
Zur Person:
Walter „Fritz“ Mondale wurde 1928 als Sohn eines methodistischen Pastors mit norwegischen Wurzeln geboren. Der Anwalt kam 1964 in den US-Senat, wo er zum linksliberalen Flügel der demokratischen Partei zählte. Als Vizepräsident unter Jimmy Carter Von 1977 bis 1981 engagierte er sich vor allem in der Außenpolitik. Als Präsidentschaftskandidat der Demokraten verlor Mondale 1984 haushoch gegen Ronald Reagan. In den neunziger Jahren diente er als US-Botschafter in Japan. In Wien nahm Mondale diese Woche an der Jahrestagung des InterAction Council, einer Plattform für ehemalige Staatsmänner, teil.
Standard: Was ist die Lage der Nation im siebten Jahr der Bush- Präsidentschaft?
Mondale: Es herrscht großer Stress: Der Krieg im Irak läuft katastrophal, die meisten Amerikaner halten ihn für einen Fehler, und der neue Kongress will die Irakpolitik ändern. All das erzeugt viele Spannungen und Schmerzen.
Standard: Soll man Ihrer Meinung nach aus dem Irak rasch oder schrittweise abziehen?
Mondale: Keiner weiß die richtige Antwort. Ich halte mich an die Empfehlungen des Baker-Hamilton-Bericht: Abzug aus den direkten Bürgerkriegszonen, aber eine weitere Truppenpräsenz auf Zeit, um die Grenzen zu kontrollieren und al-Kaida im Schach zu halten. Außerdem müssen wir direkte Verhandlungen mit Syrien und Iran aufnehmen.
Standard: Ihr ehemaliger Chef Jimmy Carter spricht von der schlimmsten Außenpolitik der US-Geschichte. Sie auch?
Mondale: Wir stecken in einer tiefen Krise. Der Glaube der Neokonservativen, man könne mit Krieg alle Probleme lösen, hat das Vertrauen in diesen Präsidenten und in die Ehrlichkeit der Regierung erschüttert.
Standard: Wie unterscheiden sich George W. Bush von ihrem früheren Gegner Ronald Reagan?
Mondale: Das sind zwei ganz verschiedene Menschen. Reagan war eine Art Großvater, der über allem stand und das Land einigte. Bush hat das im Wahlkampf ebenfalls versprochen, aber dann hat er das Land tief gespalten. Er hat eine bescheidene Außenpolitik versprochen und dann die USA_zu einer sehr arrogante Nation gemacht.
Standard: Wird sich die US-Außenpolitik unter einem Demokratischen Präsidenten wirklich entscheidend ändern?
Mondale: Kein Demokrat hat einen Zauberstab, um all den Schaden zu beheben, den Bush angerichtet hat. Früher wurden die USA_in aller Welt als starke, verantwortungsvolle Nation respektiert, doch das ist vorbei. Es wird lange dauern, um das Vertrauen der Welt wieder herzustellen. Das benötigt eine guten Präsidenten und einen guten Kongress.
Standard: Aber wird nicht doch etwas vom Unilateralismus zurückbleiben?
Mondale: Der Unilateralismus der Neokons ist bereits tot. Die meisten von ihnen wie Paul Wolfowitz haben die Regierung verlassen. Egal, ob der nächste Präsident Demokrat oder Republikaner ist, die USA_werden zu einer traditionellen multilateralen Diplomatie zurückkehren. Und das hat das schon begonnen.
Standard: Muss der Iran also keine US-Bomben fürchten?
Mondale: Ich hoffe, dass wir gemeinsam mit der IAEO_und den Europäern eine diplomatische Lösung finden und den Iran davon abhalten können, zur Atommacht zu werden. Wir müssen die iranische Paranoia verringern, indem wie einen Dialog ohne jede Vorbedingungen starten. Es ist ein Fehler, Verhandlungen an sich schon als Schwäche darzustellen. Wir haben nichts dadurch gewonnen, dass wir Iran isolieren. Aber wir müssen nicht nur reden, sondern auch die Kosten der der Nicht-Kooperation erhöhen.
Standard: Das bedeutet härtere Sanktionen?.
Mondale: Wir haben bereits welche, aber was bisher gefehlt hat, war der Dialog. Wenn wir in dessen Zuge die Sanktionen verschärfen müssen, dann sollen wir das tun. Aber wir müssen uns bewusst sein, dass Iran nicht nur von Präsident Ahmadi-Nejad vertreten wird. Um die gemäßigten Kräfte zu stärken, dürfen wir nicht nur mit der Sprache des Krieges sprechen. Das hilft nur den Hardlinern.
