Güter sollen schwimmen

20. September 2007, 16:18
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Die Donau verbindet elf Länder, sie könnte zu einer der wichtigsten Wasserstraßen Europas werden und es gibt noch viel Platz für Gütertransporte

Manfred Seitz, Geschäftsführer der Via Donau, im STANDARD-Interview.

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Standard: Worin liegt denn das Potenzial der Wasserstraße Donau?

Seitz: Das Potenzial ergibt sich aus dem Wirtschaftswachstum der Donauregion, dort steigen die Bruttoinlandsprodukte pro Jahr um durchschnittlich vier bis fünf Prozent. Überproportional wächst aber auch der Verkehr. Die Donau-Schifffahrt bietet sich als umweltverträglicher Verkehrsträger im Donaukorridor an.

Standard: Wie hoch sind die aktuellen Transportkapazitäten, welche Steigerungen sind möglich?

Seitz: Auf der österreichischen Donau werden je nach Wasserführung jährlich zirka elf bis zwölf Millionen Tonnen Güter transportiert. Der Nationale Aktionsplan Donauschifffahrt sieht vor, diese Mengen bis 2015 auf ungefähr 25 bis 29 Millionen Tonnen zu steigern. So würde die Donau-Schifffahrt proportional zu den anderen Verkehrsträgern wachsen, man könnte darüber hinaus jährlich 400.000 Tonnen Kohlendioxid einsparen.

Standard: Dann wäre alle paar Minuten ein Frachtschiff auf der Donau unterwegs?

Seitz: Nein, das bedeutet nicht gleichzeitig die Verdoppelung des Verkehrsaufkommens, die Schiffe werden besser ausgelastet. Man wird Güterschiffe dann durchschnittlich alle 45 Minuten sehen – eine Situation wie am Rhein werden wir nicht haben. Die Donau hat noch viel, viel Platz.

Standard: Welchen Stellenwert hat die Binnenschifffahrt in der europäischen Verkehrspolitik?

Seitz: Die Politik hat erkannt, dass der Wasserstraßen-Transport ein Problemlöser für den überbordenden Straßenverkehr sein kann. Die Rahmenbedingungen sind durch das EU-Aktionsprogramm NAIADES sehr gut. Der Stellenwert der Donau-Schifffahrt ist stark steigend. Die notwendigen Infrastrukturmaßnahmen an der Donau sind Bestandteil der europäischen Verkehrsnetz-Planungen (TEN).

Standard: Was muss konkret an der Infrastruktur verbessert werden?

Seitz: Die Donau ist auf insgesamt 2411 Kilometern schiffbar, auf etwa 350 Kilometern gibt es Problemstrecken in Niedrigwasserperioden. Diese so genannten Bottlenecks gilt es so rasch wie möglich zu beseitigen. In Österreich haben wir ein gravierendes Problem, das ist die die Strecke östlich von Wien. Mit Experten aus Ökologie, Wasserbau und Schifffahrt arbeiten wir seit drei Jahren an einem Projekt, dass die Schifffahrt verbessern und gleichzeitig die Existenz des Nationalparks sicherstellen soll.

Standard: Wie hoch sind die Investitionen?

Seitz: Das so genannte "Flussbauliche Gesamtprojekt", ein Vorzeigeprojekt für integrierte Planung, hat ein Gesamtvolumen von 220 Millionen Euro und wird von Via Donau ab Ende dieses Jahres schrittweise bis 2015 umgesetzt. Wir werden dazu auch noch heuer einen Antrag auf EU-Finanzierung stellen.

Standard: Die Flotte muss modernisiert werden, wer bezahlt dieses ehrgeizige Unterfangen?

Seitz: Das ist erst ein zweiter wichtiger Schritt zur Forcierung der Donauschifffahrt. Die Wirtschaft wird bei entsprechender Nachfrage ein passendes Angebot zur Verfügung stellen. Österreich wird, wie andere Staaten auch, den Schifffahrtsunternehmen mit einem Flottenförderprogramm unter die Arme greifen.

Standard: Was kann denn die Wasserstraße der Wirtschaft bieten?

Seitz: Die kostengünstige Erschließung interessanter Märkte in Südosteuropa durch intelligente Logistiklösungen, zum Teil zeitgleich mit den Lkws. Untersuchungen der Via Donau wie COLD (Container-Liniendienst Donau) zeigen die Wirtschaftlichkeit von Containertransporten Richtung Fernost auf. China zum Beispiel lässt sich über den rumänischen Schwarzmeer-Hafen Constanza gleich schnell und billiger erreichen wie über Rotterdam, Hamburg oder Bremerhaven.

Standard: Welche Güter kann man von der Straße auf die Donau verlagern?

Seitz: Grundsätzlich alle, außer besonders zeitempfindliche. Entscheidendes Marktsegment für die Zukunft sind die Container. Constanza hat 2006 über eine Million TEU (Anm. Twenty-foot Equivalent Unit, Maßeinheit zur Contai_nerzählung) umgeschlagen, im Jahr davor waren es aber noch 375.000. Man sieht die Dynamik. Der Hafen Constanza könnte für die Donau werden, was Rotterdam für den Rhein ist, nämlich eine wichtige Drehscheibe für den Hinterlandverkehr von und nach Mittel- und Südosteuropa. (Jutta Berger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.5.2007)

Zur Person
Manfred Seitz (44) ist seit 2005 Geschäftsführer für das Geschäftsfeld Schifffahrt und Finanzen der Via Donau – Österreichische Wasserstraßen-Gesellschaft mbH. Der Betriebswirt kommt aus der Verkehrs- und Transportplanung, für das Verkehrs-Ministerium vertrat er Österreich in EU-Transportforschungs-Gremien und war ab 1998 für die Gründung der Via Donau als Entwicklungsgesellschaft verantwortlich.

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  • Manfred Seitz, Geschäftsführer der Via Donau.
    foto: standard/viadonau

    Manfred Seitz, Geschäftsführer der Via Donau.

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    Auf der Donau gibt es noch viel Platz.

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