
Der Schriftsteller Gerhard Roth.
Fotos rechts: Flüchtlingslager Deutschfeistritz. Die Kinder der Flüchtlinge sind, was die Integration betrifft, das größere Problem. Die Gesellschaft zeigt ihnen die kalte Schulter.
Der Verwaltungsgerichtshofpräsident Clemens Jabloner sage zum Dublinabkommen, zitiert Chalupka, es sei unrecht. Man könne nicht jemanden einsperren, um festzustellen, welcher Staat für ihn zuständig sei. Wenn man ein Asylverfahren nach sechs Jahren nicht abschließen könne, ergänzt Herr Chalupka, müsse man die Antragsteller automatisch legalisieren. Er betont auch die Vorzüge der NGOs wie Caritas und Diakonie gegenüber European Homecare in der Flüchtlingsbetreuung: Ihre Mitarbeiter müssten mit dem Gewissen vereinbaren können, wenn sie jemanden zurückschickten. Das könne nur in der Überzeugung geschehen, dass die Betreffenden keinen Schaden erlitten.
Im ehemaligen Gästehaus der Diakonie im steirischen Deutschfeistritz, das von der evangelischen Kirche 1956 als Landschulheim für Mädchen erbaut wurde, leben 69 Flüchtlinge: 60 Tschetschenen, sechs Georgier und drei Armenier in 36 Zimmern mit Fernsehapparaten. Die Anlage ist zwölf Gehminuten vom Ort entfernt. Die Eltern der untergebrachten Familien sind 20 bis 40 Jahre alt und haben zwei bis drei Kinder. Es gibt unter ihnen eine Lehrerin, Handwerker und Männer, die Bauern waren, aber keine berufliche Ausbildung genossen haben. Die jungen Frauen würden, sagt man mir, von den Familien verheiratet, es habe sogar schon eine Hochzeit im "Lager" gegeben. Zuerst würde ein Treffen "unter Beobachtung" vereinbart. Anschließend würde die 16- bis 17-jährige Braut gefragt, ob sie den Mann "möchte". Sei das nicht der Fall, würde sie so lange weinen, bis man ihre Entscheidung akzeptiere oder sie sich füge. Der junge Mann könne sich, wenn er die Frau nicht wolle, nur wie "ein Idiot" verhalten, um sie abzuschrecken.
Die wichtigsten Informationen erhalte ich gleich zu Beginn: Am Tag sind für die Flüchtlinge drei Mitarbeiter ansprechbar, in der Nacht, an Wochenenden und Feiertagen einer. Es gibt ärztliche Betreuung durch einen Doktor im Ort, bei Bedarf mache auch ein Psychiater eine Visite. In den letzten zwei Jahren kamen im Landeskrankenhaus Graz sieben Kinder von Flüchtlingen aus dem Lager zur Welt. Den Hausputz führe jeweils eine Frau für 15 Euro pro Woche durch, einmal, am Sonntag, erfolge ein Generalputz, der aber nur von Frauen durchgeführt werde. Alle Nahrungsmittel würden von den Familien selbst eingekauft, 110 Euro pro Monat und Person stünden dafür zur Verfügung. Den Weg in das Dorf hin mit leeren und zurück mit vollen Taschen machten allerdings nur die Frauen.
Lesen Sie weiter: Manche Flüchtlingsfamilien warten schon seit Öffnung des Quartiers vor drei Jahren, einzelne mehr als vier Jahre auf den Asylbescheid.
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Ins Ungewisse - Teil I
Ist es ein Wunder, dass Menschen ohne Zukunft das Weite suchen? - Schriftsteller Gerhard Roth besuchte Flüchtlingslager
Ins Ungewisse - Teil II
Schriftsteller Gerhard Roth hat mehrmals das Flüchtlingslager Traiskirchen besucht
Zumindest einmal ein etwas differenzierterer Blick auf das Asylwesen in Österreich, obgleich sich der Autor aus "Anständigkeit" so manchen ungehörigen Gedanken verkneift. Die politically Correctness lastet auf den Gemütern und kastriert intellektuelle Potenziale.
Systemimmanenter Rassismus einer Gesellschaft, die erst nach 60 Jahren dazu faehig ist, ihre durch Verbrechen erbeuteten Gegenstaende, euphemistisch als Restitution bezeichnet, ohne zusaetzliche Entschaedigung, zurueckzugeben. Der Druck der dazu auf die Beamtenschaft und die Politik ausgeuebt werden muss, damit sich dort Menschlichkeit manifestieren kann, laesst darauf schliessen, wieso mit Auslaendern und Asylanten so umgegangen wird. Der Rassismus und die damit verbundene Menschenverachtung, hat hier schon vor den Nazis existiert und bildete den Naehrboden fuer die Nazis. Leider ist dieser Naehrboden nach den Nazis nicht verschwunden.
Restitution an Juden, das ist für Österreich nach wie vor ein Thema. Bosnien, könnte man meinen, hat auch was mit Österreich zu tun - schließlich waren die Balkangreuel eine Folge des Zerfall Yugoslawiens, und der wurde massiv von Alois Mock & der ÖVP, der Kronen Zeitung etc. propagiert, bis Genscher und Kohl aufwachten, Kroatien raushievten, und damit die Serben in die Paranoia trieb.
Gut und schön. Aber auch die Chinesin kann Österreich nie und nimmer wegen Restitution belangen.
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