Urbane Tools für iPod, Handy und Co

8. Juni 2007, 10:54
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Auf die innere Größe kommt es an: Dass Produkte einer kleinen österreichischen Firma zum Exportschlager werden können, machen die kreativen Köpfe von Urban Tool vor

Vor einigen Jahren fuhren in den nicht gerade idyllischen Hinterhof in der Reindorfgasse im 15. Bezirk noch Autofahrer, um ihre Vehikel zu betanken und reparieren zu lassen. Heute reihen sich im Abteil neben dem ehemaligen Öllagerraum, der zur Gerümpelkammer geworden ist, auf den Tischen Bohrmaschinen, Sägen und Lotkölben aneinander. Im restlichen Raum stapeln sich Stoffe und Verpackungsmaterial in den Regalen, hängen Schnittmuster und Schneiderwerkzeug an den Wänden, geben Nähmaschinen und Bügelbrett sich ein Stelldichein.

foto: standard/christian fischer

"Unser kreatives Chaos", stellen Anja Herwig und Sabrina Tanner, Geschäftsführerinnen der Lösungsmittel GmbH und deren Vetriebstochter Urban Tool, mit einer einladenden Geste ihre Werkstatt vor. Seit 2001 entwickeln die beiden Industriedesignerinnen "Textilien mit Elektronik gekoppelt", wie sie ihr Geschäft auf einen kurzen Nenner bringen.

Im Hinterhof wird den Ideen Gestalt gegeben, die in der "Denkwerkstatt" auf der gegenüberliegenden Straßenseite von dem zehnköpfigen Team (drei davon Männer) ausgeheckt werden. Diese reichen vom so genannten "bascicHolster" (das entfernt an einen Schultergürtel für Pistolen erinnert), dem Schmusekissen "perCushion" zum kuscheligen mobilen Telefonieren bis hin zum Hightech-Leiberl "grooveRider". Ihnen allen gemeinsam: Darin lassen sich unsere heutigen elektronischen Wegbegleiter wie Mobiltelefon und Musikplayer auf bequeme Art und optisch gefällige Weise unterbringen.

foto: standard/christian fischer

In der "Zentrale" des Jungunternehmens werkt "Faktotuum" Kurt emsig am PC. "Einer unser Alibi-Männer", sagt Herwig mit einem verschmitzten Lächeln. "Nein, nein, er ist schon ein bisserl mehr", ergänzt Tanner – nicht zuletzt, weil sie mit ihm schon "urlang" verheiratet ist. Ihm ist schließlich auch eines der Ur-Produkte zu verdanken. "Kurt hasste es, Handy, MP3-Player, Schlüssel etc. in den Hosentaschen zu tragen", erzählt Tanner, "und mir gefielen seine immer wieder flickbedürftigen Taschen auch nicht." Also nähte sie für ihn nach kurzem Nachdenken den Vorläufer des basicHolster, das erste "urbane Tool" von Urban Tool. Das gute, abgetragene Stück hat heute einen Ehrenplatz in einer Vitrine.

Das Ur-Tool

"Das Echo darauf im Bekanntenkreis war so groß, dass wir zur Überzeugung gelangten, dass so etwas einen Markt haben könnte", erinnert sich Tanner. Aus ihrem "Faible für tragbare Elektronik" wurde schließlich in wenigen Jahren ein (fast) weltumspannendes Geschäft: Urban-Tool-Vertriebspartner finden sich in fast 25 Ländern von A wie Andorra über M wie Malaysia bis hin zu U wie USA. Für heuer wird die erste Umsatzmillion angesteuert. Weil das Team binnen kurzer Zeit seine Exporte um 95 Prozent erhöhte, wurde es im April neben Handl Tirol und Austria Puma Dassler mit dem Exportpreis der Wirtschaftskammer Österreich ausgezeichnet.

Globalisierung als Vorteil

"Das ist ein Vorteil der Globalisierung: Mithilfe des Internet kann man innovative Ideen schnell international präsentieren", sagt Herwig. "Wir wachsen mittlerweile, ohne das bewusst steuern zu können, jeder Tag bringt neue Überraschungen", erzählt Tanner. "In die eine und die andere Richtung", ergänzt Kurt Tanner und meint im letzten Fall die weniger erfreuliche "Überraschung", dass vor Kurzem das aktuellste Produkt – das interaktive iPod-Shirt grooveRider – im Zoll festhing. Produziert werden die Stücke überwiegend in China. "Wir haben in Europa einiges ausprobiert, das hat aber nicht so richtig gepasst", berichtet Tanner.

iPod-T-Shirt

Das iPod-T-Shirt, das auf der heurigen Cebit Furore machte (der Standard berichtete), wird unter Lizenz von Apple hergestellt und ist in Österreich außer im Online-Shop bei Saturn/Mediamarkt zu haben. Von der Steve-Jobs-Company ist auch schon vor einiger Zeit die Einladung eingelangt, "etwas" für deren im Juni in den USA auf den Markt kommendes Mobiltelefon iPhone zu entwickeln. Was es wird? Das verraten Herwig und Tanner. (noch) nicht.(Karin Tzschentke/DER STANDARD, Printausgabe vom 26.5.2007)

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