Russischer Autobauer GAZ will Global Player werden

10. Juli 2007, 13:50
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Der Produzent der zu Sowjet-Zeiten beliebten "Wolga"-Pkw und jetzt Teil von Deripaskas Firmenimperium will am Weltmarkt mitmischen und sucht dafür auch österreichische Partner

Wien - Der russische Autobauer GAZ, Produzent der zu Sowjet-Zeiten beliebten "Wolga"-Pkw und jetzt Teil des Firmenimperiums des Milliardärs Oleg Deripaska, will künftig auch auf dem Weltmarkt kräftig mitmischen. Gelingen könne das nur mit Top-Qualität, ist GAZ-Chef Erik Eberhardson überzeugt. "Darum suchen wir uns jetzt die besten Partner, die wir finden können, wie Magna oder AVL List. In zehn Jahren wird 'Made in Russia' auch im Ausland einen guten Klang haben", sagte der Schwede am Mittwoch im Gespräch mit der APA.

GAZ (Gorkovskij Avtomobilnij Zawod) und seine Schwesterfirma RM Systems haben anlässlich des Besuchs des russischen Präsidenten Wladimir Putin in Wien eine Reihe von Investitions- und Kooperationsabkommen mit österreichischen Unternehmen unterzeichnet, die größten davon mit dem Autozulieferer Magna und mit dem Grazer Motoren-Spezialist AVL List. "Es wird eine Win-win-Situation für alle Seiten sein - wir wollen wachsen, und sie wollen wachsen", beschrieb der GAZ-Chef die einfache Grundidee hinter den Deals.

Plastik-Komponenten für Autos

In einem Joint Venture werden RM Systems und Magna Plastik-Komponenten für Autos erzeugen - Stoßstangen, Schweinwerfer, Armaturenbretter sowie Türen- oder Dachverkleidungen. Das JV soll noch im dritten Quartal dieses Jahres seine Produktion in Nizhniy Novgorod aufnehmen - das ehemalige Gorki ist der Unternehmenssitz von GAZ. Mit der ersten Serienproduktion will man Mitte 2008 auf dem Markt sein. Das Gemeinschaftsunternehmen wird zunächst nur für GAZ arbeiten, vor allem für einen neuen Pkw im D-Segment und für Kleintransporter. Später sollen Autohersteller in ganz Russland beliefert werden.

Das JV wird laut Eberhardson insgesamt 40 Mitarbeiter beider Unternehmen beschäftigen und ist zunächst für 10 Jahre angelegt. Das Gemeinschaftsunternehmen soll die Komponenten-Beschaffung neu organisieren, wobei mindestens 30 Prozent der Teile aus Russland stammen sollen. Dazu werde auch ein Teil der Produktion aus Nordamerika nach Russland verlagert.

Entwicklungspartnerschaft

Magna hat gestern auch einen seit längerem bekannten Vertrag mit dem anderen großen russischen Autoproduzenten, AvtoVaz, unterzeichnet. Dabei geht es um eine Entwicklungspartnerschaft für ein Mittelklasse-Auto und die Entwicklung der für den Bau des Fahrzeugs nötigen Zulieferstruktur. Das Investitionsvolumen beträgt über eine Milliarde Euro. "Wir sind Freunde", sagte der GAZ-Chef über AvtoVaz. So wolle man etwa bei Autokomponenten zusammenarbeiten.

Die größten Marktchancen sieht Eberhardson, der seit zwei Jahren für GAZ arbeitet und vorher zehn Jahre für Volvo tätig war, für Autos der D- und E-Klasse. In diesen Segmenten gebe es bisher noch wenig internationale Konkurrenz. Das könne GAZ in Russland mit einem guten Händler-Netzwerk punkten. "Russland muss seine alte Autoproduktion ersetzen", sagte der Schwede. Dabei sei es keine taugliche Zukunftsstrategie, Billigautos zu exportieren, "denn es gibt immer andere, die noch billiger sind". Qualität sei das einzige gute Verkaufsargument. "Ich erwarte, dass wir in fünf Jahren für den Weltmarkt reif sein werden."

Mit AVL List haben die Russen einen Rahmenvertrag über die Entwicklung von Dieselmotoren und die Fertigstellung eines Motorenwerks in Russland unterzeichnet. Die GAZ-Gruppe will in der zweiten Jahreshälfte 2009 in Jaroslawl mit der Serienproduktion eines neuen Dieselmotors beginnen - die Jahreskapazität soll bei 110.000 Motoren liegen. Das Gesamtvolumen des Projekts beträgt über 200 Mio. Euro, AVL werde für sei Know-How rund 10 Mio. Euro erhalten, sagte Eberhardson.

GAZ und der Autozulieferer RM Systems gehören zur Holdinggesellschaft Russian Machines des Mischkonzerns Basic Element von Oleg Deripaska. GAZ erzeugt Lkw, Busse, Baumaschinen und Personenautos. 2006 erzielte die GAZ-Gruppe einen Umsatz von 4,5 Mrd. Dollar (3,34 Mrd. Euro). (APA)

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    Wladimir Putin unterwegs

  • Wladimir Putin und US-Präsident George W. Bush in einem Wolga.
    foto: retuers/lamarque

    Wladimir Putin und US-Präsident George W. Bush in einem Wolga.

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    Bei Putin und Bush dürfte die Fahrt mit dem Wolga für Heiterkeit gesorgt haben.

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