Suspendierter Richter kritisiert Militärherrschaft

5. Juli 2007, 12:53
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Tausende Oppositionsanhänger bekunden Chaudhry Solidarität

Islamabad - Der vom pakistanischen Staatschef Pervez Musharraf suspendierte Oberste Richter hat sich in einer Rede indirekt gegen die Militärherrschaft in seinem Land gewandt. In seiner am späten Samstagabend in Islamabad gehaltenen Ansprache vor Juristen sagte Iftikhar Muhammad Chaudhry, es sei gefährlich, wenn ein Mensch über alle Macht verfüge und die Gerichte von der Regierung kontrolliert würden. Ohne Musharrafs Namen zu erwähnen, fügte er hinzu, die Unabhängigkeit der Gerichte sei der beste Schutz gegen Machtmissbrauch.

Vor dem Saal in der Nähe des Obersten Gerichts, in dem Chaudhry seine Rede hielt, bekundeten ihm tausende Anhänger der Opposition ihre Solidarität. Wegen des Massenandrangs auf dem Weg von Chaudhrys Haus zu dem Versammlungsort verzögerte sich der Beginn seiner live auf großen Bildschirmen vor dem Saal und auf Satellitenfernsehsendern übertragenen Rede um fünf Stunden. Zu Gewalttätigkeiten kam es nicht.

Vetternwirtschaft

Seit Musharraf den Obersten Richter wegen des Vorwurfs der Vetternwirtschaft im März beurlaubte, ist Chaudhry zur Symbolfigur des Widerstands gegen die Militärherrschaft geworden. Chaudhrys vor zwei Wochen in der pakistanischen Wirtschaftsmetropole Karachi geplanter Auftritt war nach seiner Landung auf dem dortigen Flughafen abgesagt worden. Der Streit zwischen Chaudhrys Anhängern und Regierungstreuen eskalierte in Karachi in mehrtägigen Straßenschlachten, bei denen amtlichen Angaben zufolge 42 Menschen getötet wurden.

Die Opposition wirft Musharraf vor, mit seinem Vorgehen gegen Chaudhry die Justiz schwächen zu und seine Ausgangsposition vor der anstehenden Parlamentswahl verbessern zu wollen. Der Militärmachthaber, dessen Amtszeit Ende des Jahres endet, strebt ein weiteres Fünf-Jahres-Mandat an. (APA)

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