Sag mir, wo die Gegengeschäfte sind ...

1. Juni 2007, 08:57
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Gegengeschäfte entpuppen sich immer mehr als Schimären - "Vom großen Kuchen ein paar Krümel übrig"

Wien/ Graz – „Vom großen Kuchen, der uns versprochen worden ist, sind nur ein paar Krümel auf dem Teller übrig geblieben“, bemerkte ein Mitglied des Eurofighter-Untersuchungsausschusses kürzlich süffisant. Nach Pfingsten wird der Ausschuss mit der Ladung ehemaliger steirischer ÖVP-Politiker wie Landeshauptfrau Waltraud Klasnic oder Herbert Paierl zumindest versuchen, Licht in die nebulose Causa Gegengeschäfte zu bringen.

Die Steiermark hatte ja gehofft, ganz besonders von den Gegengeschäften zu profitieren. Man hatte hier sogar eine eigene „Gegengeschäfte-Taskforce“ mit Magna-Mann Jürgen Stockmar installiert.

Aber allzu viel dürften auch die Ex-Politiker nicht zu berichten haben. Denn bisher finden sich in den Protokollen des Ausschusses und den vertraulichen Papieren des Wirtschaftsministeriums tatsächlich nur Bruchstücke der versprochenen, lukrativen Eurofighter-Gegengeschäfte.

Unter den Erwartungen

Genau weiß es nicht einmal Wirtschaftsminister Martin Bartenstein selbst. Seine Aussagen differieren jetzt um mehr als 100 Millionen Euro. Anfang der Woche hatte das Wirtschaftsministerium bekannt gegeben, dass bisher rund 900 Millionen Euro an Gegengeschäften genehmigt und abgerechnet seien. Auf der Homepage des Wirtschaftsministeriums steht allerdings, dass sich „unter Berücksichtigung der im Laufe des Jahres 2006 abgewickelten Gegengeschäfte ein derzeitiges Gegengeschäftsvolumen von bereits einer Milliarde Euro“ ergebe. In Summe existierten bereits Verträge über zwei Milliarden Euro – die Hälfte der vereinbarten vier Milliarden Euro an Gegengeschäften.

In einem „Memorandum of Understanding“ mit EADS aus dem Jahr 2002 wurden die größten Brocken der Gegengeschäfte aufgelistet. Demnach sollten FACC 656 Millionen Euro bekommen, Kapsch 200 Millionen, Siemens 150, und Pankl 135 Millionen Euro an Gegengeschäften. Bei Pankl hatte sich nun konkret nach ersten Dementis ein Gegengeschäftsvolumen von bisher abgerechneten 520.000 Euro ergeben. Siemens erklärte strikt, kein Gegengeschäft gemacht zu haben. Und Kapsch-Finanzchef Franz Semmernegg sagte jetzt zum STANDARD: „Mit uns gibt es kein einziges Eurofighter-Gegengeschäft.“

Geschäfte ohne Flieger

Bleiben noch die ganz Großen wie FACC und Magna. FACC scheint schon allein wegen des Konnexes zur Luftfahrtindustrie als Big Player auf, aber sowohl Miteigentümer Hannes Androsch als auch FACC-Vorstandschef Walter Stephan geben an, die Geschäfte wären auch ohne Eurofighter gelaufen. Stephan hat laut U-Ausschuss-Protokoll auf die Frage, ob FACC die Aufträge auch bekommen hätte, wenn die Regierung die Eurofighter nicht gekauft hätte, geantwortet: „Dann hätten wir es in einem anderen Land als Österreich durchgezogen.“

Ähnlich wird auch bei Magna argumentiert, das in den Protokollen des Wirtschaftsministeriums mit rund 90 Gegengeschäftsmillionen taxiert wird. Magna-Chef Frank Stronach hatte im Ausschuss zwar festgehalten, Magna habe vom EADS-Deals nicht profitiert. Konzernintern gibt man Gegengeschäfte jedoch zu – aber nur halb. Denn es sind hauptsächlich Kontrakte mit Chrysler, dem alten Kunden Magnas. „Mit dem machen wir so und so Geschäfte“, heißt es. Auch ohne Eurofighter. (Walter Müller, DER STANDARD, Printausgabe 26./27.5.2007)

  • Der Eurofighter verwandelt sich immer mehr zum Tarnkappenbomber, und man kann sie kaum noch sehen – die Gegengeschäfte.
    foto: eads

    Der Eurofighter verwandelt sich immer mehr zum Tarnkappenbomber, und man kann sie kaum noch sehen – die Gegengeschäfte.

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