Europarats-Kritik an Österreich: "Nicht wie Kriminelle behandeln"

Redaktion, 13. November 2007 19:22

Europarats-Kommissar Hammarberg kritisert lange Wartezeit auf AsylEntscheidung und "schwaches Urteil" im Fall Bakary J.

Wien - "Asylsuchende dürfen nicht wie Kriminelle behandelt werden", forderte der Menschenrechtskommissar des Europarates, Thomas Hammarberg, am Freitag in Wien. Er kritisierte die langen Asylverfahren nach einer Ablehnung in erster Instanz. Menschen würden bis zu zehn Jahre auf eine Entscheidung warten, Familien oft auseinander gerissen. Zudem würde in der österreichische Praxis Schubhaft "überdurchschnittlich oft verhängt", kritisierte Hammarberg vor der Presse.

Derzeit werde zwar der "enorme Rückstau bei den Asylanträgen aufgearbeitet" - Innenminister Strasser habe die hundert Bearbeiter schon auf 180 aufgestockt. Aber was mit jenen passiere, die "seit fünf oder acht Jahren in Österreich sind, mit Kindern, die schon in der Gesellschaft verwurzelt sind und die keinen Kontakt mit dem Herkunftsland mehr haben" sei fraglich, so Hammarberg. Der Bericht des Europarates werde deshalb vorschlagen, "sich die Amnestie-Verfahren anderer Länder in einer sehr ähnlichen Situation genau anzusehen".

"Amnestie-Verfahren genau ansehen"

Das hiesige Fremdenrecht bezeichnete Hammarberg als "zu sehr von Sicherheit anstatt von Menschlichkeit geprägt." Die Fälle von Polizei-Brutalität, "zumeist gegen Migranten", seien ein Problem, dessen man sich im Innenministerium "sehr bewusst" sei. "Es ist schwierig, das tatsächliche Engagement von außen her zu beurteilen", schränkte Hammarberg ein. Das Menschenrechtsbewusstsein angehender Polizisten solle besser geschult werden, ältere Beamte müssten genauso geschult werden. Hammarberg wünschte sich zudem mehr Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund in Uniform - "gerade in einem Land, wo soziale Konflikte oft kulturelle sind".

"Schwaches Urteil"

Das "schwache Urteil" im Fall Bakary J., der als erster Folterfall Österreichs Schlagzeilen gemacht habe, wertet Hammarberg als "sehr negatives Signal". Die Polizisten kamen mit bedingten Haftstrafen davon, Hammarberg hingegen will eine "scharfe Reaktion auf solche Einzelfälle": "Wenn ein Polizist foltert, muss er entlassen werden." Seit Montag evaluiert er die Menschenrechtslage in Österreich, ein Bericht wird im Oktober folgen.

Hammarberg war unter anderem Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (S), Innenminister Günther Platter (V), Justizministerin Maria Berger (S) sowie zahlreiche Nichtregierungsorganisationen zusammengekommen. Er lobte die "Offenheit und Kooperation" der Österreicher - und die Mitarbeiter der Betreuungsstellen für Frauen, Flüchtlinge und Behinderte, die er besuchen konnte: "Sie machen ihren Job hervorragend." (APA)

Ravi Ravendro
26.05.2007 10:58
Platter

wird hart bleiben, verspricht jedem was er hören möchte, und zieht seine grausame rechtsradikale Doktrin trotzdem durch. Einen solchen Wendehals und Opportunisten hat Österreich aber auch verdient, da diese Eigenschaften momentan allgemein im Berufsleben hoch angeschrieben werden.

NotstandshilfeBisZurFruehpension
26.05.2007 19:11
OesterreicherInnen haben Ihn schon verdient ...

... Fluechtlinge allerdings nicht ... Diese kommen vom Regen in die Traufe ... Zum Teil geht es Ihnen hier noch schlimmer als daheim - Und darauf ist noch so mancher widerliche Einheimische stolz ...

tolerant (aber nicht um jeden preis)
26.05.2007 11:23

sie haben wohl keine ahnung was der begriff "rechtsradikal" bedeutet. auch anderwertiges wissen ist nicht wirklich vorstellbar, soviel kann man sofort aus ihren zeilen herauslesen!

Ravi Ravendro
26.05.2007 18:26

Argumente sind wohl nicht Ihres?

si net
27.05.2007 17:22

Du meinst 'Beweise', ..

Franz Hausner
26.05.2007 10:27
Lange Asylverfahren in der 2. Instanz

Warum spricht niemand über die Gründe? Jeder beklagt es, aber keiner sagt was Sache ist. Nämlich einerseits die Verschleppungstaktik mancher Asylanwälte und anderseits die unter Juristen der 2. Instanz beliebte Heimarbeit. Ich nehme an, da gibt es welche, die tragen sich in der Früh in die Zeitkarte ein und schlafen sich dann aus. Anders ist es ja kaum zu erklären, dass die Zahl der Bearbeiter kräftig erhöht wurde, der Output aber, der dürfte stagnieren. Seltsam.

ursula salzwimmer
28.05.2007 10:02
@Hausner

Hast Du schon einmal Begründungen für Asylabweisungen gelesen ?

my thoughts...
26.05.2007 15:55

Für die zweite Instanz ist auch zu erwähnen, dass ein erheblicher Teil der Entscheidungen erster Instanz aufgehoben wird, weil diese oft von schlechter Qualität und rechtswidrig sind. Wenn bereits die Asylverfahren in erster Instanz mit der erforderlichen Sorgfalt, Sachlichkeit und ohne dem Ziel einer möglichst niedrigen Asylrate durchgeführt würden, würden die Asylverfahren weniger lang dauern. Die Ausnutzung eines Rechtsmittels sozusagen als Mißbrauch darzustellen zeigt von fehlendem rechtsstaatlichen Bewusstsein!

blackhawk
12.06.2007 16:03

Wären die verantwortlichen "Erlässe&Gesetze" nicht der massen schwammig, hätten die Beamten auch die Möglichkeit ohne Probleme über Asylgesuche zu entscheiden.
Und ob die zweite Instanz - sind Richter; also 100%-ige Juristen - immer Recht hat, ist -wenn man so einige davon kennen gelernt hat- auch etwas fraglich!
Am Ende bleibt da ein 'ewiges' Hin und Her.

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