Hahn weist Vorwürfe zurück: "Habe ordentlich zitiert"

Redaktion, 3. März 2008, 13:42

Plagiatsjäger Weber: Wissenschaftsminister habe in Dissertation "seitenweise abgeschrieben" - Doktorvater Kampits kontert: Böse Unterstellung

Wien - Der Salzburger Medienwissenschafter Stefan Weber wirft Wissenschaftsminister Johannes Hahn "seitenweises unzitiertes Abschreiben" in dessen Dissertation vor. Weber, der in den vergangenen Jahren zahlreiche Plagiatsfälle aufgedeckt hat, nimmt den Vorwurf des Plagiats bei Hahn aber "bewusst nicht in den Mund". Dennoch hält er Hahn vor, "absolut schlampig gearbeitet" zu haben, so Weber am Donnerstag gegenüber der APA. Der Minister weist die Vorwürfe zurück: "Die Dissertation hat 282 Seiten und 197 Zitate, mir fehlt der Vergleich, aber das kommt mir sehr ordentlich vor". Weber sei "offensichtlich verärgert, weil er keinen Auftrag von uns erhalten hat", so Hahn.

Weber erhielt keinen Auftrag

Weber hat kürzlich ein Schreiben des Ministeriums erhalten, in dem ihm mitgeteilt wurde, dass er keinen Auftrag für eine Studie über Plagiate in Österreich erhalten werde. Der Medienwissenschafter hatte im Vorjahr eine Untersuchung über die "Akademische Integrität in Österreich" vorgeschlagen. In dem Brief wurde ihm nun mitgeteilt, dass das Ministerium beschlossen habe, eine solche Arbeit nicht zu fördern, das Thema würde aber bei der geplanten Reform des Universitätsgesetzes (UG) 2002 ohnedies behandelt.

Der Medienwissenschafter betont, dass diese Reform nichts mit einer Untersuchung über den Status quo zu tun habe. Ihn würde es deshalb interessieren, wer gegen eine solche Studie war, "die Rektorenkonferenz, die Hochschülerschaft oder das Ministerium?". "Vielleicht hat man guten Grund dafür: Am Ende wäre noch rausgekommen, dass auch Wissenschaftsminister Hahn seitenweise unzitiert von Leopold Kohr abgeschrieben hat", betonte Weber und belegt seine Aussagen mit Textbeispielen aus Hahns Dissertation und Texten von Kohr (1909-1994), einem in Österreich geborenen Philosophen, Nationalökonomen und Staatswissenschafter, der als Vordenker der Grünen-Bewegung gilt.

"Spielregeln nicht eingehalten"

Laut Weber habe Hahn zwar schon geschrieben, dass er sich mit Kohr beschäftigt habe, dennoch habe der nunmehrige Minister "grundlegende wissenschaftliche Spielregeln nicht eingehalten". Seitenweise sei "abgeschrieben oder leicht umgeschrieben" worden. Diese "absolut schlampige Arbeitsweise" ziehe sich durch die ganze Arbeit hindurch, so Weber, der auch inhaltliche Kritik übt und die Doktorarbeit als "analytisch sehr dünn" bezeichnet.

Hahn hat seine Dissertation zum Thema "Perspektiven der Philosophie heute - dargestellt am Phänomen Stadt" 1987 an der Universität Wien eingereicht. Der Minister betonte im Gespräch mit der APA, bereits im Vorwort seiner Dissertation und auch im Text selbst immer wieder auf Leopold Kohr hinzuweisen. Zum Vorwurf, grundlegende wissenschaftliche Spielregeln nicht eingehalten zu haben, sagte Hahn, dass er natürlich gehört habe, wie man ordentlich zitiert, "und das habe ich auch getan". Die Arbeit sei auch von zwei Leuten begutachtet und schließlich mit "gut" beurteilt worden.

Hahn verweist zudem darauf, dass er seine Dissertation noch mit der Hand geschrieben habe, sie sei dann erst abgetippt worden. Diese nun gebundene handschriftliche Fassung sei "jenes Buch in meiner Bibliothek, auf das ich am stolzesten bin".

