21,1 Prozent der Ausländer in Österreich sind laut OECD "überqualifiziert"
Wien - Ein Problem, unter dem Migranten wie Flüchtlinge auf dem Arbeitsmarkt besonders leiden, sind ihre "verschütteten Talente", wie dies die OECD nennt: Sie werden in überproportionalem Ausmaß nicht ihrer Qualifikation entsprechend beschäftigt - teils wegen Diskriminierung, teils mangels Anerkennung ihrer Ausbildungen. 21,1 Prozent der Ausländer in Österreich sind laut OECD "überqualifiziert": Ihr Potenzial wird von unserer Volkswirtschaft nicht richtig genutzt. Dass es anders geht, zeigen unsere Nachbarn Schweiz (12,5 Prozent) und Ungarn (9,7 Prozent).
Unten anstellen
Die Arbeitsmarktexpertin des Wirtschaftsforschungsinstituts, Gudrun Biffl, sieht darin jedoch nicht ein spezielles Problem von Migranten, sondern den Ausdruck einer generellen Schwäche des heimischen Arbeitsmarkts. "Wenn man bei uns weggeht, dann muss man sich wieder unten anstellen", beschreibt Biffl das Problem, dass auch Österreicher aus dem Ausland nicht zurückkehren, da ihre Qualifikationen nicht honoriert werden.
"Bei uns herrscht die Grundidee, dass man wo anfängt, drinnen bleibt und durch Seniorität gewinnt" und nicht durch entsprechende Qualifikation. Nur "ganz oben" und "ganz unten" gebe es Flexibilität. Zu ändern wäre dies durch Umsetzung des europäischen Qualifikationsrahmens: Dies erlaube ein Assessment der tatsächlichen Qualifikationen als Basis für den Arbeitsmarkt. (spu, DER STANDARD Printausgabe, 26/27./28.5.2007)