuljahr ist durchaus diskussionswürdig", sagt dagegen Pühringer im Gespräch mit der APA. Aber: "Ich glaube, dass der Bund sich sehr schwer tun wird, die Senkung der Klassenschülerhöchstzahl und das verpflichtende Vorschuljahr gleichzeitig zu finanzieren."

ÖVP ist für eine Diskussion offen

Dass er sich mit seinem Eintreten für das Vorschuljahr im Widerspruch zu seiner eigenen Partei befindet, weist Pühringer zurück: "Die ÖVP ist für eine Diskussion offen. Was wir ablehnen ist der klassische Schulbeginn mit fünf Jahren." Das Vorschuljahr müsse daher pädagogisch richtig gemacht werden. Außerdem müsse die Finanzierung gesichert sein - nicht nur bei den vom Bund zu bezahlenden Personalkosten, sondern auch bei der nötigen Infrastruktur: "Länder und Gemeinden können das sicher nicht zahlen."

Keine leeren Kindergärten

Vermieden werden müsste laut Pühringer jedenfalls, dass die Einführung eines verpflichtenden Vorschuljahres dazu führt, Kindergärtnerinnen in die Arbeitslosigkeit zu drängen. Er plädiert daher dafür, nach Einführung einer obligatorischen Vorschule das Eintrittsalter in die Kindergärten vorzuverlegen und verweist darauf, dass derzeit deutlich weniger dreijährige als fünfjährige Kinder einen Kindergarten besuchen. Pühringer: "Die Kindergärten würden nicht leer stehen. Man würde beim Kindergarten den Eintritt nach vorne ziehen." Für die Länder würde eine (vom Bund finanzierte) verpflichtende Vorschule daher keine Kostenersparnis bedeuten.

SPÖ erfreut

Die SPÖ hatte am Freitag die Einführung eines verpflichtendes Vorschuljahres gefordert. ÖVP-Bildungssprecher Fritz Neugebauer lehnte dies ab und meinte, die ÖVP sei grundsätzlich gegen eine Verpflichtung. Die SPÖ zeigte sich nun erfreut und reagierte positiv auf den Vorstoß des oberösterreichischen Landeshauptmannes. Ihre Partei fordere das schon seit längerem, die Umsetzung sei aber bisher an der "ideologischen Blockade-Politik der ÖVP" gescheitert, so SPÖ-Familiensprecherin Andrea Kuntzl.

Angesichts des schlechten Abschneidens Österreichs bei PISA hätten alle Experten einhellig dafür plädiert, die vorschulische Förderung der Kinder zu verbessern, erklärte Kuntzl. Es sei "besonders erfreulich, dass sich in der Nach-Gehrer-Zeit jetzt endlich die allgemeine sachlich richtige Erkenntnis in Richtung Vorschuljahr durchzusetzen beginnt".

Auch SPÖ-Bundesgeschäftsführer Josef Kalina begrüßte, dass es in der ÖVP immer mehr Stimmen gebe, die sich für ein verpflichtendes Vorschuljahr aussprechen. Vor allem Kinder aus sozial benachteiligten Familien würden von einem Bildungsjahr vor dem Schuleintritt profitieren, zeigte er sich überzeugt. Die SPÖ wolle keinen klassischen Schulbeginn mit fünf Jahren, sondern ein verpflichtendes, kostenloses Vorschuljahr für alle Kinder in enger Zusammenarbeit von Kindergarten und Volksschule.

Grüne: "Frage des pädagogischen Konzepts kommt in der Diskussion zu kurz"

Für den Grünen Bildungssprecher Dieter Brosz kommt in der Diskussion um ein verpflichtendes Vorschuljahr die Frage nach dem pädagogischen Konzept zu kurz. Sollte ein verpflichtendes Vorschuljahr kommen, dann brauche es eine geeignete Ausbildung der Kindergärtner oder der Lehrer - je nachdem, wie das Modell organisiert ist. Die Grünen seien nie "ganz so euphorisch" bezüglich des verpflichtenden Vorschuljahrs gewesen, so Brosz gegenüber der APA. Denn Zielsetzung sei nach wie vor, die Kinder möglichst lange im Kindergarten zu lassen. Kritisch betrachtet er auch die kurze Zeit von nur einem Jahr: Dies sei eindeutig zu wenig, um eine Sprache zu erlernen. Daher sei mit einem Vorschuljahr dieses Problem nicht gelöst.

FPÖ will verpflichtendes Vorschuljahr nur für Zuwandererkinder

Für FPÖ-Bundesparteiobmann Heinz-Christian Strache sind die Aussagen Pühringers "ein weiteres Indiz für die tiefe innere Zerrissenheit der ÖVP, die zu jedem Thema zwei oder mehr verschiedene Meinungen hat". Er bekräftigte die Forderung seiner Partei nach einem verpflichtenden Vorschuljahr nur für Zuwandererkinder. "Kinder müssen die deutsche Sprache ausreichend beherrschen, damit sie zum Regelunterricht zugelassen werden. Dies ist mit standardisierten Tests mit entsprechender Vorlaufzeit vor der Einschulung sicherzustellen", so die Position Straches.

Verwunderung beim BZÖ

BZÖ-Familiensprecherin Ursula Haubner reagierte mit Verwunderung auf Pühringers Vorstoß. Sie frage sich, wieso er die Forderung ihrer Partei nach einem Gratiskindergartenjahr vor der Einschulung nicht im Zuge des oberösterreichischen Kinderbetreuungsgesetzes 2007 umgesetzt habe. (APA)

  • Artikelbild
    foto:standard/newald
Share if you care.