Lückenhafte Erinnerungen - mit Video

20. Juni 2007, 10:52
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Helmut Elsner und Johann Zwettler haben ausgesagt. Elsner wurde von seinem Anwalt und einem Arzt begleitet. Für alle Fälle stand sogar ein Defibrillator im Parlament bereit

Wien - Der ehemalige Bawag-Generaldirektor Helmut Elsner ist am Mittwoch erneut vor dem Banken-Ausschuss erschienen. Damit sich Elsner nicht auf seine im Dienstvertrag festgeschriebene Verschwiegenheit berufen kann, wurde er von Bawag-Chef Ewald Nowotny von dieser Verschwiegenheit enthoben.

Die Hoffnung, dass Elsner deshalb detaillierter über die Vorgänge in der Bawag Auskunft geben würde, erfüllte sich nicht. Elsners Aussagen waren von Erinnerunglücken geprägt, die seit seiner Herzoperation immer wieder auftreten, wie Elsner erklärte.

Prüfbericht Von den Abgeordneten wurde der ehemalige Bank-Chef erneut zum kritischen Notenbankbericht aus dem Jahr 2001 befragt. Den Bericht habe er sicher gelesen, sagte Elsner: "Ein Schriftstück mit dieser Bedeutung habe ich sicher nicht liegen lassen." An Details konnte sich Elsner aber nicht mehr erinnern.

Der seit 2003 pensionierte Bank-Direktor erklärte erneut, wegen des Prüfberichts nicht bei Notenbankgouverneurin Getrude Tumpel-Gugerell interveniert zu haben. "Das ist absolut unrichtig", so Elsner. Sein Verhältnis zur Finanzmarktaufsicht beschrieb Elsner als "spannungsfrei". Die Prüfer machten einen kompetenten Eindruck, er habe ihnen immer Arbeitsmöglichkeiten zur Verfügung gestellt.

Nicht erklären konnte sich Elsner eine Zahlung des Investmentbankers und Mitangeklagten im Bawag-Prozess, Wolfgang Flöttl, an Ex-Bundeskanzler Franz Vranitzky (S) in Höhe von rund einer Million Schilling. Davon habe er erst 2006 aus der Zeitung erfahren, sagte Elsner. Flöttl gab in einem Interview jedoch an, die Überweisung sei 1999 "ein Auftrag" von Elsner gewesen. Vranitzky, der ebenfalls vor den Ausschuss geladen war, konnte nicht Stellung nehmen, seine Anhörung wurde verschoben. Flöttl wird am Freitag aussagen.

Bei der Befragung durch den grünen Abgeordneten Werner Kogler verteidigte Elsner das Bawag-Engagement beim Casino in Jericho, an dem sich die Bawag "aus Diversifikationsgründen" beteiligt hatte. Bei einer Besichtigung sei das Casino "bummvoll" gewesen. Jericho sei nach Angaben der Casinos Austria das ertragreichste Casino der Welt gewesen. "Sollte dort wieder Ruhe einkehren, wird es durchgeputzt und in vier, fünf Tagen wieder eröffnet", gab sich Elsner optimistisch. Das Casino Jericho kam im Jahr 2000 unter Beschuss und ist seitdem geschlossen.

Nach knapp drei Stunden wurde die Befragung abgebrochen. Vermutlich am 30. Mai wird Elsner erneut vor den Ausschuss gebeten.

"Kein Haberer" Johann Zwettler hat sich in seiner Befragung von Helmut Elsner, von dem er 2003 den Chefsessel übernahm, distanziert. "Ich war kein Haberer (guter Freund, Anm.) von Elsner", sagte Zwettler.

Warum die Bawag die Karibik-Geschäfte mit Flöttl 1994 nach der öffentlichen Kritik zwar beendet, diese aber 1995 wieder aufgenommen hat, erklärte Zwettler mit dem Wunsch Elsners nach den daraus erhofften Gewinnen. Als die hohen Karibik-Verluste Ende 2000 im Bawag-Vorstand bekannt wurden, habe man im Vorstand über die weitere Vorgangsweise intensiv beraten. Die Bawag-Bilanz 2000 wäre ohne die Garantie des damaligen Eigentümers ÖGB vom Wirtschaftsprüfer nicht testiert worden, zeigte sich Zwettler überzeugt.

Der Vorstand habe auch gemeinsam beschlossen, die - später viel kritisierten - Stiftungen einzurichten. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.05.2007)

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  • In legerer Kleidung und streng bewacht erschien Ex-Bawag-Chef Helmut Elsner vor dem Banken- Ausschuss.
    foto: standard/andy urban

    In legerer Kleidung und streng bewacht erschien Ex-Bawag-Chef Helmut Elsner vor dem Banken- Ausschuss.

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