Hofer-Chef Burger: "Verdienen ganz ordentlich"

1. Juli 2007, 17:15
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Der Diskonter-Boss wechselt an die Spitze von Aldi und hinterlässt einen Konzern mit mehr als drei Milliarden Euro Umsatz

Wien – Der Hörsaal 0.4. an der Wirtschaftsuniversität Wien ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Professor Peter Schnedlitz bemüht sich, die Fotografen im Zaum zu halten, einer wird aus dem Saal gedrängt. Am Podium ein rarer Gast: Armin Burger, scheidender Chef des Lebensmitteldiskonters Hofer und die designierte Nummer zwei bei Aldi.

Dunkler Anzug, braun gebrannt, Fragen, die er nicht beantworten will, blockt er entschieden, aber lächelnd ab. Über seine neue Aufgabe an der Aldi-Spitze verrät Burger nichts. Ebenso wenig über Erträge und genaue Umsätze ihrer Tochter Hofer. "Wir verdienen aber ganz ordentlich." Lächeln. Daten an Marktforscher zu liefern, interessiere ihn nicht. "Es bringt uns nichts. Wir brauchen auch Daten anderer Firmen nicht." Einblicke hinter die Kulissen des rund drei Mrd. Euro Umsatz schweren Diskonters gibt er dennoch.

Expansion im Osten

Hofer habe in Österreich seit 2001 rund 1,5 Mrd. Euro investiert. Die Zahl der Filialen verdoppelte sich seit 1999 auf 400. Maximal 20 sollen noch dazukommen, dann sei Schluss. Aldi expandiere lieber im Osten. 2008 soll es in Ungarn und Kroatien losgehen. Der Start in Griechenland ist 2009 geplant. Expandiert werde mit dem Cashflow. Ein Einstieg in der Slowakei und Tschechien habe derzeit keine Priorität.

Großgemacht habe Hofer neben den Diskontpreisen ein limitiertes Sortiment. "Die Vorauswahl treffen wir." Auch verschiedene Packungsgrößen würden die Kosten nur erhöhen. Der Verzicht auf Bedienung und geschlichtete Waren halte die Personalkosten gering und erlaube höhere Löhne als jene der Konkurrenz. Hierarchien seien flach, eine Personalabteilung gibt es nicht.

Hofer zählt rund 1000 österreichische Lieferanten. Markenartikel sind die Ausnahme. Eine davon ist Spitz. Burger: "Spitz hat uns von der Stunde null an beliefert." Andere wurden nach kurzer Zeit wieder ausgelistet. "Wir sind nicht bereit, wegen ein paar Markenartikeln einen Preiskampf zu entfachen. Dieses Spiel machen wir nicht mit." Die in der Branche üblichen Drohungen gegenüber Lieferanten und Auslistungen gebe es bei Hofer nicht, versichert Burger. "Die Industrie muss mit uns verdienen." Ebenso tabu seien Rabatte, Umsatzboni, Nachverhandlungen. "Das verlangen wir auch von Lieferanten." Eingekauft werde, so weit als möglich, regional.

Bei Reisen gut unterwegs

Die Kette mache ein Viertel des Geschäfts mit Non-Food. Diese Sparte sei aber schwieriger geworden, die starke Steigerung der Vergangenheit beendet. Gut unterwegs sieht sich Hofer bei Reisen und will heuer 260.000 Urlaube verkaufen.

Im Eigentum des Konzerns ist mittlerweile die von Werner Lampert initiierte Marke "Zurück zum Ursprung". "Erste Ziele sind erreicht, wir sind jedoch noch nicht da, wo wir hinwollen", sagt Burger. Das Sortiment soll heuer um Brot erweitert werden. Laut Lampert bleibt die Frischmilch derzeit hinter der Erwartung zurück.

Nachfolger von Burger in Österreich ist Johann Mörwald, bisher Leiter der Niederlassung in Sattledt. Er teilt sich die Chefetage mit Friedhelm Dold. Eine Neuerung könnte es auch für angehende Mitarbeiter geben. Sie sollen sich künftig nicht mehr handschriftlich bewerben müssen. Burger: "Wir überlegen, ob wir das ändern. Es ist ein wenig antiquiert." (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26./27./28.5.2007)

  • Armin Burger: "Industrie muss mit uns verdienen."
    foto: standard/urban

    Armin Burger: "Industrie muss mit uns verdienen."

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