"Alles was extrem ist, läuft einer Integration zuwider": Religionsvertreter im Interview

Redaktion, 2. Juni 2008, 11:26

Welche Rolle spielt der Glaube bei Integration, kann Religion Integration auch erschweren?

Welchen Stellenwert nimmt Integration und der Umgang mit Fremden für die einzelnen Glaubens-Gemeinschaften ein, wann kann Religion den Integrationsprozess gefährden: Im derStandard.at-Interview mit Thomas Bergmayr erklären Vertreter der wichtigsten Kirchen in Österreich, wie die religiösen Auffassungen ihres Glaubens und Integration zusammen passen, welche Maßstäbe sie anlegen und unter welchen Umständen Religion ein Hindernis für den Integrationsprozess sein kann.

 

Römisch-Katholische Kirche
Michael Landau
Caritasdirektor der Erzdiözese Wien

 

  • Welche Rolle sehen Sie für Ihre Kirche im Zusammenhang mit Integration?

     

    Österreich – und auch die katholische Kirche in diesem Land – hat eine lange und positive Tradition im Umgang mit anderen Religionen, das gilt auch für den Islam. Die Grundhaltung des Miteinanders, der gleichen Würde des und jedes Menschen ist hier spätestens seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil für die Katholische Kirche bestimmend: Es gibt nur ein Maß, die Maßeinheit Mensch. Da geht es um den Respekt vor den kulturellen Unterschieden, aber auch den Schutz der gemeinsamen unverzichtbaren Werte, die auf der gleichen Würde und den universalen Menschenrechten gründen.

    Der Angst vor fremden Religionen muss Information und Aufklärung gegenüber gestellt werden. Es geht um einen Dialog, der Respekt vor und Kenntnis der eigenen Identität hat, aber ebenso Respekt vor der Identität der anderen. Ich bin überzeugt: Es geht darum zu verstehen, was dem anderen heilig ist! Dazu müssen wir einander zuhören, miteinander ins Gespräch kommen, den Verstand, aber auch die Herzen bilden.

    Als Caritasverantwortlicher weiß ich: Integration ist möglich, und gelungene Integration ist für alle Beteiligten ein Gewinn. Es würde Österreich große Vorteile bringen, wenn auch gesehen würde, dass wir es mit Menschen zu tun haben, die eine Fülle an Talenten und Kompetenzen einbringen. Das zu unterschätzen heißt, diese Fähigkeiten und damit Chancen ungenützt zu lassen.

    Hier appelliere ich an den Innenminister, die im Regierungsprogramm vorgesehene Integrationsplattform möglichst rasch einzurichten. Da geht es um deutlich mehr als um den Sicherheitsaspekt, der heute dominiert. Gelungene Integration braucht ein Gesamtkonzept, das auf sechs Säulen beruht: Recht auf Familie, Zugang zum Arbeitsmarkt, soziale Absicherung, Bildung, vertretbare Wohnverhältnisse, politische Partizipation.

     

  • Kann Religion und Glauben auch die Integration erschweren?

     

    Glaube ersetzt nicht das Denken, er gibt zu denken. Integration wird oft missverstanden als "Anpassung", bis hin zur Assimilation. Aber Integration ist ein Prozess auf Gegenseitigkeit, der beide Seiten verändert und bereichert. Es geht um das Einhalten einer "gemeinsamen Hausordnung", nicht um eine Monokultur, die allen gleichsam übergestülpt wird. Wo das anders gesehen und vielleicht sogar religiös behauptet wird – im Widerspruch zur Religionsfreiheit, die notwendig und wechselseitig gefordert ist – dort kann Religion Integration erschweren.

    Glaube kann sich als Hindernis erweisen, wo er zur Ideologie verkommt. In kirchlichen Begriffen: wenn also nicht mehr die umfassende und befreiende Liebe Gottes, die allen Menschen unterschiedslos gilt, Maß ist, sondern nachgeordnete und menschenbedingte Ausformungen religiöser Einstellungen Dominanz gewinnen.

    Hier ist auch an Kardinal Christoph Schönborn zu erinnern, der bei der internationalen Konferenz "Islam in einer pluralistischen Welt" 2005 in Wien gesagt hat: „Als Religionen mit Missionsauftrag sind wir … vor Gott und der Welt verantwortlich dafür, dass wir die Gemeinsamkeiten unserer Missionsaufträge suchen und sie auch gemeinsam praktizieren (…) Und wir werden darüber Rechenschaft geben müssen, ob wir den vielen Menschen, die nicht an Gott glauben können, ein glaubwürdiges Zeugnis über den Glauben an Gott gegeben haben oder ob wir durch unsere Konflikte den Atheismus verstärkt haben." Daran ist immer wieder zu erinnern – nach innen und außen.

