3000 km mit einem Liter Benzin

6. Juni 2007, 16:09
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Seit 23 Jahren treffen sich Techniker zu einem Wettkampf der besonderen Art. Sieger ist, wer mit einem Liter Sprit am weitesten kommt. Heuer waren es fast 3000 Kilometer

Wien – Sparsamkeit hat ihren Preis. Nicht schneller als 60 km/h gehen die ultraleichten Vehikel, die sich alljährlich im Süden Frankreichs zum Wettkampf treffen. Shell Eco-Marathon heißt der Bewerb. Sieger ist, wer mit einem Liter Kraftstoff auf einem Rundkurs am weitesten kommt. Gewinner war heuer ein Team aus Frankreich, das knapp 3000 km schaffte.

Für Ernst Pucher vom Institut für Verbrennungskraftmaschinen und Kraftfahrzeugbau der TU Wien sind die von Studenten gefertigten fahrbaren Untersätze nicht nur technische Spielereien. "Der Bewerb zeigt, was jetzt schon möglich ist; das gibt auch Impulse für den Bau von Serienautos", sagte Pucher dem STANDARD.

Pucher war als Beobachter beim Wettbewerb dabei, der heuer zum 23. Mal ausgetragen wurde. Er wüsste schon, wo den Hebel ansetzen: "Es geht um die Überwindung des Fahrwiderstands. Ich muss Gewicht reduzieren, dem Fahrtwind möglichst wenig Angriffsfläche bieten und durch entsprechende Bereifung den Rollwiderstand minimieren." Der Kraftstoff der Zukunft steht für Pucher ebenfalls außer Frage: Wasserstoff. Abgesehen davon, dass mit Wasserstoff betriebene Motoren weder CO2 noch Stickoxid und auch keine Rußpartikel emittieren, habe der Zukunftskraftstoff auch den Vorteil, dass er aus unterschiedlichen Quellen hergestellt werden könne. So gebe es beispielsweise Überlegungen, Überschussenergie von großen Offshore-Windparks in Form von Wasserstoff lagerfähig zu machen. "Wir stehen erst am Anfang der Entwicklung", sagte Pucher.

Mit Wasserstoff betriebene Fahrzeuge waren auch beim Shell Eco-Marathon dabei. Der Kreativität der angehenden Techniker und Entwickler waren fast keine Grenzen gesetzt: Ob Verbrennungsmotor, Benzin oder Diesel, Flüssiggas oder alternative Konzepte wie Wasserstoff, alle Fahrzeuge mussten auf der Teststrecke von Nogaro bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 30 km/h ihre Runden drehen.

Mit einem herkömmlichen Auto haben die Boliden wenig gemein. Die Piloten liegen meist ganz flach und nur wenige Zentimeter über der Straße in einer dürren Zigarre, die oft nur drei dünne Rädchen hat.

Keiner der Teilnehmer muss tatsächlich so lange auf die Strecke, bis die Energie von einem Liter Benzin verbraucht ist. Ermittelt wird die Reichweite in einem knapp einstündigen Lauf, dessen Ergebnisse die Juroren dann hochrechnen. (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.05.2007)

  • Gewichtsreduktion ist (fast) alles, wenn man mit einem Liter Sprit möglichst weit kommen will.
    foto: standard/reck/shell

    Gewichtsreduktion ist (fast) alles, wenn man mit einem Liter Sprit möglichst weit kommen will.

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