Standard: Sollten die USA_Iran eine Sicherheitsgarantie geben?
Mondale: Das Gerede von Regimewechsel und der ?Achse des Bösen? muss endlich aufhören. Dann können wir als Teil einer größeren Lösung dem Iran versichern, das es vor solchen Drohungen sicher ist.
Standard: Braucht der Westen ein Raketenschild als Schutz vor iranischen Atomwaffen?
Mondale: Das Prinzip ist nicht schlecht, aber es funktioniert noch nicht. Wir hätten uns daher mehr Zeit lassen können. Das hätten wir nützen können, um uns mit den Russen zu einigen ? und einen Ort zu suchen, der die Russen weniger irritiert.
Standard: Sehen Sie bereits einen neuen Kalten Krieg mit Russland?
Mondale: Es ist nicht wie einst mit Josef Stalin, aber ich bin sehr besorgt. Es ist nicht überraschend, dass die Russen mit mehr Selbstbewusstsein auftreten, aber wenn wir mir den Nazis verglichen werden, dann ist das nicht akzeptabel. Allerdings brauchen wir eine engere Kooperation mit Russland, auch gegenüber dem Iran. Wir sollten die Russen nicht unnötig irritieren, aber wir können auch nicht unsere gesamte Politik über Bord werfen, bloß weil sie einen schlechten Tag haben.
Standard: Soll der Westen die Demokratiedefizit klar ansprechen, selbst wenn das die Beziehungen trübt?
Mondale: Menschenrechte müssen ein wichtiger Faktor in allen Beziehungen sein. Wir sollten andere Länder zwar nicht bombardieren, bloß weil wir nicht übereinstimmen, aber wir haben ein Recht darüber zu reden. Wir haben einst mit der alten Sowjetführung über Menschenrechtsverletzungen gesprochen. Das hat die Russen sehr geärgert, aber den Opfern ihrer Politik wurde sehr geholfen.
Standard: Was kann der nächste US-Präsident im Nahost-Konflikt tun?
Mondale: Die USA waren in den Carter-Jahren sehr um eine Friedenslösung bemüht, ebenso unter Bill Clinton. Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass es Fortschritte in dieser Region nur geben kann, wenn der amerikanische Präsident direkt involviert ist. Doch in den vergangenen Jahren war das nicht der Fall. Dieses Nicht-Kümmern hat es radikaleren Kräften erlaubt, in das Vakuum vorzustoßen und die Lage zu verschärfen. Auch wenn die Lage kompliziert ist, muss der nächste Präsident alles dafür tun, um den Dialog wieder zu beleben. Die ganze Welt würde das begrüßen.
Standard: Und soll der ?Krieg gegen den Terror bloß besser geführt oder überhaupt beendet werden?
Mondale: Das Risiko von Terrorangriffen bleibt, und die USA_müssen weiterhin damit fertig werden. Aber Bush hat den Krieg gegen den Terror falsch geführt, der Wechsel von Afghanistan zum Irak war ein katastrophaler Fehler. Wir müssen die Terroristen weiterhin verfolgen, aber gleichzeitig von simplistischen militärischen Antworten wegkommen. Wir Diplomatie einsetzen und dafür sorgen, dass die USA_in der islamischen Welt wieder positiver gesehen werden.
Standard: Was ist von der Carter-Präsidentschaft geblieben, was wirkt bis heute nach?
Mondale: Vor allem das Camp-David-Abkommen, denn es hat gezeigt, was durch Diplomatie möglich ist. Ebenso unsere Menschenrechtspolitik: All diese Unrechtregimes, gegen die wir vorgegangen sind, von den Philippinen bis zum Apartheid-Regime in Südafrika, sind verschwunden. Dafür mussten wir keinen Krieg führen. Es hat gereicht, über Menschenrechte zu sprechen. Und auch die Normalisierung mit China hat gehalten.
Standard: Macht Ihnen die aufstrebende Supermacht China Sorgen? Mondale: Wenn Staaten stärker werden, dann möchten sie respektiert werden und bei allen Fragen mit am Tisch sitzen. Das ist nur natürlich. Es läuft mit China gut, aber es lässt sich noch verbessern. China muss sich stärker am Kampf gegen Klimawandel und der Verbreitung von Atomwaffen beteiligen.
Standard: Wie wird nach ihrer Einschätzung die Vorwahlen der Demokraten gewinnen?
