"Wir sehen uns nicht auf Verliererseite"

26. Juni 2007, 13:17
9 Postings

Der Vorstandschef der Grazer Wechselseitigen, Othmar Ederer, erklärt im STANDARD-Interview seine Gründe für den Verkauf des Hypo-Pakets an Investor Tilo Berlin

Der Vorstandschef der Grazer Wechselseitigen (Grawe), Othmar Ederer, erklärt seine Gründe für den Verkauf des Hypo-Pakets an Investor Tilo Berlin. Wann die Bayern ins Spiel kamen, und warum Berlin und nicht die Grawe abkassierte, erfragte Renate Graber.

***

STANDARD: Die Grawe hat 15 Prozent ihrer Hypo-Anteile an die Gruppe Berlin abgegeben, die hat sie an die Bayerische Landesbank verkauft und kräftig verdient. Ist die Grawe der Verlierer beim Hypo-Deal?

Ederer: Nein, wir sehen uns absolut nicht auf der Verliererseite. Wir sind mit dieser Lösung sehr einverstanden. Wir waren auch vom ersten Tag an in die Verhandlungen an eingebunden.

STANDARD: Wann war das?

Ederer: Anfang dieses Jahres.

STANDARD: Hätten Sie direkt an die Bayern verkauft, hätten Sie viel mehr erlöst. Warum haben Sie das nicht getan?

Ederer: Wir haben uns im Jahr 2006, als weit und breit noch nichts von der Bayern LB zu sehen war, entschieden, dass wir eine Kapitalaufstockung brauchen – und zwar vom Kapitalmarkt, nicht von den Aktionären, weil wir es für wesentlich halten, dass private Investoren wie wir die Mehrheit an der Bank haben. Das war das Vordringlichste 2006, und das ist uns durch die Hereinnahme von Berlin und Co. gelungen. Mit ihm haben wir diese Bank einem deutlich breiteren Publikum, vor allen in Deutschland, präsenter gemacht. Es gab auch andere Interessenten, aber Berlins Investorengruppe hat uns erstens das beste Angebot gelegt und zweitens das stimmigste.

STANDARD: Hypo-Präsident Wolfgang Kulterer hat ab dem Rausfall der Bayern aus dem Rennen um die Bawag im Dezember 2006 mit der Bayern LB zu reden begonnen. Wie war der Zeitablauf genau?

Ederer: Mitte 2006 wurde die Kapitalerhöhung von 250 Mio. Euro beschlossen, durchgeführt wurde sie in zwei Tranchen à 125 Millionen, Mitte Dezember 2006 und Ende Februar. Und die Grawe hat 15 Prozent abgegeben und die Mitarbeiterstiftung ein Prozent ihrer Anteile, damit Berlin vereinbarungsgemäß die Sperrminorität erreicht.

STANDARD: Wann war das?

Ederer: Berlin hatte den Zugriff auf diese Aktien mit der Unterschrift unter den Kaufvertrag, Ende Dezember 2006.

STANDARD: Da wurde schon mit den Bayern gesprochen.

Ederer: 2006 gab es absolut keine Verhandlungen mit den Bayern. Reden kann man viel, verhandelt haben wir ab Ende Jänner.

STANDARD:Wie viel haben Sie für Ihr Paket bekommen?

Ederer: Wir haben Vertraulichkeit vereinbart.

STANDARD: Berlin hat wenig riskiert und am Weiterverkauf kräftig verdient.

Ederer: Es ist richtig: Berlin bekommt von den Bayern mehr als wir von ihm bekommen haben. Er hat dieses Plus als Wertschöpfung für sein Investment bekommen. Dafür hat er jetzt keine Sperrminorität mehr, aber wir haben eine. Und das Land hat keine Sperrminorität mehr, wir schon.

STANDARD: Welche "deutschen und österreichischen Familien" stehen hinter Berlin?

Ederer: Ich darf das nicht sagen. Wir waren aber mit den Investoren voll einverstanden.

STANDARD: Ich verstehe nicht, warum Sie nicht zugewartet und bei einem Verkauf an die Bayern mehr abkassiert haben.

Ederer: Noch mal: Wir haben uns Ende 2006 entschieden, das zu tun und die Verträge Anfang 2007 umgesetzt. Da hatten wir noch ganz klar den Fokus in Richtung Börsegang.

STANDARD: Der war doch völlig unwahrscheinlich: Vorortprüfung, Voruntersuchung...

Ederer: Aus meiner Sicht war der Börsegang ganz und gar nicht unwahrscheinlich, ich hielt ihn 2008 für möglich.

STANDARD: 2001 wollte die Banca di Roma, an der Libyen beteiligt ist, die Hypo kaufen. Sie hätten sich quergelegt, heißt es.

Ederer: Das stimmt so nicht, es war eine andere ausländische Bank.

STANDARD: Welche?

Ederer: Ich unterliege der Verschwiegenheitspflicht. Wobei die Summen, um die es ging, um Dimensionen von den heutigen entfernt waren. Die völlige Übernahme war schon damals kein Thema für uns. Unsere jetzige Position mit 26,45 Prozent ist ein klares Signal, dass wir an langfristigem Investment interessiert sind. Das ist uns wichtiger als ein allfälliger kurzfristiger Tageserfolg. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.05.2007)

Zur Person
Othmar Ederer, 56, ist seit 2000 Chef der Grawe. Der Wirtschaftswissenschafter ist Grazer Universitätsrat.
  • Grawe-Chef Othmar Ederer: "Die Interessenbekundung der Erste Bank war für uns mangels wirklichen Gehalts nicht ernsthaft in Erwägung zu ziehen."
    foto: standard/christian fischer

    Grawe-Chef Othmar Ederer: "Die Interessenbekundung der Erste Bank war für uns mangels wirklichen Gehalts nicht ernsthaft in Erwägung zu ziehen."

Share if you care.