Gutes Zeugnis für Gesundheitssystem

26. Juli 2007, 12:25
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Laut Online-Umfrage trotzdem über die Hälfte der Österreicher von Zwei-Klassen-Medizin überzeugt

Wien - Die Österreicher stellen dem Gesundheitssystem zu über 80 Prozent ein gutes Zeugnis aus, allerdings sind auch 68 Prozent der Ansicht, dass es in Österreich eine Zwei-Klassen-Medizin gibt, und mehr als 60 Prozent haben Zweifel, ob das Gesundheitswesen der Pflegeproblematik gewachsen ist. Das geht aus einer Online-Umfrage im Auftrag der "Europäischen Wissenschaftstage Steyr" und der Agentur Ecker & Partner unter 1.000 Personen im Alter zwischen 14 bis 59 Jahren hervor.

Schlechetre Behandlung für Kassenpatienten

82,3 Prozent der Österreicher halten demnach das heimische Gesundheitssystem für "sehr gut" oder zumindest "eher gut", gerade einmal 6,5 Prozent bewerten es negativ. Aber auch 68 Prozent der Befragten stimmen der Aussage "voll" oder "eher" zu, dass in Österreich eine Zwei-Klassen-Medizin vorherrscht. Demgemäß sind auch knapp 70 Prozent der Ansicht, dass Kassenpatienten eine schlechtere Gesundheitsversorgung erhalten als Privatpatienten.

Leistungsfähigkeit und Pflege

Skeptisch sehen die Österreicher die Leistungsfähigkeit des Gesundheitswesens bezüglich Pflege. 60,3 Prozent der Befragten glauben nicht daran, dass das österreichische Gesundheitssystem in der Lage ist und sein wird, der Pflegeproblematik Herr zu werden. Interessant auch, dass sich mehr als die Hälfte der Befragten (53 Prozent) laut der Umfrage nicht vorstellen können, nahe Angehörige zu Haus zu pflegen, hingegen es für 53 Prozent der Österreicher denkbar ist, von nahen Angehörigen gepflegt zu werden.

Als Grund, auf die Pflege Angehöriger zu verzichten, wurde an erster Stelle die Befürchtung geäußert, womöglich den Beruf aufgeben zu müssen (55 Prozent), sich finanziell zu überfordern (51 Prozent) oder die Belastung finanziell nicht auszuhalten (51 Prozent).

E-Card und ELGA

Die E-Card scheint der Umfrage zufolge überwiegend positiv aufgenommen worden zu sein, knapp 85 Prozent gaben an, mit dem elektronischen Krankenschein gute Erfahrungen gemacht zu haben. Rund 73 Prozent können sich auch eine elektronische Patienten- bzw. Gesundheitsakte (ELGA) vorstellen, allerdings möchten knapp die Hälfte der Befragten selbst bestimmen, wer ihre Patienteninformationen erhalten soll.

Unzufriedenheit bei Mitspracherecht

Wenig zufrieden sind die Österreicher etwa mit ihrem Informations- und Mitspracherecht als Patienten. So gaben zwei Drittel der Befragten an, sich mehr Informationen über Krankenhäuser und Spezialisten zu wünschen, rund 60 Prozent wünschten sich mehr Informationen über Arzneimittel, Krankheiten sowie Ärzte und deren Schwerpunkte.

Kleine Verzerrungen

Mit Fragen zu den "aktuellen Themen der Gesundheitspolitik" wollte man den Handlungsbedarf auf diesem Gebiet ausloten, so Berghold Bayer vom Auftraggeber "Europäische Wissenschaftstage Steyr". Bezüglich der Umfrageart räumte Bayer mögliche "kleine Verzerrungen" ein, da nur "webaffine" Personen zwischen 14 bis 59 Jahre befragt wurden, ältere Personen aber, die das Gesundheitssystem tendenziell mehr in Anspruch nehmen, keine Berücksichtigung fanden. (APA)

Die "Europäischen Wissenschaftstage Steyr" befassen sich heuer vom 12. bis zum 17 Juli mit Gesundheitsökonomie.
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