Mondale: Ich weiß es nicht. Die Favoriten sind Hillary und Obama. Hillary führt in den Umfragen, aber Obama ist ein Phänomen. Er ist brillant und anmutig wie einst John F. Kennedy. Jeder will ein Stück seines Zaubers haben. Die große Frage ist, ob Al Gore noch einsteigt. Wenn er es tut, könnte sich viel im Rennen ändern.
Standard: Kann dabei auch die Polarisierung der US-Politik gemildert werden?
Mondale: Ich hoffe ja. Die Öffentlichkeit mag diese scharfe Rhetorik nicht, wie die vom rechten Flügel, die Religion als Axt verwenden. Es ändert sich auch die Einstellung zum Staat. Lange Zeit hat es geheißen, der Staat ist das Problem, alles was man tun muss, ist Steuern zu senken. Das hat dazu geführt, dass ganz wenige reich geworden sind und die Mittelschicht unter immer mehr Druck gerät.
Die Themen, die Menschen beschäftigt: Krankenversicherung, Energie, Klimawandel ? all das kann nur mit Hilfe der Regierung gelöst werden. Die Menschen suchen nun konkrete Lösungen und rücken von der Laissez-faire- Haltung ab. (DER STANDARD, Printausgabe, 25.5.2007)
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Mit derStandard.at/Mobil sind Sie unterwegs immer top-informiert - mit Liveberichten und Postings!weil es nie einen Unilaterismus der Neocons gegeben hat, weil eine solcher nie gelebt hat.
Selbst wenn die Koalition der Willigen, mit deren Hilfe die Neocons im Irak intervenierten, schmäler war als diejenige in Afghanistan oder im Kosovo, so ging sie dennoch über die USA immer hinaus; mit den Briten als prominentesten Beiträger, und Anderen auch, was kein Unilateralismus ist ...
(Aber es ist halt wieder einmal Wahlkampf, und da müssen die Demokraten mit oft auch unsachlichen Argumenten auf die Republikaner losgehen)
…zu "wirken".Die UdSSR drehte sich-und die USA wurden zur Operationsbasis der Globalisten,die mittels Clinton erfolgreich die Demokraten zerstörten,genauso wie unter Bush die Rep.abmontiert werden sollten.Amerika wurde zur "USSA"-die "Socialistic States of America". D.Dem.Senator,Henry "Scoop"Jackson(Boeing Lobbyist!) war damals d.was Joe Lieberman(Gen.Dyn.Lobbyist!)heute repräsentiert. Jacksons Verrat an den USA wird heute in GB durch d.Henry Jackson Society "gewürdigt",die in GB die NeoCon-Agendas vertreten…
"Unilateralismus tot"? LOL!
Und hier schon d.nächste Streich: Die NSPD51,d.neueste Präsidialdirektive:
tinyurl.com/yqthor
Comment dazu:
tinyurl.com/39qto7
Mondale, sieh deine Kollegen aufgelistet auf:
www.waynemadsenreport.com
Tippfehler, dass es fast schwierig ist, ihn zu Ende zu lesen ohne sich auf das Ausbessern von Fehlern zu konzentrieren, aber ein Fehler ist ganz besonders bemerkenswert:
"benötigt eine guten Präsidenten". Da hat wohl jemand schon an eine Präsidentin Clinton gedacht.....
jemand dem man zuhören mag. Ich hab schon geglaubt da sitzen nur noch Irre oder Abhängige jenseits des Atlantiks.
Ich würde den Amis im Irak einen Rückzug nach Kurdistan und in die Wüste empfehlen. Aus diesen Positionen herraus können sie vorerst abwarten und notfalls eingreifen. Das bedeutet sie könnten auf drei mal 5.000 Mann Kampftruppe und ca 30.000 Mann Unterstützung reduzieren und diese öfters auswechseln.
na ja
der gute mann ist irgendwie ein schönredner.
1. kein staat der der usa nicht traut kann als paranoid bezeichnet werden.
2. die russen haben nicht erst seit gestern und aus heiterem himmel einen "schlechten tag"
3. "traditionellen multilateralen Diplomatie "
soweit ich weiss war es doch clinton der gesagt hat: mit den vereinten nationen wenn's geht, ohne wenn's nicht geht.
werden alle Amerikaner behaupten, sie wären schon immer gegen einen Angriff auf den Irak gewesen. Nur blöd, dass in der Zwischenzeit abertausende Menschen auf der Welt abgeschlachtet wurden, die Folter wieder eingeführt worden ist, die reiche Minderheit die arme Mehrheit noch stärker unterdrückt, und der internationale Terrorismus durch den idiotisch geführten "Kampf dagegen" erst recht erschaffen worden ist!
das haben wir ja nicht gewusst...
