Ruttenstorfer hält an Iran-Deal fest

1. Juli 2007, 17:38
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Konzernchef verteidigt auf Hauptversammlung Iran-Deal - Anhebung der Dividende auf 1,05 Euro für 2006 beschlossen

Wien - OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer hat die geplanten Geschäfte mit dem Iran vor seinen Aktionären verteidigt. "Ich glaube nicht, dass dadurch unsere sonstige Geschäftstätigkeit betroffen ist", sagte Ruttenstorfer am Donnerstag bei der Hauptversammlung in Wien. Welche Zugewinne die am Mittwoch in Angriff genommene neue Kooperation mit dem russischen Gaskonzern Gazprom bringen wird, lässt sich laut dem OMV-Chef noch nicht abschätzen.

Die Dividende für 2006 wird sich gegenüber dem vorangegangen Jahr von 0,90 auf 1,05 Euro je Aktie erhöhen. Das hat die Hauptversammlung am Donnerstagnachmittag beschlossen. Die Ausschüttung wird am 31. Mai erfolgen.

Für die Zukunft hat der Vorstand die Ausgabe neuer Aktien direkt gegen Sacheinlagen - sprich als Mittel für Zukäufe - beantragt. Finanzchef David Davies lobte anlässlich des 20-jährigen Börsejubiläums der OMV im heurigen Jahr die positive Wirkung des stetig auf heute 50,9 Prozent gestiegenen Streubesitzes. Finanzminister Wilhelm Molterer (ÖVP) hat zuletzt eine weitere Privatisierung des Konzerns nicht ausgeschlossen. Die SPÖ lehnt das ab.

Gut besucht

Zu der Hauptversammlung der OMV kamen am Donnerstag mehr als 1.500 Aktionäre ins Wiener Austria Center. Mehrere Aktionäre äußerten dabei ihre Bedenken gegenüber dem vor kurzem vereinbarten Iran-Projekt. "Es ist damit zu rechnen, dass Sanktionen kommen. Das hat die US-Botschafterin angekündigt. Wenn der Druck zu hoch wird, sind Investitionen dann verloren", fragte ein Kleinaktionär gleich zu Beginn der HV.

Ruttenstorfer erklärte dazu, dass Gas aus dem Abkommen mit dem Iran erst in einigen Jahren nach Europa kommen werde. In den nächsten Jahren würden ausschließlich Investitionen in konkrete iranische Projekte fließen. Daher könne man kurz- und mittelfristig "hundertprozenztig ausschließen, dass irgendein Anteil der Investitionen in eine Richtung kommt, aus der die Urananreicherung gefördert wird".

Einmal mehr bekräftigte der OMV-Chef, dass sich sein Konzern an sämtliche Gesetze Österreichs und der EU ebenso wie an die Beschlüsse des Weltsicherheitsrats halten werde. "Sie können sicher gehen, dass wir hier kein Risiko eingehen", versicherte Ruttenstofer. Schon in seinem Eingangsstatement hatte er sich bemüht, den Konzern als Bewahrer der Menschenrechte dazustellen. "Wir meinen, dass sich profitables Wachstum mit Verantwortung für Gesellschaft und Umwelt verbinden lässt", sagte Ruttenstorfer.

Zusätzliche Gasmengen

Es sei jedoch "wichtig, zusätzliche Gasmengen nach Mitteleuropa zu bekommen. Russland wird ein wesentlicher Lieferant bleiben, soll aber nicht der einzige sein", so der OMV-Chef.

Durch die Absichtserklärung, die die OMV am Mittwoch mit der Gazprom geschlossen hat, will der Konzern den Gas-Hub Baumgarten, derzeit Nummer Drei, zur wichtigsten Gas-Handelsplattform Kontinentaleuropas ausbauen, bekräftigte Ruttenstorfer. Details zu dem gemeinsamen Bau von Gaslagern im Umfeld nannte er nicht. Eine gemeinsamer Vertrieb von Gas an Endkunden sei im Rahmen der Vereinbarung nicht geplant. Die Gazprom sei schon jetzt berechtigt, Gas in Österreich zu vertreiben und tue dies auch bereits, so das OMV-Management.

In Sachen Ölpreis

Obwohl die Ölpreise zuletzt neuerlich über 70 Dollar je Fass gestiegen sind, geht die OMV weiterhin davon aus, dass diese heuer leicht unter dem Durchschnittsniveau des Vorjahres von etwa 65 Dollar liegen werden. Entsprechende Prognosen hat Finanzvorstand David Davies am Donnerstag bei der Hauptversammlung bekräftigt. Bestätigt hat das Unternehmen auch seine Vorhersage, wonach die Raffine-Margen heuer etwa das Niveau von 2006 erreichen sollten und die Marketing-Margen weiter unter Druck stehen würden.

Die Forderung von Kleinaktionären nach einem konkreten Ergebnisausblick wies Konzernchef Wolfgang Ruttenstorfer bei der Hauptversammlung zurück. Die Ergebnisse würden stark von weltwirtschaftlichen Faktoren abhängen. "Daher wären Vorhersagen von unserer Seite nicht sehr verantwortungsvoll. Wir versuchen nicht flammende Ausblicke abzugeben, sondern beschränken uns auf realitätsnahe Einschätzungen", so Ruttenstorfer.

Für Diskussionen sorgte am Donnerstag auch die Vergütungen des OMV-Aufsichtsrates. "Der OMV-Aufsichtsrat ist der bestbezahlte Aufsichtsrat aller österreichischen Firmen. Wann ist da ein Ende", fragte ein Kleinaktionär.

OMV-Aufsichtsratschef Rainer Wieltsch verwies darauf, dass die Aufsichtsratsgagen für nicht mehr angehoben würden. Letztendlich stimmten 99,85 Prozent der anwesenden Aktionäre für die Vergütung. Demnach erhält der Aufsichtsratsvorsitzende für 2006 knapp 30.000 Euro, ein einfacher Aufsichtsrat die Hälfte. Dazu kommen noch 12.000 für den Vorsitz in einem Aufssichtsratsausschuss bzw. 8.000 Euro für eine Ausschussmitgliedschaft und 365 Euro Sitzungsgeld.

Neue Biospritanlage

Thema für die Aktionäre waren auch Überlegungen der OMV zum Bau einer neuen Biospritanlage. Nach jüngsten Aussagen aus dem Unternehmen könnte in Wien Schwechat bis 2011 eine solche Anlage entstehen. Ruttenstorfer betonte am Donnerstag, es sei "noch zu zeitig zu sagen, welchen Weg wir da gehen". Fest stehe, dass die OMV keine Bioethanol- oder Biodiesel-Anlage der ersten Generation bauen werde. In Frage komme nur eine Anlage der zweiten Generation. Bei der Entscheidung werde man aber "sehr vorsichtig" sein, versicherte Ruttenstorfer.

Keine Einigung zeichnet sich unterdessen im Streit zwischen der OMV und der AUA über die Kerosinpreise ab. Die AUA wirft der OMV vor, durch überteuerte Kerosinpreise mit 35 Mio. Euro geschädigt worden zu sein. Die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) hat zuletzt den Parteien ein Ultimatum bis Anfang Juni gesetzt und ansonsten eine Entscheidung durch ein Gerichtsverfahren in Aussicht gestellt.

Der stellvertretende OMV-Chef Gerhard Roiss bekräftigte am Donnerstag auf Aktionärs-Frage, dass sich der Mineralölkonzern keiner Schuld bewusst sei. Die OMV beliefere zahlreiche Airlines. Lediglich die AUA habe über zu hohe Preise geklagt, so Roiss. (APA)

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    OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer

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