Pedal und Pivo

10. Mai 2005, 22:16
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Mit dem Mountainbike auf Erkundungstour durch den (Inter)Nationalpark Thayatal. Eine ideale Route für Naturgeniesser

In den Medien wurde er schon seit Jahren neben großen Kollegen wie dem Nationalpark Hohe Tauern präsentiert. Aber erst seit Mai 2000 hat der Nationalpark Thayatal nun endlich auch offiziell eine österreichische Seite.

Auf tschechischer Seite hielt man sich nicht so lange mit Verhandlungen auf und gründete den Nationalpark Thayatal bereits 1991. An Stelle des Eisernen Vorhangs trat ein Naturreservat, Grenzkontrolloren folgten Parkwächter, aus Patrouillenstraßen wurden Radrouten.

Diese Wege führen zumeist familiengerecht ohne große Steigungen über die Hochplateaus, in die sich die Thaya tief eingegraben hat. Einmal abgesehen von der Anfahrt aus Znaim, der wichtigsten Stadt der Region. Ein steiler Abhang trennt das tschechische Znojmo an drei Seiten vom Nationalpark. Den Weg zur Aussicht auf die Stadt beim verfallenden Kloster St. Hippolyt säumen mühsam zwischen Felsen angelegte Schrebergärten. Ein krasser Kontrast zu den vorherrschenden sanften, runden Formen der Landschaft.

Ist dieser Graben einmal überwunden, lässt die ungewöhnliche Vielfalt an Vogelstimmen den Besucher unwillkürlich still verharren. Ereignisse wie das Auftauchen eines Feuersalamanders aus dem modrigen Laub oder der Anblick eines Wildschweins, das gerade Reißaus nimmt, bestimmen die Pausen auf dieser Tour. Und der unvermutete Ausblick auf einen spektakulären Felsvorsprung nach einer Wegbiegung. Über dem Wasser dreht ein Raubvogel seine Runden.

Auch die Thaya zieht ihre Kreise - also fast. Und so schlängelt sich das schöne Wort Mäander in den Text. Denn der Fluss dreht so spektakuläre Runden durch die Böhmische Masse, dass er von mancher Anhöhe für drei verschiedene Gewässer gehalten werden könnte.

Weiter geht's über romantische Lichtungen, über den weichen Boden von Mischwäldern auf mit Lilien übersäte Wiesen und zur Jubiläumswarte. Von hier hat man den besten Blick auf Hardegg mit seiner Burg, dem österreichischen Ausgangspunkt. Ein ganz besonderes Naturreservat nur eineinhalb Stunden von Wien.

Beim tschechischen Besucherzentrum in Cízov steht noch ein Stück Eiserner Vorhang. Ein Zitat aus Stacheldraht als Mahnung an ein Regime, das hier 38 Jahre lang Nachbarn voneinander getrennt hat. Hier erfährt der Besucher, welche Nationalparkbewohner es noch zu entdecken gilt, vom Fischotter bis zum Schwarzstorch. Ein Feldstecher leistet bei der Durchquerung des Parks wertvolle Dienste, denn nicht nur scheue Graureiher, selbst gewöhnliche Enten suchen aufgeschreckt das Weite, wenn das Unterholz unter Fahrradreifen die hehre Stille mit einem Knacks zerreißt.

Kein Wunder: Seit Stunden ist kein Zweibeiner zu sehen, dann der tschechische Förster im japanischen Geländewagen. "Ich habe einen Hund gesehen", ringt er Wort für Wort um Verständigung mit den Österreichern. "Gehört der Ihnen?" Nach einem höflichen "Nein" zieht jeder wieder stumm seines Weges.

Die nächste Begegnung beim Erfahren des Inter-Nationalparks gemahnt an Großmutters Zeiten. Zwei magere Gestalten, eine davon mit Kopftuch, sammeln unter lichten Nadelbäumen Bockerln zunächst in geflochtene Körbe. In einem großen Jutesack schleppen sie dann den Brennstoff wortlos heim an den Herd.

Auf dem Rückweg nach Znaim geht's konstant bergab. Allein dafür kommt nur ein Mountainbike in Frage. Auch die Nebenstraßen würden ein Cityrad leiden lassen. Fürs Flitzen durch den Wald empfiehlt sich eine gute Federgabel. So lässt sich der Geschwindigkeitsrausch genießen -der einzige, bei dem man nachher frischer denkt als vorher. Zumindest bis zum zweiten Glas des isotonischen Durstlöschers "pivo". (Roland Schönbauer, Der Standard, Printausgabe)

Infos

Tschechische Zentrale für Tourismus in Wien: 01/535 23 61

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