Russischer Störsender sorgte für Probleme

27. Juli 2007, 15:00
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Putin-Besuch trotzdem "optimal gelaufen"

Wien - Donnerstagmittag im Einsatz- und Krisenkoordinationscenter (EKC) im Innenministerium: Eine ähnlich erleichterte Stimmung muss 1969 im Nasa-Kontrollzentrum geherrscht haben, als über Funk die Meldung "Der Adler ist gelandet" kam. Diesmal freilich ist der Adler russischer Bauart und hat gerade abgehoben. An Bord Russlands Präsident Wladimir Putin, seine Gattin Ludmilla und zwei Dutzend Leibwächter. Erstes Polizeiresümee nach dem eintägigen Staatsbesuch in Wien: "Optimal gelaufen", so Cobra-Chef Bernhard Treibenreif auf Standard-Anfrage.

Ein kurzfristiger Ausfall der Funkverbindung hatte dem EKC-Stab eine Schrecksekunde beschert. Schuld daran waren Putins Geheimdienstbegleiter, die nach Ankunft routinemäßig ihren mitgebrachten "Jammer", also einen Störsender, eingeschaltet hatten.

Als "Routine" wird im Innenministerium eine spontane Umleitung des Konvois bezeichnet - wie berichtet, hatte die Polizei in einem Lokal am Ring acht Aktivisten ausgemacht, die Putins Weg unangemeldet kreuzen wollten, um mit Transparenten auf die schlechte menschenrechtliche Situation in der russischen Föderation aufmerksam zu machen. Aus Sicherheitsgründen wurde der Konvoi auf dem Weg zur Hofburg über eine Ausweichroute gelotst.

Nach Putins Abreise ist auch wieder Ruhe im Luftraum über der Wiener City eingekehrt. Das immer wieder kehrende Getöse der Hubschrauber hatte Anrainer und Beschäftigte genervt. Die Polizei hatte sicherheitshalber ständig einen Helikopter in der Luft gehalten, um im Ernstfall sofort zum Einsatzort zu gelangen. Der Start eines "kalten" Fluggeräts dauert mindestens zwei Minuten.

Üblicherweise hängen geparkte Helis am Stromnetz, um bei den Vorbereitungen zum Start die Batterie zu schonen. Trotzdem kann ein Pilot nicht einfach den Schlüssel umdrehen und gleich abheben. Nach dem Landen wiederum laufen Turbinen meist noch Minuten mit geringer Leistung, um Hitze abzubauen. Sofortiges Abschalten verkürzt die Lebensdauer der Turbinen. Piloten, die wissen, dass sie nur eine Viertelstunde auf dem Boden bleiben, lassen oft überhaupt die Maschine laufen. Denn Wartungsintervalle werden nicht nur nach Flugstunden berechnet sondern auch danach, wie oft ein Triebwerk gestartet wird.

Für Ex-US-Präsident Bill Clinton, der Donnerstag zu einer Aids-Charity-Veranstaltung in Wien ankam, gibt es kein Polizeigroßaufgebot. (Michael Simoner/DER STANDARD, Printausgabe, 25.5.2007)

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