Die allerbeste Aussage an einer PRO-Irak-Kriegs-Demo von einer etwa 50J Frau, die für mich genau das wiederspiegelt, warum sowas immer wieder passieren kann:
"Ich weigere mich zu glauben, dass unser Präsident uns jemals angelogen hat"
Und, eine grosse Masse denkt leider immer noch so....
1) Clinton hatte sowas von Glück, dass ein Terroranschlag von der Dimension 9/11 nicht in seine Amtszeit gefallen ist! Wie hätte er (oder ein anderer Demokrat) wohl reagiert auf ein derartiges Attentat? Möglicherweise hätte die Reaktion nicht anders ausgesehen, als die von Bush. Daher ist das ganze Anti-Kriegs-Geschwafel von den Demokraten wohl nur aus dem Umstand der Oppostion heraus zu erklären.
2) Bush wurde von Anfang an von den linken(!!!!!!) europäischen Medien lächerlich gemacht. Hier wurde ein Bild suggeriert, das so nicht der Realität entspricht. Jemand der quasi nicht bis drei zählen kann, wird nicht Präsident; nicht mal in den USA.
und Pech, dass es Clinton war, der den ersten Auftrag gegeben hat
- mit den Planungen zur militärischen Entmachtung Saddams anzufangen (1998) und
- geeignete Strategien zu finden, mit den islamistischen Terroristen fertig zu werden, worauf der Geheimdienst das Programm der geheimen Entführungen begann (ich glaube 1996)
darf schon einmal mächtigster Mann der Erde spielen.
Ein bigotter Sohn aus reichem Hause mit elenden Referenzen (Er hat kein einziges Geschäft aus eigener Kraft erfolgreich abgeschlossen.) fordert nicht die Linke, sondern die Bürgerlichen heraus. Immerhin hat er alle ihre Werte (durch Arbeit zum Erfolg, Ehrlichkeit im Handeln, Handschlagqualität etc.) erfolgreich konterkariert.
heißt das noch lange nicht, dass er die außenpolitische Kompetenz hat, die für einen Präsidenten günstig wäre.
Ganz abgesehen davon: Spitzenpolitiker werden meist wegen ihrer innenpolitischen Fähigkeiten gewählt, scheint mir ....
Und das nicht nur in den USA, sondern überall auf der Welt ...
could have easy blown up our heads. I know that the Demokrats allready where speaking the same about Iraq but the Musik they play is differnt that we have to dance to this musik we know anyway so I am Austrian I prefere the play a walz and not heavy metall.
Um überhaupt aufgestellt zu werden (Präsident, Senator, Rep.) müssen die Kandidaten durch Vorwahlen - und ohne viel Geld (Parties, Luftballone, Touren durch's Land, Spenden) ist da nix zu holen. De facto kommen fast nur Millionäre überhaupt so weit. Zusätzlich braucht's Unmengen von Spenden - von Konzernen und gruppen - denen schuldet der Politiker dann etwas. Und: er braucht in 4 Jahren ja wiederum Geld.
Ist man also gewählt, dann hat man gewisse Interessen zu vertreten. Steuersenkungen für Reiche. Krieg für Öl(konzerne). etc.
Hinzu kommt, um am Futtertrog zu bleiben, unmoralisches Verhalten per Extrem, zB Wahlkreise häuserblockweise so zu verändern, daß man die Mehrheit behält (Wikipedia: Gerrymandering) - reiner Betrug am Wahlvolk.
= herrschaft des geldes
in den usa werden zwar viele posten durch wahlen vergeben (sheriff, staatsanwalt usw), in der regel gewinnt dann aber der kandidat, der mehr geld in seinen wahlkampf investieren konnte.
von den usa als demokratie zu sprechen, ist somit ein hohn, eine herrschaft des volkes ists ganz sicher nicht;
die USA sind eine plutokratie!
Für mich ist diese Abhängigkeit von den Konzernen das Grundübel in den USA überhaupt. Oft schaut´s so aus, als würden die Konzerne die Politik machen und die Politiker nur dazu da sein, das den Leuten auch zu verkaufen.
Weder Demokraten noch Republikaner werden daran wohl was ändern. Was es bräuchte wäre eine starke Kraft aus dem Volk (Michael Moore, Schauspieler, Künstler, Intellektuelle...)
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