Der Leiter der Hochschulsektion im Wissenschaftsministerium, Friedrich Faulhammer, der das Schreiben an Weber formuliert hat, begründete die Ablehnung der Studie mit "ziemlicher Zurückhaltung seitens der Rektorenkonferenz und der Hochschülerschaft". Das bedeute aber nicht, dass man das Thema Plagiate nicht weiter verfolge, so Faulhammer, der auf die von Wissenschaftsfonds FWF und Rektorenkonferenz geplante Schiedsstelle für korrektes wissenschaftliches Arbeiten verwies.

Für Doktorvater Kampits "Beckmesserei"

"Da gehört viel böser Wille dazu, das zu unterstellen", reagierte der Doktorvater von Johannes Hahn, Peter Kampits, Dekan der Philosophie-Fakultät der Universität Wien auf die Vorwürfe des Salzburger Medienwissenschafters Stefan Weber. In der Gesamtbeurteilung ist das für Kampits, der sich nochmals die Dissertation Hahns angeschaut hat, "Beckmesserei", wie er gegenüber der APA sagte.

Hahn habe, bevor er Leopold Kohr paraphrasiert habe, zwei Mal auf diesen hingewiesen und auch am Ende dieser Paraphrasierung ein Resümee Kohrs gezogen. Hätte er das nicht getan, "läge die Sache anders", so Kampits. Zudem habe Hahn diese Passagen mit einer Einrückung begonnen, "und nach unserer Zitationsordnung gelten eingerückte Passagen auch ohne Anführungszeichen als Zitate".

Kampits räumt ein, dass diese Einrückung "bei einigen Abschnitten etwas verloren gegangen" sei, das ist "vielleicht eine gewisse Schlampigkeit, die ich aber nicht für gravierend halte". Der Philosophie-Professor verweist auch darauf, dass die "damaligen Zitationsregeln noch lockerer gehandhabt wurden", schließlich habe es damals noch keine Computerisierung gegeben.(APA)

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serao
02
Zitierregeln früher lockerer ??

Zu behaupten, dass die Zitierregeln früher lockerer gehandhabt wurden, weil es da noch keine PCs gab, sagt vielleicht etwas über die Arbeitsweise von gewissen Instituten aus, entspricht aber meiner Meinung und Erfahrung nach nicht der Wahrheit.

Fremdes Gedankengut hat in einer Dissertation als solches an Ort und Stelle ausgewiesen zu werden. Das war auch ohne PC zu schaffen.

Zapzarap
01
26.5.2007, 21:52

Es gibt Diss. für das Türschild ( die allermeisten in A, aber auch in vielen anderen Ländern) und es gibt welche für die Forschung. Man erkennt diese sofort nach nur wenigen Minuten des Lesens, wenn man sich mit wiss. Arbeiten beschäftigt.
Nach einer ECHTEN Diss. wird man auf Kongresse und zu Tagungen eingeladen, man publiziert und verwertet den "Kapitelabfall", der übergeblieben ist noch für weitere Aufsätze in Sammelbänden.

Nur eine absolute Minderheit ist überhaupt in der Lage eine ECHTE Diss. (egal wo) zu schreiben. Was aber nicht heißen soll, dass der Türschilddoktor nicht auch ok wäre. Gesetzt den Fall, dass nicht nur geschummelt und abgeschrieben wurde, muss man sich auch sehr viel Mühe geben und steckt viel Arbeit rein.

Vize.
00
27.5.2007, 11:05

>Nur eine absolute Minderheit ist überhaupt in der Lage eine ECHTE Diss. (egal wo) zu schreiben.


stimmt. und weiter? :-)

Pepe, la dickste Kupferlitze od Mechiko!
00
27.5.2007, 10:09

Schon gut, aber in einem Thread hätt's gereicht.

