Mittelstandssegment eröffnet Mitte Juni

2. Juli 2007, 10:38
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Der "mid market" soll kleinen und mittelgroßen Unternehmen Zugang zum Kapitalmarkt ermöglichen, das Potenzial wird bei 200 Firmen gesehen

Wien - Mitte Juni startet die Wiener Börse mit ihrem neuen Mittelstandssegment. Der "mid market" soll kleinen und mittelgroßen Unternehmen Zugang zum Kapitalmarkt ermöglichen, sagten die Vorstandsdirektoren der Wiener Börse, Heinrich Schaller und Michael Buhl heute, Donnerstag, vor Journalisten in Wien. Der neue "Markt der Mitte" soll Firmen auch als Sprungbrett ins höchste Wiener Handelssegment, den Prime Market, bieten.

Zwei Aktien werden am Montag, dem 18. Juni, erstmals im "mid market" gehandelt: die Binder + Co AG sowie die Hutter & Schrantz Stahlbau AG. Beide Werte notieren bereits im Segment "Other Listings" der Wiener Börse. "Mit großer Wahrscheinlichkeit" kommt im Juli ein weiteres Unternehmen dazu, kündigte Schaller an. Im Herbst könnte es "eine Reihe" weiterer Zugänge im KMU-Segment geben. Die Zugänge sollen teils durch Umlistungen, teils durch "echte" Börsegänge erfolgen.

Heranführen und weiterentwickeln

In rund zwei Jahren könnten rund 20 Unternehmen im "mid market" notieren, sagte Schaller. Primäres Ziel seien aber nicht große Umsätze in diesem Segment. "Wir wollen kleine und mittlere Unternehmen an den Kapitalmarkt heranführen und sie dann weiterentwickeln", hieß es. KMU könnten in der Folge auch in höhere Handelssegmente der Wiener Börse, etwa in den Prima Market, aufsteigen.

Das Potenzial interessierter Unternehmen an einem Börsegang beziffert der Börsevorstand mit rund 200 heimischen Unternehmen, die bisher von Venture Capital- oder Private Equity-Fonds finanziert werden. Das Industriewissenschaftliche Institut (IWI) bezifferte das konkrete Potenzial in einer Studie auf 125, einschließlich kleinerer Betriebe auf 170 Firmen.

Für die Aktien im "mid market" wird täglich ein Kurs zur Mittagszeit ermittelt. Die Unternehmen können sich innerhalb dieses Segments für ein Listing im Geregelten oder im Ungeregelten Markt ("Dritter Markt") der Wiener Börse entscheiden. Die beiden Märkte unterscheiden sich etwa durch unterschiedlich strenge Veröffentlichungspflichten.

Unterstützung beim Börsegang

Verpflichtend ist die Ernennung eines so genannten "Capital Market Coach" (CMC), der der Unternehmen beim Börsegang unterstützt und ihm auch anschließend zur Seite steht, um die Qualität zu sichern und die Liquidität zu gewährleisten. Bisher gebe es 18 solcher CMC. Eine vorgeschriebene Mindestgröße gebe es "ganz bewusst" nicht, "sinnvoll" sei allerdings ein Emissionsvolumen von 10 Mio. Euro.

Frühere Versuche der Wiener Börse, ein Handelssegment für junge, kleine Unternehmen zu etablieren, waren gescheitert. Im Unterschied zu damals seien die Rahmenbedingungen diesmal viel günstiger, argumentiert Schaller: In Österreich habe sich mittlerweile eine starke Beteiligungskapital-Szene (Venture Capital, Private Equity) entwickelt, auch von Marktteilnehmern werde starkes Interesse in diese Richtung angemeldet. (APA)

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