Nicht Linux, sondern Google ist der gefährlichster Konkurrent von Microsoft

7. Jänner 2008, 14:24
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Das Google-Microsoft-Match - Werbegeld statt Lizenzgebühren bedroht profitables Windows-Office-Duopol

Vor ein paar Jahren, als Linux als mehr oder weniger kostenlose Alternative zu Windows bei öffentlichen Stellen und Firmen an Boden gewann, gab Microsoft Österreich Chef Herbert Schweiger, eine überraschende Antwort auf die Frage, wer Microsofts gefährlichster Konkurrent sei: „Google.“ Damals war Google „nur“ eine werbefinanzierte Suchmaschine, während Microsoft mit seinem Windows-Office-Duopol satte Gewinne mit Lizenzgebühren machte (was noch immer der Fall ist).

Weitsichtig

Schweigers Antwort war weitsichtig, und wie das Match verläuft, lässt sich an den Akquisitionen beider Unternehmen in den letzten Wochen verfolgen: Zuerst stach Google Microsoft mit dem 3,1-Mrd.-Dollar-Kauf des Onlinewerbemittlers DoubleClick aus – vergangenen Freitag gab Microsoft bekannt, dass es um sechs Mrd. Dollar den wenig bekannten Online-Werbespezialist aQuantive erwirbt. Und gestern, Montag, berichtete das Wall Street Journal, dass Google und Salesforce.com, ein Pionier bei Online-Software, über eine Kooperation verhandeln.

Neue Spielregeln

Die Entwicklung der Onlinewelt ändert die Spielregeln, die über weite Strecken der vergangenen 20 Jahre von Microsoft definiert wurden: Ständig aufwändigere Programme, die ständig leistungsfähigere Maschinen erfordern; sowohl Microsoft wie Prozessor- und PC-Hersteller leben von den raschen Ersatzzyklen. Aber Breitband-Internet, das sich mit Mobilfunk und Wifi (Wireless LAN) von den Fesseln einer Leitung befreit, ermöglicht die lange propagierte „IT aus der Steckdose“ für jeden User.

Abruf in der Internetwolke

Programme „residieren“ nicht mehr am PC und werden vom Benutzer teuer erworben (das Microsoft-Modell), sondern existieren auf Abruf in der Internetwolke, ihre Benutzung wird durch Werbung finanziert, im Fall von Unternehmensanwendungen auch durch relativ kleine Lizenzgebühren (das Google-Modell). Online-Software hat nebst billigeren Kosten für den User einen weiteren Vorteil: Sie ist immer auf neuestem Stand, da Upgrades auf zentralen Servern und nicht auf den Millionen PCs der Benutzer erfolgt.

Viele Player wird es in diesem künftigen Online-Modell nicht geben: Denn sie erfordern die Investition in milliardenschwere Serverfarmen.

Zwickmühle

Microsoft bringt dies in eine doppelte Zwickmühle: Online-Anwendungen würden sein noch immer immens profitables Softwaregeschäft kannibalisieren, während ihm derzeit die Werbepotenz fehlt, um dies durch neue Einnahmen wettzumachen. Darum die aberwitzigen Übernahmeschlachten – der Preis für aQuantive liegt 85 Prozent über dem Kurswert. (Helmut Spudich, DER STANDARD Printausgabe 22. MAi 2007)

  • Microsoft Österreich Chef Herbert Schweiger
    foto :microsoft

    Microsoft Österreich Chef Herbert Schweiger

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