(Und nebstbei hat man hoffentlich schon vor Einreichung der Diss publiziert, und das hoffentlich nicht nur auf Einladung.)

shaki1
01
26.5.2007, 23:53
Nach einer "ECHTEN" Diss. ...


...sollte man echt arbeiten gehen.

Dante Alighieri
00
27.5.2007, 13:24

Sprich an einer Uni bleiben, denn dort arbeitet man tatsächlich statt seine Zeit in Meetings und mit dem Weiterleiten niveauloser Powerpoint-Scherzchen zu verbringen ;-)

Vize.
00
27.5.2007, 11:06

was meinst du?

Betreten Schauen Verboten
00
25.5.2007, 22:46

DUDE: Come on Walter, it's just--it's Smokey. So his toe slipped over a little, it's just a game.

WALTER: HAS THE WHOLE WORLD GONE CRAZY? AM I THE ONLY ONE HERE WHO GIVES A SHIT ABOUT THE RULES? MARK IT ZERO!

aua
00
25.5.2007, 15:53
HAHN sollte nun sofort zurücktreten!

Vize.
00
27.5.2007, 11:06

warum?

PräsidentIn der Gesellsch. für Geschlechterstudien
01
25.5.2007, 21:20
Hahn ist unschuldig. Sein Ghostwriter trägt die Verantwortung.

ignazius rummsfeld
00
25.5.2007, 14:19
Naja,

nach Gehrer ist Hahn ja ein Qualifikationswunder, wurscht wie seine Diss zustande gekommen ist.
Man könnt eh den ganzen Tag plärren....

aereo
00
25.5.2007, 14:19
Österreich-Witze garantiert

Ein Unterrichtsminister der seine Diss locker ausgedückt abgeschrieben hat wird für eine Generation neuer Österreich-Witze sorgen.
( Übrigens glaub ich haben wir diesbezgl schon die Ostfriesen überholt )
Daß der Doc-Papa jetzt verteidigt sagt wenig aus. Daß es damals keine ordentlichen Regeln gab glaub ich nicht.
Die SP wird die Peinlichkeit natürlich nützen. So und jetzt in den Thread Vranitzky-Million.....

mario weider
01
25.5.2007, 14:18
Schön langsam kommt mir Zweifel am Personal der

ÖVP. Vorher hatten sie nur eine Handarbeitslehrerin, jetzt kommt jemand, der seine Arbeit abgeschrieben hat...

Was für ein tolles Beispiel für unseren Wissenschaftsnachwuchs.

Naja, und dem Weber sollte man mal einen sinnvollen Job geben, damit er was ordentliches zu tun hat. Kanns ja auch nicht sein, dass man so an seine Aufträge herankommt, wie er sich das vorgestellt hat...

PräsidentIn der Gesellsch. für Geschlechterstudien
00
25.5.2007, 21:14
Was regen sie sich auf?

Bei der ÖVP ist es eben systemimmanent dass die Partei- und Interessenarbeit von denen geleistet werden muss die im realen Wirtschaftsleben nichts drauf haben.
Ist aber bei der SPÖ genau so. Wer keine Lust auf Arbeit hat der hantelt sich halt in den Betriebsrat hoch.

sixela
71
25.5.2007, 14:16

Da der Doktorvater die Korrektheit der Arbeit nochmals bestaetigt hat, ist es absolut laecherlich, diese Diskussion ueberhaupt weiterzufuehren.

Es gab wohl selten so klare Faelle wie diesen, dass sich einer wegen einer Subventionsverweigerung - noch dazu stuemperhaft - raechen wollte.

RS69
 
00
25.5.2007, 14:50

An der Stelle ist es für die Bewertung der Qualität der Disseratation völlig unerheblich, aus welcher Motivation Weber die Vorwürfe artikuliert hat.

Das Einzige was in die Betrachtung eingehen soll ist die Qualität der Dissertation.