    => Weiterlesen: Evangelische Kirche

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  • Kommentar posten
    Posting 1 bis 25 von 150
    1 2 3 4
    nochwer
    00

    es kommt ja niemand auf die Idee zu sagen, daß es Integration ist, wenn jemand den Glauben derer annimmt, wo er hinkommt. Weil er kommt ja, weil es ihm da besser gefällt. Außerdem will er ja den Leuten, die ihm helfen, hier heimisch zu werden, auch eine Freude machen. Und man muß auch sagen, daß es vielleicht so ist, daß es sich deswegen bei uns besser lebt, weil wir eben unseren Glauben so gehabt haben. Warum sollen wir das jetzt zerstören ? Wer weiß denn, ob denen ihr Glauben etwas wert ist ?

    trollvottel
    01
    18.1.2008, 16:34

    Du versuchst die Essenz Europas auf Religion zu reduzieren? Das finde ich barbarisch - denn gerade aus dem Streit zwischen weltlicher und geistlicher Macht, der in dieser Form und Schärfe nirgendwo sonst geführt wurde und nirgendwo anders als hier zu Renaissance, Aufklärung und Moderne geführt hat, ist unsere europäische Geisteshaltung hervorgegangen.

    fliegendes Bettgestell
    10
    18.6.2007, 22:02
    Wenn Eisenberg glaubt, dass gemäß des AT alle Menschen gleich sind,

    dann hat er die Bibel einfach nicht gelesen! Bei sowas krieg ich wirklich an Gachen.
    Alleine das Frauenbild, das im AT vermittelt wird, ist eine einzige Katastrophe. Eine kleine Kostprobe:

    Lot versucht eine Horde randalierender Männer zu besänftigen:

    " Lot ging heraus zu ihnen vor die Tür und schloss die Tür hinter sich zu und sprach: Ach, liebe Brüder, tut nicht so übel! Siehe, ich habe zwei Töchter, die wissen noch von keinem Manne; die will ich herausgeben unter euch und tut mit ihnen, was euch gefällt; aber diesen Männern tut nichts,.."
    1.Mose, 19

    So sieht die Realität aus. Und mit Fremden haben die heiligen Schriften auch nichts am Hut.

    Philbert Desanex
     
    00
    11.1.2008, 12:46
    Liebes fliegendes Bettgestell, landen Sie mal und wachen Sie auf!

    Die „Horde randalierender Männer“ waren Homosexuelle, die mit den Besuchern Lots perversen Sex haben wollten.
    (1. Mose 19:5) „Und sie riefen unablässig nach Lot und sagten zu ihm: „Wo sind die Männer, die heute nacht zu dir hereingekommen sind? Bring sie zu uns heraus, damit wir Verkehr mit ihnen haben können.““

    Um den Gesetzen der Gastfreundschaft zu genügen und und seine Gäste vor seinen abartigen Nachbarn zu beschützen, war Lot sogar bereit seine Töchter zu opfern.

    Wer von unseren heutigen Gutmenschen würde für einen „Fremden“ so weit gehen?

    Zum Punkt "Frauenbild im AT": Die meisten heutigen Emanzen wären froh, wenn auch nur zu 1/10 auf sie zuträfe, was über eine „tüchtige Ehefrau“ in Sprüche 31; Verse 10 – 31 gesagt wird.

    Peter Mayr
    33
    30.5.2007, 13:38
    Extremer, fundamentalistischer Säkularismus


    ist der Hauptgrund für Rassismus in der Geschichte.

    Allen voran das traurige Paradebeispiel des Nationalsozialisten, Bolschiwisten und Kommunisten mit all ihren rassistischen Massenmorden und absichtlichen Hungerkatastrophen (z.B. Ukraine in den 20er und 30er Jahren unter Kruschtschew) ...

    trollvottel
    01
    18.1.2008, 16:38

    IMO Unsinn.
    a) Der NS-Kult war eine Ersatzreligion, die gezielt daran arbeitete, die verweichlichten Tugenden des Christentums - Mitleid, Mitgefühl, Demut - durch "Härte, Gnadenlosigkeit, Mordgier" zu ersetzen.

    b) Auch der ebenso durchgeknallte, quasireligiös verehrte Stalin - der übrigens mit der Hungersnot in der Ukraine mehr zu tun hatte als Khruschtschow! - ist nicht unbedingt ein tolles Beisspiel für "säkulare" Kulte.

    depp am huegel
    00
    16.6.2007, 15:06

    Sie haben also den grund allen übels gefunden. wie schön. werden Sie glücklich mit Ihrer weltsicht, auch wenn Sie nur einen bruchteil der katastrophen in der menschheitsgeschichte damit erklären können.

