...und irgendwann macht's puff

9. Juni 2007, 11:04
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Der anhaltende Immobilienboom macht blind und lässt viele Aktionäre in die Ostfantasie investieren - Von Gerhard Rodler

Für eine kurze Sekunde blitzte in den Augen von Conwert-Vorstand Johann Kowar so etwas wie unbändige Freude auf. Am Potsdamer Kirchsteigfeld, einen Steinwurf von Berlin entfernt, hat er für gerade mal 1.300 Euro pro Quadratmeter eine riesige, luxuriös gebaute Wohnanlage gekauft. Angesichts von Baukosten in der Höhe von sage und schreibe 3.000 Euro und einer derzeitigen Rendite von etwa acht Prozent ein Schnäppchen.

Wie das? Jahrelang hatte die Conwert-Aktie als hässliches Entlein am Wiener Kurszettel gegolten. Denn das radikale Geschäftsmodell, demnach man ausschließlich in Wohnimmobilien investiert, versprach nicht unbedingt brüllende Renditen. Jetzt, wo es erste Anzeichen gibt, dass sich der internationale Immobilien-Hype wieder abkühlt, können sich die Aktionäre eines Conwert-Papiers in der Tat glücklich schätzen. Sie kommen - dank des nach wie vor attraktiven deutschen Wohnimmobilienmarkts - ebenfalls auf anständige Renditen und haben noch dazu keinen größeren Werteverfall zu befürchten.

Anlagen wie diese sind der Inbegriff dessen, was sich Anleger unter einem Immobilieninvestment erwarten dürfen. Es ist wie zu Zeiten vor dem Boom: nicht gerade brüllende Renditen, aber dafür eine relativ große Sicherheit.

Praktisch am selben Tag als Conwert den Deal präsentierte, wagte sich auch Meinl European Land neuerlich vor den Vorhang. Angekündigt wurden gleich mehrere Shoppingcenter mit jeweils hunderttausenden Quadratmetern - irgendwo im Osten und mit guten, ach was, tollen Renditen.

Während Conwert seine Immobilien also bereitwillig - und mit sichtlichem Stolz - vorführt, investieren Anleger bei Meinl European Land unverbesserlicherweise in die Ostfantasie. Weit weg von Österreich, irgendwo in Nowosibirsk oder in sonst einem Russland. Die Frage, wer die Umsätze für die vielen neuen und teuren Shoppingcenterflächen überhaupt aufbringen soll, bleibt vorerst offen. Denn die superreichen Russen pfeifen auf die russische Shoppingcity. Und die breite Bevölkerung kauft sich erst einmal Brot - und erst dann internationale Markenartikel.

Will sagen: Das Geschäftsmodell funktioniert blendend. Allerdings nur, solange die Immobilienbranche weiter boomt. Mal sehen, welche Aktionäre in ein paar Jahren mehr zu lachen haben. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19./20.5.2007)

  • Gerhard Rodler, Immobilien- Fachjournalist.

    Gerhard Rodler, Immobilien- Fachjournalist.

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