Musikindustrie geht auf Internetradios zu

11. Jänner 2008, 18:12
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Kleine Webcaster sollen geringere Lizenzgebühren bezahlen

Die US-Musikindustrie will einen Schritt auf Onlineradio-Betreiber zugehen und denkt über niedrigere Lizenzgebühren für kleine Webcaster nach. Weil sich immer mehr Internetradios über die zunehmend hohen Preise für Musikrechte beklagt hatten, will die Non-Profit-Gruppe SoundExchange, die die Gebühren im Interesse hunderter Labels einsammelt, kleineren Internetradios nun einen Teil an den Kosten ersparen. De facto würden die Preise für Lizenzgebühren, die im Jahr 2002 unter dem Gesetz "Small Webcast Settlement Act" festgelegt wurden, künftig auf selbem Niveau gehalten und nicht stetig erhöht. "Kleine Webcaster hätten die Garantie, dass die Lizenzgebühren bis mindestens 2010 nicht angehoben werden", erklärt Michael Huppe, General Counsal SoundExchange, in einer Mitteilung.

Friedensangebot

Das Vorhaben scheint eine Art Friedensangebot seitens der Musikindustrie an die Internetradios zu sein. Dennoch ruft es bereits vor der Umsetzung auch Kritiker auf den Plan und wurde hierzulande offenbar noch gar nicht registriert. "Soweit ich weiß, wird überlegt, die Gebühren generell anzuheben. Das würde das Sterben vieler Webradios bedeuten, was die Medienvielfalt einschränkt und den großen Labels zugute kommt, die von großen Webradios gespielt werden", sagt Georg Hitzenberger, Pressesprecher des österreichischen Onlineradios Play.FM. Doch auch, wenn kleine Webcaster - wobei eine Definition für klein noch fehlt - künftig weniger bezahlen müssen, könnte dies negative Folgen nach sich ziehen, meint beispielsweise die Webcaster-Vereinigung SaveNetRadio. Die Idee, jenen Privilegien zuteil kommen zu lassen, die ihre Umsätze niedrig halten, würde das Wachstum kleiner Unternehmen bremsen, so die Befürchtung. Außerdem könne es passieren, dass unter den gängigen Rundfunkstandards auch die großen Webradios am Ende als "klein" gelten.

Problem

"Wenn ein Unternehmen deutlichen Erfolg hat und sich der Aufwand im Vergleich zu den Kosten auch rechnet, wird es kaum freiwillig klein bleiben", meint Hitzenberger, weist aber auf ein anderes grundsätzliches Problem hin: "Das Absurde ist, dass es unwahrscheinlich ist, dass die Artists und Labels, für die die Internetradios Musikgebühren zahlen, kaum je etwas von dem Geld bekommen, weil der administrative Aufwand, diese Mini-Beiträge zu verteilen, viel zu groß ist für die Verwertungsgesellschaften." Außerdem sei es unverständlich, warum die Gebühren für Webradios pro Zuhörer höher sein sollen als für Frequenzradios.

Richtlinie

Die Überlegung der geringeren Lizenzgebühren für kleine Webcaster folgt einer neuen US-Copyright-Richtlinie, die ab 15. Juli in Kraft treten wird, wonach pro Song 0,08 Cent bezahlt werden müssen - allerdings werden sich die Preise jährlich bis 2010 um 30 Prozent erhöhen und letztlich 0,19 Cent ausmachen werden. Diese stetige Gebührenerhöhung soll nach Überlegung von SoundExchange eben den kleinen Internetradios erspart bleiben. Zwar ist die Musikindustrie der Meinung, die Zahlungen seien ohnehin bescheiden, doch Gegner befürchten, dass 300- bis 1.200-prozentige Preissteigerungen zum Sterben vieler Webcaster führen würden.

Verträge

Play.FM hat Verträge mit drei verschiedenen Verwertungsgesellschaften. "Wir können Pauschalvereinbarungen aushandeln, wie dies auch in Clubs üblich ist", erklärt Hitzenberger. Finanziert werde die Online-Audio-Datenbank in erster Linie über Förderungen, Werbung und eine Art Selbstbesteuerung der Radiosendungsmacher. "Für die User sind alle Angebote gratis", so Hitzenberger.(pte)

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