Radikaler Siemens-Umbau geht weiter

1. Juli 2007, 18:52
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Auch die neue Siemens-Führung setzt auf die umstrittene Abspaltung von Unternehmensteilen - VDO-Verkauf möglich

München/Hannover - Auch die neue Siemens-Führung setzt auf die umstrittene Abspaltung von Unternehmensteilen. "Es besteht Einigkeit im Vorstand über das, was Kerngeschäft ist, und auch darüber, dass es Randaktivitäten geben wird, die nicht unbedingt auf Dauer zu Siemens gehören müssen", sagte Aufsichtsratschef Gerhard Cromme der "Süddeutschen Zeitung" (SZ/Samstag). Beim Autozulieferer VDO habe weiterhin ein Börsengang Priorität. "Aber wenn jemand viel Geld auf den Tisch legt, um die Sparte zu kaufen, werden wir so ein Angebot natürlich prüfen."

Der Reifenspezialist Continental ist laut Branchenkreisen weiterhin bereit, zehn Milliarden Euro für VDO auf den Tisch zu legen. Das Geld könnte Siemens möglicherweise gut gebrauchen: Der Konzern stellt sich wegen der Schmiergeldaffäre auf eine harte Bestrafung durch die US-Börsenaufsicht SEC ein.

Cromme betonte zwar: "Siemens wird nicht zerschlagen." Er ließ aber keinen Zweifel daran, dass der Konzern auch unter dem neuen Vorstandschef Peter Löscher weiter umgebaut wird. Der bisherige Merck-Manager tritt am 1. Juli die Nachfolge von Klaus Kleinfeld an. "Danach ziehe ich mich zurück und werde nur noch bei Bedarf in München erscheinen", sagte Cromme, der zuletzt eine dominierende Rolle angesichts des Führungschaos bei dem Traditionskonzern gespielt hatte. Der Aufsichtsratsvorsitzende übte harte Kritik an Teilen der Siemens-Führung. "Bei einigen Topmanagern kommen einem schon Zweifel, ob sie ihrer Führungsverantwortung gerecht geworden sind", sagte er dem "Spiegel".

Gefahr droht aus den USA

Gefahr droht Siemens in der Schmiergeldaffäre vor allem aus den USA. "Es wir eine beachtliche Strafe der SEC auf Siemens zukommen", sagte Cromme der SZ. Schlimmstenfalls könnten Sanktionen dazu kommen, beispielsweise der Ausschluss von bestimmten Aufträgen. "Wir werden durch ein besonders korrektes Verhalten beweisen, dass wir zu neuen Ufern aufbrechen."

Spannend bleibt die Zukunft von VDO. "Der VDO-Börsengang wird vorbereitet, daran halten wir fest", sagte Cromme. Allerdings stellt Continental einen zweistelligen Milliardenbetrag in Aussicht. "Die Zahl liegt eher bei zehn als bei elf Milliarden, schon gar nicht über elf Milliarden", hieß es zum möglichen Kaufpreis in Branchenkreisen. Dieser Betrag stehe allerdings unter Vorbehalt, da Siemens bislang keinen Einblick in die Bücher gewährt habe. Insofern sei es für Conti schwierig auszuloten, wo die Schmerzgrenze liege.

Siemens-Finanzvorstand Joe Kaeser hatte Mitte Mai erklärt, noch kein überzeugendes, wettbewerbsfähiges Übernahme-Angebot von Conti für den Siemens-Autozulieferer bekommen zu haben. Laut Branchenkreisen stand der mögliche Kaufpreis von gut zehn Milliarden Euro zu diesem Zeitpunkt aber bereits im Raum. "Da wird versucht, den Preis zu treiben", sagte ein Branchenkenner. (APA/dpa)

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