Körpergröße und sozialer Hintergrund: Europäer ziehen an Amerikanern vorbei

30. Mai 2007, 14:03
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Forscher: "Wir vermuten, dass die Gesundheitssysteme und die hohe soziale Sicherheit der Europäer günstigere Bedingungen für Heranwachsende schaffen"

München - Dank einer besseren sozialen Absicherung haben die Europäer die US-Amerikaner an Körpergröße überholt - so lautet das Fazit einer Studie von Wissenschaftern der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität und der amerikanischen Princeton-Universität, die erstmals statistische Daten über mehrere Jahrzehnte analysiert hatten.

Verhältnisse umgekehrt

"Seit der Kolonialzeit überragten die Amerikaner in Bezug auf Körpergröße die anderen Populationen und zwar sogar bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts", erklärte der Münchner Wirtschaftshistoriker John Komlos. "Mittlerweile aber sind sie kleiner als die meisten West- und Nordeuropäer, obwohl sie nach offiziellen Zahlen an Reichtum gewonnen haben", fügte der Professor hinzu.

Die europäischen Spitzenreiter hinsichtlich Körpergröße seien inzwischen die Niederländer, die im Schnitt sechs Zentimeter größer als der Durchschnitts-Amerikaner seien. Dies sei eine fast exakte Umkehrung der Verhältnisse zur Mitte des 19. Jahrhunderts, betonte Komlos.

Maximale Ausschöpfung des physischen Potenzials

Prinzipiell habe sich jedoch der bekannte Zusammenhang zwischen Einkommen und Körpergröße über die Jahrzehnte bestätigt: "Wer mehr verdient, versorgt in der Regel auch seine Kinder besser, die dann ihr physisches Potenzial maximal ausschöpfen können", erklärte Komlos. Vor allem die Lebensbedingungen während Kindheit und Jugend spiegelten sich später in der Körpergröße des Erwachsenen wider.

"Wir vermuten deshalb, dass die Gesundheitssysteme und die hohe soziale Sicherheit der Europäer günstigere Bedingungen für Heranwachsende schaffen als das amerikanische Gesundheitssystem, obwohl dieses die Bevölkerung doppelt so viel kostet", erklärte der Wirtschaftshistoriker. Hier spielten zudem vermutlich große soziale Unterschiede zwischen den amerikanischen Bevölkerungsschichten eine große Rolle für die im Schnitt gesunkene Körpergröße.

Soziale Diskrepanzen

"So leben etwa 15 Prozent der US-Population ohne medizinische Versorgung, medizinische Versicherung und deshalb mit mangelhafter Absicherung, während in weiten Teilen Europas ein Minimum an Schutz für die gesamte Bevölkerung garantiert ist", sagte der Professor.

In amerikanischen Städten gebe es außerdem bestimmte Viertel mit außerordentlich schlechten Lebensbedingungen, ohne ausreichende Hygiene oder medizinische Versorgung: "Vermutlich führen all diese und weitere Faktoren dazu, dass die USA als eines der reichsten Länder der Erde an Körpergröße und Lebenserwartung hinter anderen Industrienationen herhinkt und außerdem unter den reichen Ländern die höchste Säuglingssterblichkeit zu beklagen hat." (APA/AP)

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