Kdolsky als Miss Kinderbetreuung

2. Juli 2007, 16:18
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Gipfeltreffen: Das Thema Kinderbetreuung stand am Dienstag gleich bei vier Ministern ganz oben auf der Agenda

Das Thema Kinderbetreuung stand am Dienstag gleich bei vier Ministern ganz oben auf der Agenda. Das Gipfeltreffen sollte noch vor der Flexibilisierung des Kindergeldes die Einigung über die benötigten Betreuungsplätze bringen. Doch das ist laut Experten erst der Anfang.

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Wien – Darüber, wer die österreichische Ursula von der Leyen wird, ist zwischen Familienministerin Andrea Kdolsky (ÖVP) und Frauenministerin Doris Bures (SPÖ) ein regelrechter Wettlauf entstanden.

Schließlich schaffte es die deutsche Familienministerin, das Thema Kinderbetreuung in einer Art und Weise zu besetzen, die bei den Wählern den Eindruck entstehen lässt: Ich weiß, das Thema brennt euch unter den Nägeln – jetzt mache ich die dazugehörigen Köpfe. Also entbrannte im Vorfeld des gestrigen Kinderbetreuungsgipfels eine Debatte darüber, wer denn überhaupt für die Einladungspolitik zuständig sein soll: Kdolsky oder Bures? Dienstagabend war es so weit: Die beiden Ministerinnen trafen mit ihren Kollegen Claudia Schmied (Bildung), Martin Bartenstein (Wirtschaft) sowie Wirtschafts-Staatssekretärin Christine Marek und einem Vertreter aus dem Finanzministerium zusammen – und zwar im Familienministerium auf Einladung Kdolskys.

Und die Gastgeberin nahm sich im Vorfeld vor, die von Bures geforderten 50.000 zusätzlichen Plätze, die besonders bei den Null- bis Dreijährigen fehlen würden, „zu relativieren“. Es gehe vielmehr auch darum, die Öffnungszeiten bestehender Einrichtungen zu flexibilisieren und Schritt für Schritt den Bedarf zu konkretisieren.

Bures-Sprecherin Susanna Enk sagte dem Standard: „Wir wollen jedenfalls so schnell wie möglich beginnen.“ Denn mit der Flexibilisierung des Kindebetreuungsgeldes 2008 dränge die Zeit. Und sollte der Finanzausgleich tatsächlich vorgezogen werden, wirke sich das sicherlich „nicht ungünstig“ auf die Verhandlungen über Kinderbetreuungsplätze aus. Spätestens Anfang Juli will die Familienministerin nämlich auch die Länder an einen Tisch bringen.

Mit dem Dachverband der Kindergarten- und Hortpädagoginnen will sich hingegen niemand zusammensetzen. „Wir werden beim Bund hin- und hergeschickt“, ärgert sich dessen Vorsitzende Lydia Kadoun im Gespräch mit dem Standard. Also bittet man jetzt Bundespräsident Heinz Fischer um ein Gespräch. Denn zu sagen hätten die Experten einiges: dass Betreuungsplätze alleine nämlich nicht reichten; dass vor allem die Räumlichkeiten erweitert gehörten. Und: Dass das Verhältnis zwischen Kindern und Kindergartenpädagogen verbessert gehört. Mit einem 3:1-Schlüssel in der Krippe bei maximal 12 Kindern und einem 8:1-Schlüssel für die Über-Dreijährigen bei maximal 15 Kindern. Das alles solle endlich in einem Bundesrahmengesetz festgeschrieben werden, fordert Kadoun, denn: „Sogar beim Tierschutz gibt es Mindeststandards.“

Derzeit gibt es in Österreich 16.037 Plätze in Kinderkrippen und 195.176 Plätze in Kindergärten. Rund die Hälfte davon ist in öffentlicher Hand, in der Minderheit sind die Betriebskindergärten: derzeit 63. (Karin Moser/STANDARD, Printausgabe, 30.5.2007)

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