    Schreck
    33
    31.5.2007, 09:21

    Wo soll ich anfangen?
    Der Stalinismus war real kein Kommunismus, sondern näher am Faschismus. (Theorie war gut, Praxis war nie an der Theorie)
    Hitler war Katholik.
    Der Nationalsozialismus war kein System, welches den Säkularimus hochjgejubelt hat. Im Gegenteil er hatte sehr viele religiöse Momente. Angefangen beim Führerkult als Ersatzreligion bis zu Deutschtum als natürliche Verbidnung mit dem Göttlichen.
    Zudem hatte er in seiner Rückwärtsgewandtheit, in seiner unfreien Bildung und in seinem propagieren vom Bauer als Ideal des Menschen und Anlehnung von zuviel (ziviler, kapitalistischer) Technologie (im Gegensatz zum millitärischen Bereich) mehr mit den heutigen Islamisten gemein als mit irgendetwas anderen sonst.

    Rosa Stahl
    32

    Es gibt also immer noch leute, die glauben, dass man den Sozialismus noch immer nicht praxisgerecht genug ausprobiert hätte!!! Und das nach Millionen Toten rund um die Welt (Stalin, Pol Pot, mao tse tung....)
    Und dass Katholiken und katholische Geistliche reihenweise in den KZs umgekommen sind (Edith Stein, Jägerstädter, zahlose Ordensmitglieder...) haben Sie offenbar auch verschlafen...

    Sie sind peinlich.

    Ernst Kratochwil
    00
    30.5.2007, 15:57
    Weder der Kommunismus noch der Bolschewismus

    hatte rassistische Elemente. Wo rassistisch agiert wurde, hatte das nichts mit dem Kommunismus zu tun.


    Da waren noch die rassistischen Morde und Völkermorde der christlichen Eroberer eher mit der christlichen Ideologie vereinbar und von ihr geprägt.

    insertnamehere
     
    04
    30.5.2007, 16:41
    Ach? So ist das also?

    Kommunistische Gräuel - die sind untypisch für den Kommunismus an sich, der im Kern eine friedliche Ideologie ist.

    Christliche Gräuel - die sind total typisch für das Christentum an sich, das im Kern eine friedliche Religion ist.

    Ernst Kratochwil
    10
    30.5.2007, 21:57
    Es ging nicht um Gräuel sondern um Rassismus

    und der ist kein Teil einer kommunistischen Ideologie.

    Mord Totschlag und das was Sie Gräuel nennen hat es im Namen der Kirche genau so wie im Namen des Kommunismus gegeben.

    Nur die Kirche hat lange Zeit die Massenmorde, Raub und Totschlag an Indianern und Schwarzen sowie die Sklavenhaltung nicht nur toleriert sondern auch gerechtfertigt. Gerechtfertigt mit religiös unterlegten Rassismus.

    insertnamehere
     
    01
    31.5.2007, 09:24
    Geh bitte!

    Erst mal: Stimmt. Aber: Rassismus ist trotzdem kein Teil der christlichen Lehre und der gegen Schwarze und Indianer schon gar nicht, weil die dann doch irgendwo in der Bibel zumindest explizit ERWÄHNT werden müssten!

    Und Sie wissen genau, dass ich Ihnen auch problemlos Beispiele für praktizierten, "kommunistischen" Rassismus bringen kann. Man könnte zB fragen, wer immerschon besonders gute Chancen auf das Anklagebankerl in stalinistischen Schauprozessen etc. hatte...

    Wemma auf theoretisch/ideologischer Ebene argumentieren, bring ma auf beiden Seiten an sich ideale Gesellschaften zsamm, die von Liebe und Respekt gekennzeichnet sind.

    Wemma auf praktischer und historischer Ebene argumentieren, dann nicht.

    Unentschieden.

    Pefo
    00

    Habe leider nicht weitergelesen, insertnamehere,

    sonst hätte ich mir mein Commentar von vor fünf Minuten mir sparen können.

    Dimple .
    01
    30.5.2007, 16:34
    Ich gebe Ihnen recht

    die Kommunisten und Bolschewisten haben ohne Ansehen von Rasse Millionen Morde begangen.

    Also kann man sagen: Extremer Atheismus hat (siehe Deutschland/Österreich, UdSSR, China, Kambotscha) zu den größten (aber nur bei passender Gelegenheit rassistisch motivierten) Massenmorden der Geschichte geführt.

    lg
    Dimple

    Schreck
    11
    31.5.2007, 09:22

    und das lles wurde explizit im Namen des Atheismus getan? Interessante Geschichtsdeutung.

