"Ich wünsche mir mehr Zivilcourage der Nichtraucher"

27. Juni 2007, 09:31
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Eine Gruppe Studierender mobilisiert mit der Initiative "Rauchfrei studieren" gegen den blauen Dunst in Unis - aktuell mit der ÖH Wahl-Kandidatur und einem Nichtraucherschutz-Symposium

"Wir verlangen konsequente Kontrollen und hohe Strafen für RaucherInnen und Verantwortliche, die rauchen lassen", so Bernhard Herzog, der bei der ÖH Wahl für die Initiative "Rauchfrei studieren" antritt. Die unabhängige Jugendorganisation setzt sich für rauchfreie Studien-, Schul- und Arbeitsplätze eine. Mit Unterstützung der Help Kampagne der EU und anderen Organisationen wie Schifa lud sie zum Symposium "Rauchen: Ein vielschichtiges Problem"- derStandard.at war dabei.

Aufklärungskampagnen und Hilfe für RaucherInnen

Der Publizistikstudent wünscht sich außerdem Aufklärungskampagnen und Hilfe für RaucherInnen seitens der Universität: "Die Universität hat eigene Aktionen zum Rauchstopp leider abgelehnt und nicht als ihre Aufgabe angesehen, während das etwa in Deutschland selbstverständlich ist. Das 'Draußen ja, drinnen nein' suggeriert ja ein bisschen, dass man ruhig weiter rauchen soll, nur eben draußen."

Kritik übt "Rauchfrei studieren" vor allem an den verrauchten Mensen und Kantinen, da sie vom generellen Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden ausgenommen sind. Widerstand gegen Nichtraucherschutz entsteht durch die wirtschaftlichen Nachteile, die zu befürchten sind, wenn ein Rauchverbot nur für Gastronomiebetriebe innerhalb und nicht auch außerhalb der Universitäten gilt. Daher arbeitet "Rauchfrei studieren" mit Initiativen für Rauchverbote in der gesamten Gastronomie zusammen.

33.000 Unterschriften an Prammer überreicht

Fiona Salter-Townshend fordert ebenfalls härtere Maßnahmen: "Wir sehen die Bürgerinitiative als Möglichkeit unsere Stimme zu erheben und aufzuzeigen, dass viele Leute schon für ein generelles Rauchverbot bereit sind." Vergangenes Jahr gründete sie die "Bürgerinitiative für ein generelles Rauchverbot am Arbeitsplatz". Ein erster Erfolg sind 33.000 gesammelte Unterschriften für ein Rauchverbot in der Gastronomie und in öffentlich genutzten geschlossenen Räumen, die unlängst an Nationalratspräsidentin Barbara Prammer überreicht wurden.

Kunstprojekte der HAK Linz

Als weiteren Programmpunkt präsentiert Hannelore Mascher Fotos, Kollagen und Zigarettenschachtelaufdrucke, die SchülerInnen der HAK Linz entworfen haben. Seit Jahren führt sie mit ihren Klassen Projekte zum Thema Rauchen und Sucht durch. Die Bilder prägen sich rasch durch die plastische Darstellung der negativen Folgen von Tabakmißbrauch ein: Schlechte Zähne, unangenehmer Geruch, verklebte Lungen und Schädigung Unbeteiligter.

Islamische Texte verbieten anderen bewusst zu schaden

Einen anderen Zugang zum Thema bot der Vortrag "Rauchen aus islamischer Sicht" von Scheich Adnan Ibrahim. Er ist Dozent an der Islamischen Religionspädagogischen Akademie und Imam der Schura-Moschee. Bei seiner Argumentation dient ihm der Koran als erste Rechtsquelle. "Ihr sollt euch nicht selbst töten, steht im Koran", so Ibrahim. Weiters darf der Mensch, gemäß islamischen Texten, weder sich selbst noch anderen Schaden zufügen. Dazu zieht Ibrahim Sure 7, Vers 157 heran: "Er erlaubt ihnen die guten Dinge und verwehrt ihnen die schlechten."

Persönliche Freiheit endet dort, wo andere Schaden nehmen

"Common sense ist doch, dass die persönliche Freiheit dort endet, wo andere Schaden nehmen", meint auch Professor Hans Köchler, Vorstand des Instituts für Philosophie an der Universität Innsbruck. In seinem Vortrag mit dem Titel "Rauchen aus ethischer, rechtlicher und politischer Sicht" findet er noch schärfere Worte gegen das Rauchen: Verhalten, das direkt in eine Sucht mündet, könne niemals als Ausübung der persönlichen Freiheit angesehen werden.

Faule Kompromisse

Köchler ortet viele Versäumnisse auf Seiten des Staats. Denn bei Verletzung des Rauchverbots sind keine Sanktionen vorgesehen, nur die Kennzeichnungspflicht ist strafbar. Er bezeichnet das als typisch österreichischen Weg: "Immer faule Kompromisse und auf halbem Wege stehen bleiben." Daher appelliert er: "Ich wünsche mir mehr Zivilcourage der Nichtraucher, denn sonst erübrigt sich Demokratie, wenn wir nicht für unsere Positionen und Rechte einstehen."

Geschlechterspezifische Unterschiede

Laut Irmgard Homeier, von der lungeninternen Abteilung des Otto-Wagner-Spitals in Wien gibt es geschlechterspezifische Unterschiede im Rauchverhalten: "Männer rauchen eher aus geselligen Situationen heraus. Ein Drittel der Frauen raucht, um ihr Gewicht zu halten."

Professor Manfred Neuberger vom Institut für Umwelthygiene präsentiert in diesem Zusammenhang Studien, welche die schlankmachende Wirkung von Rauchen, auf einen längeren Zeitraum gesehen, widerlegen: Dass man während der Rauchentwöhnung häufig zunimmt, weiß fast jeder. Aber dass Teenager, die geraucht haben, später häufiger zu Bauchfett oder sogenannten Fettschürzen neigen, ist weniger bekannt. (Jus, derStandard.at, 23. Mai 2007)

  • SchülerInnen der HAK Linz beschreiben in Kunstprojekten die Folgen von Rauchen: Schlechte Zähne, unangenehmer Geruch, verklebte Lungen und Schädigung Unbeteiligter.
    foto: hak linz

    SchülerInnen der HAK Linz beschreiben in Kunstprojekten die Folgen von Rauchen: Schlechte Zähne, unangenehmer Geruch, verklebte Lungen und Schädigung Unbeteiligter.

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    foto: hak linz/ julia krentl und christoph mayr
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