Ob Weber aus wissenschaftlicher Ethik, Verantwortungsbewusstsein oder eben aus Rachsucht und Anpatzen wollen die Sache aufgebracht hat, macht keinerlei Unterschied in der Frage, ob die Diss ein Plagiat ist oder nicht.

mario weider
00
25.5.2007, 14:21
find ich nicht

nur weils der Doktorvaterpater-papst oder sonstwas sagt, heißt das nicht, dass er nicht abgeschrieben hat. Schauen sie mal im orf.at nach. Da sind 2 Passagen, wo nur ein oder zwei Wörter geändert wurden. Wenn ich so meine Dipl geschrieben hätt, hätt ich jetzt Angst.

Vize.
00
25.5.2007, 14:35

siehe unten.


(so wie es dargestellt ist, ist es frappierend, und wie schon jemand schrieb, verdächtig, zwei worte zu ändern....)

Vize.
11
25.5.2007, 14:15
Ausschnitte so zu wiederholen

wie es hier geschieht, erscheint mir leicht tendenziös - aus sicherer Quelle weiß ich, dass die Zitate eingerückt sind, darauf verzichtet der investigative journalist natürklich gerne, wenn es seinem Ansinnen hilft - besser als der Beschuldigte ist er dadurch nicht.

eze eze
 
00
27.5.2007, 18:35

Also ich hab auch noch im Schreibmaschinenzeitalter das Zitieren gelernt - bei längeren Zitaten war es sehr wohl üblich die einzurücken - allerdings mit deutlich abgehobenem Schriftbild (einzeilig; während der normale Text der Arbeit eineinhalbzeilig war) und selbstverständlich auch dann mit Quellenangabe. Entweder per Fußnote oder in Kurznotation in Klammer am Zitatende. Was Zitat war und was nicht, war so auf den ersten Blick optisch erkennbar.

carrozza
11
25.5.2007, 14:00
Gibst Du mir keinen Auftrag, mach ich Dir Probleme

Nennt man sowas nicht Erpressung?

roter mob
02
25.5.2007, 13:58
überflüssige debatte

- wir hatten einen bundespräsidenten, der nazi urteile unterschrieben hat (oder war es doch sein pferd?)
- wir hatten verkehrsminister, die autounfälle ihrer söhne unter den tisch gekehrt haben (der papa wirds scho richtn)
- wir hatten unter schüssel minister, die direkt vom ministerium ins irrenhaus übersiedelt sind
- wir haben jetzt gerade den 2. verteidigungsminister, der nie ein gewehr in der hand hatte
- wir hatten die gehrer als unterrichtsministerin.
- sickl, morak, ferrero-waldner...wo soll man wieter aufzähle?

was soll diese diskussion jetzt also beweisen?? dass der falsche mann im falschen amt sitzt???

ja halleluja! da gratulier ich aber!

Ernst Anders
03
25.5.2007, 13:49
Exzellenz-Preis für Hahn und Doktorvater?

Die korrekte Form der Zitierung ist übrigens schon länger bekannt. Ich zitiere aus “Die Technik des wissenschaftlichen Arbeitens” von 1977. Zwar ein Werk von Wissenschaftlern, aber irgendwie versteht man es trotzdem.

Den “Techniken der Darstellung des Materials” werden dort 28 Seiten gewidmet. Also das, was eventuell “Gio” betrifft. Kapitel 5.4.1.1 und hier die Regel 2 sagt z.B. dass “Zitate genau” sein müssen. Wer wirklich tiefer eintauchen möchte, muss sich leider die Kapitel 5.4.1.2 bis 5.4.3.3 durchziehen.

Die “Methode Hahn” ist dort freilich nicht zu finden. Aber vielleicht haben der BM und sein Doktorvater ja echt was neues entdeckt.

Für Quellenfanatiker: ISBN35069923090 von Prof. Dr. Georg Rückriem

Hrundi V Bakshi
01
25.5.2007, 13:38

ein neuer job für unsern gockel:
gestolpert vom ministersockel,
jetzt kellnert im cafe di gio.
(wird demnächst stehn in seiner bio)

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