Novell will zum Vorreiter gegen Softwarepatente werden

30. Juli 2007, 15:11
4 Postings

Erstes Unternehmen, dass das "Patent-Busting"- Projekt der Electronic Frontier Foundation unterstützt - US-Patentsystem soll reformiert werden

Mit dem "Patent Busting"-Projekt versucht die US-Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) eine Reform des US-Patentrechts zu erreichen. Nun bekommt das Unterfangen kräftigen Rückenwind: Erstmals unterstützt ein großes Unternehmen im Linux-Umfeld die Bestrebungen der EFF.

Surprise

Für manche wohl aber überraschend, um wen es sich dabei handelt: Ausgerechnet der für seine Kooperation mit Microsoft und das dabei getroffene Patentabkommen unter steter Kritik von Teilen der Open Source Community stehende Softwarehersteller Novell hat nun seine "uneingeschränkte Unterstützung für die Kampagne angekündigt.

Reform

Das US-Patentsystem brauche eine grundlegende Reform, gibt sich Novells CTO Jeff Jaffe unmissverständlich. Der derzeitige Status behindere Innovation, anstatt sie zu fördern, es sei viel zu einfach triviale Dinge zu patentieren, gerade im Softwarebereich.

Konkret

Um eine Änderung herbeizuführen will Novell künftig nicht nur Lobby-Arbeit betreiben, sondern der EFF auch finanzielle Ressourcen zur Verfügung stellen. Zusätzlich will man auch gemeinsam gezielt gegen einzelne Patente vorgehen, die man als besonders problematisch identifiziert.

Europa

Auch wenn der Schwerpunkt in den USA liegt,so will man sich doch nicht auf ein Engagement in dieser Region beschränken: Auch in Europa gäbe es eine zunehmende Bedrohung durch Softwarepatente, der es entgegenzutreten heißt, geben sich die EFF und Novell übereinstimmend.

Abrüstung

Softwarepatente seien schlussendlich schlecht für alle, ist Novells Linux-Entwicklungschef Nat Friedman überzeugt. Novell selbst halte seine Patente in diesem Bereich ausschließlich, um sich gegen eventuelle Angriffe auf juristischer Ebene wehren zu können. Eine einseitige "Abrüstung" in diesem Bereich sei praktisch leider nicht zielführend.

Netzwerk

Die jetzige Kampagne sei für Novell einfach nur der logische nächste Schritt, immerhin war man schon im Jahr 2005 an der Gründung des Open Invention Networks beteiligt, das Linux vor Patentklagen schützen soll. Allerdings gesteht Friedman auch indirekt ein, dass die Kritik an Novell wegen dem Patentabkommen mit Microsoft durchaus ihre Wirkung gezeigt hat: Man habe in den letzten 12 Monaten intern mehr als je zuvor über Patente diskutiert.

Microsoft

Die jetzige Ankündigung sei zwar nicht als direkte Antwort auf die recht unverblümten Drohungen von Microsoft in Richtung Linux zu verstehen. Allerdings glaubt Friedman, dass Microsoft selbst ein gesteigertes Interesse an einer Reform des Patentsystems haben sollte, da die Redmonder derzeit - als Beklagter - erhebliche Ressourcen in Rechtsstreitigkeiten im Zusammenhang mit Softwarepatenten investieren.

Unterschiede

Man habe auch mehrmals versucht Microsoft klar zu machen, dass es keine gute Idee sei, die Open Source Community zu bedrohen. Es gebe in dieser Frage aber leider sehr unterschiedliche Standpunkte innerhalb des Softwareriesen, manche an einer Zusammenarbeit interessiert, andere weniger. (apo)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Im Rahmen des Patent Busting-Projekts wird auch konkret gegen einzelne Patent vorgegangen

Share if you care.