    Dimple .
    01
    31.5.2007, 11:28
    Allen gemein war

    die Verfolgung von Gläubigen (aller möglichen Schattierungen), entweder im Namen der Ideologie oder weil Gläubige den ihrer Religion innewohnenden Auftrag zur Verteidigung der Schwachen und Barmherzigkeit (zB. durch Verstecken von Juden im III. Reich) wahrgenommen haben.

    lg
    Dimple

    Schreck
    11
    31.5.2007, 13:47

    Ich verstehe nicht, warum das eine konstituierende Sache des Atheismus sein soll? (wo jener sich doch im Namen der Aufklärung sieht- liberté, EGALITÈ, fraternité)
    Zudem es keine atheistischen ideologien waren.

    na nie!
    11
    30.5.2007, 17:24
    @ dreiecksflasche,

    Zum Atheismus kommt man durch einen kritischen, rationalen Denkprozess. Jegliche extreme Gesinnung (siehe Deutschland/Österreich, UdSSR, China, Kambotscha) braucht aber wie die Religionen ihre Dogmen. Kritik und Dogmen stehen aber in Wiederspruch zueinander. Jene, die Sie in ihrem Posting richtigerweise als Massenmoerder bezeichen, hatten nur das Maentelchen "Atheismus" umgehaengt aber durch ihre Dogmen sehr wohl ihre eigene "Religion".

    Dimple .
    12
    31.5.2007, 11:24
    Da könnten Sie Recht haben

    sowohl der Kommunismus (in seinen Spielarten in der UdSSR und im Ostblock, in China, in Kambotscha) als auch der Nationalsozialismus haben eine "atheistische Religion" begründet und die Dogmen der Ideologie anstelle des Glaubens gesetzt - v.a. weil ja jeder Glauben im Prinzip Nächstenliebe, Hilfe für den Schwachen, Vergebung und Barmherzigkeit lehrt, was in "religionsfreien Religionen" vollkommen fehlt - wie die Massenmorde im Namen dieser Ideologien ja gezeigt haben.

    lg
    Dimple

    Hofrat Geiger
    03
    30.5.2007, 11:24
    Setzt sich in diesem Forum eigentlich jemand mit den Aussagen von Michael Landau auseinander?

    Oder betreibt hier jeder nur billiges Kirchen-Bashing? Wenn Auklärung (auch) die vorbehaltslose Auseinandersetzung mit den Ideen anderer ist, dass ist dieses Forum eines der am wenigsten aufgeklärten seit langem...

    hexe caracas
    02
    30.5.2007, 13:25
    zuerst kommt das Fressen

    dann die Moral. Warum sollte es in Zeiten der Globalisierung anders sein? Und schon die Angst das Fressen (die Arbeit) zu verlieren bewirkt einiges.

    cyber ferkel
    11
    30.5.2007, 12:13

    Sie haben vollkommen Recht! Wenn es um unsere Kirche(n) geht wird geschimpft, auf's gröbste verleumdet und persönlich beleidigt. Wenn's um den Islam geht, stören dessen extreme Grundsätze niemanden. Verständnisvoll werden diese mit dem Argument der Weltoffenheit akzeptiert und vorbehaltlos zur Kenntnis genommen.

    Arbeiter
    12
    30.5.2007, 11:35
    Habe nochmals genau gelesen, verehrter Hofrat: Landau will z.B., dass wir aktzeptieren, was dem anderen heilig ist.

    Und Information will er auch. Also: den Muslimen sind Koran und Scharia heilig und das vorbildliche Leben des Propheten Mohammed. Diese unterscheiden sich teils fundamental vom Christentum. Platz hier zu wenig, aber der Unterschied ist so groß wie der zwischen Jesus Christus und dem Propheten Mohammed. Was bedeuten also konkret für Landaus "Integrationsvorstellung" die unveränderlichen islamischen Gesetze zum Familienrecht, z.B. das Verbot der Ehe von Muslimas mit Andersgläubigen und die Todesstrafe für den Abfall vom Glauben? Information? Ja bitte! Und Auseinandersetzung mit den realen Sachverhalten.

    Tethys
    00
    30.5.2007, 14:30

    Wo genau liegt jetzt der Unterschied zwischen Jesus und Mohammed? Und bitte bleiben Sie dabei bei Ihren "realen Sachverhalten", also kein Argument wie "Jesus war der Sohn Gottes".

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    Posting 1 bis 25 von 150
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