Hintergrund: Das "Russendenkmal"

27. Juli 2007, 15:00
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Das Monument mit dem Sowjetsoldaten wurde 1945 als Zeichen der Befreiung errichtet

Wien - Wladimir Putin hat am Donnerstag vor den 15 Tonnen Bronze und 300 Kubikmeter Marmor am Wiener Schwarzenbergplatz einen Kranz niedergelegt. Das Denkmal wurde noch vor der Eroberung Wiens - bei der rund 17.000 sowjetische Soldaten fielen - im Februar 1945 geplant und bereits am 19. August unter Mitwirkung von Karl Renner, Leopold Figl und Theodor Körner enthüllt. Der Schwarzenbergplatz hieß da schon Stalinplatz, und sowohl das KP-Gebäude als auch das Zentralgebäude der Alliierten befanden sich in Sichtnähe.

Während das Berliner Sowjetdenkmal den Sieg über die Nazis demonstrieren soll, werden in Wien die Rotarmisten selbst angesprochen. "Es ist defensiver, eher ein Selbstbeweihräucherungsdenkmal", meint der Herausgeber des Buches "Das Wiener Russendenkmal", Matthias Marschik. Die Inschrift auf der Kolonnade: ""Ewiger Ruhm den Helden der Roten Armee, gefallen im Kampf gegen die deutsch-faschistischen Landräuber für die Freiheit und Unabhängigkeit der Völker Europas" wurde erst Anfang der 1980er ins Deutsche übersetzt auf den Sockel geschrieben.

"Die Wiener taten sich schwer, es als Befreiungsdenkmal zu sehen", sagt der Kulturwissenschafter Erich Klein. Nicht nur die FPÖ wollte es wegräumen, auch Karl Schwarzenberg forderte einen freien Blick auf das Palais Schwarzenberg. Das erste Denkmal, das überhaupt von der Roten Armee errichtet wurde, ist allerdings durch den Staatsvertrag geschützt. Die Wiener gaben dem 12 Meter hohen Rotarmisten mit goldenem Helm, weil Stalin ihnen ihm Mai 1945 1000 Tonnen Erbsen spendete, den Namen "Erbsenprinz". Andere nannten das Monument weniger charmant "Denkmal des unbekannten Plünderers". Bis zum Jahr 1956 stand nicht nur ein Sowjetpanzer vor dem Denkmal, auch Gräber von Sowjetsoldaten befanden sich dort.

In Moskau gilt die Befreiung Wiens als einer der größten militärischen Siege. 2005 wurde eine Sondermarke mit dem Denkmal herausgegeben. (Adelheid Wölfl, DER STANDARD, Printausgabe, 24.5.2007)

  • Theodor Körner bei einer Gedenkfeier vor dem Russendenkmal im Jahr 1947. Der Hochstrahlbrunnen befand sich schon vor Errichtung des Denkmals am Schwarzenbergplatz.
    foto: das rote wien

    Theodor Körner bei einer Gedenkfeier vor dem Russendenkmal im Jahr 1947. Der Hochstrahlbrunnen befand sich schon vor Errichtung des Denkmals am Schwarzenbergplatz.

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    Der Bildhauer Michail Intisarjan mit dem Model und dem Entwurf des Rotarmisten, der mangels anderer Materialien aus Brot geformt worden sein soll. Hergestellt wurde das Russendenkmal in den Wiener Sascha-Filmstudios.

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