Sorger: "Österreich sollte sich freuen"

26. Juni 2007, 13:17
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IV-Chef will nicht sagen, wieviel er beim Bankverkauf verdient hat - OeNB-Prüfer: Bank hat Spekulationen "nicht richtig verstanden"

Wien – Der Bankenausschuss hat sich am Freitag auch mit der Hypo Alpe-Adria beschäftigt. Notenbank-Prüfer Ronald Laszlo meinte zu den Spekulationsverlusten, "die Beteiligten haben das Produkt nicht richtig verstanden", Sorgfaltspflichten seien nicht eingehalten worden. Zur gerichtsanhängigen Bilanzierung sagte er, es sei ihm "noch nicht untergekommen, dass Verlustgeschäfte über mehrere Jahre abgeschrieben wurden".

Für Aufregung sorgt allerdings auch die viel jüngere Vergangenheit der Bank vom Wörthersee, die vorige Woche im Verkauf an die BayernLB gemündet hat. Die Münchner haben 50 Prozent plus eine Aktie erworben, vom Land Kärnten, der Investorengruppe Berlin&Co. und dem Grazer Versicherer Grawe. Das Land unter Jörg Haider hat den Verkauf durchgeknüppelt, den großen Schnitt haben Berlin & Co. gemacht. Die Gruppe hatte ab Jänner 2007 die Sperrminorität, mit dem Verkauf von 25 Prozent vier Monate später hat sie angeblich an die hundert Mio. Euro verdient.

Investoren nicht genannt

Wer da genau mitverdient hat, ist aber nicht auszumachen. Denn die Investoren, die hinter Tilo Berlin stehen (er führt die Hypo künftig), werden nicht genannt. Berlin spricht von "deutschen und österreichischen Familien", kolportiert wurden die Privatstiftung Heidi Horten, Flick-Stiftung (Bankpräsident Wolfgang Kulterer ist im Vorstand), Schwarzkopf.

Der Präsident der Industriellenvereinigung, Veit Sorger, ist der Einzige, der aus seinem Investment kein Geheimnis macht. "Tilo Berlin ist seit Langem mein Freund, er hat mir vom für 2008 bis 2010 geplanten Börsengang der Hypo vorgetragen und mich um meine Teilnahme für das Konsortium, das er zusammen stellte, gefragt. Seither habe ich nichts mehr gehört, ich war in die Sache nicht eingebunden", sagt er dem STANDARD. "Ich hätte gerne den Börsengang gesehen oder den Verkauf an eine österreichische Bank."

Wie viel er investiert hat, will er nicht sagen, und schon gar nicht, wie viel er verdient hat: "Das ist meine Privatsache, damit habe ich mich im Detail nicht beschäftigt. Berlin muss das einmal ausrechnen." Und: "Der eine legt sein Geld so an, der andere so. Leute, die an der Börse in die richtigen Unternehmen investiert haben, haben im gleichen Zeitraum ähnliche Prozentsätze gewonnen", glaubt er.

"Ruhe und Ordnung"

Die Bewertung der Bank (3,25 Mrd. Euro) erscheine ihm "eher hoch, jedenfalls nach den Bewertungen, die ich zuvor gesehen habe. Da hat sich ein Investor auf die Zehenspitzen gestellt." Berlin habe seine Sache "gut gemacht".

Das Procedere beim Verkauf wolle er nicht kommentieren, "ich sehe das respektable Resultat beim Verkaufserlös. Österreich sollte sich freuen, dass die Probleme gelöst wurden. Jetzt herrscht wieder Ruhe und Ordnung in der Bank, die Bayern werden die Expansion vorantreiben." (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26./27./28.5.2007)

  • Hypo-Mitverkäufer Veit Sorger weiß nicht, wie viel er verdient hat.
    foto: standard/urban

    Hypo-Mitverkäufer Veit Sorger weiß nicht, wie viel er verdient hat.

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