Haider zieht Verkauf der Hypo Kärnten mit der ÖVP durch

26. Juni 2007, 13:16
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Bayerisch-kärntnerische Hochzeit: Die Mehrheit geht an die Bayerische Landesbank, die Erste Bank kam zu spät

Die Bayerische Landesbank übernimmt um 1,6 Milliarden Euro die Kontrolle bei der Kärntner Hypo-Gruppe. Das Land gibt von seinen bisherigen 44 Prozent rund die Hälfte ab. Der deutsche Investor Tilo Berlin veräußert 24 Prozent an die Münchner, teilweise als "Zwischenhändler", nachdem zuvor noch vom Miteigentümer Grazer Wechselseitige zugekauft wird. Offen ist, wie viel die Mitarbeiterstiftung (derzeit 4,55 Prozent) abgibt. Beim Mitbewerb stößt der Verkauf auf Kritik: Die Erste Bank wäre gemeinsam mit den Sparkassen aus der Steiermark und Kärnten ebenfalls an den Anteilen interessiert gewesen. Ungeachtet dessen zogen Landeshauptmann Jörg Haider (BZÖ) und Landes VP-Chef Josef Martinz den Deal gegen den Widerstand der SPÖ durch. Der Aufsichtsrat der Landesholding segnete den Verkauf am Montagabend mit den Stimmen der beiden Parteien ab.

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München/Klagenfurt - Die Ereignisse überschlugen sich am Montag zwischen der Münchner Zentrale der Bayerischen Landesbank und dem Arnulfplatz 1, Sitz der Kärntner Landesregierung. Im Norden feilten Hypo-Aufsichtsratschef Wolfgang Kulterer, sein designierter Nachfolger als Hypovorstand und Investor Tilo Berlin sowie der Aufsichtsratschef der Landesholding und ÖVP-Obmann Josef Martinz in München noch am Feinschliff der bayrisch-kärntnerischen Bankenehe.

Im Süden verkündete Landeshauptmann Jörg Haider derweilen bereits, dass der ursprünglich von den Bayern taxierte Gesamtwert der Hypo Group von 3,1 Mrd. Euro lizitiert werde. Am frühen Nachmittag teilte ebenderselbe mit: Die Bayern LB erhalte den Zuschlag für die Mehrheit an der Hypo Group Alpe Adria.

Mehr als 1,6 Mrd. blättern die Bayern jetzt also dafür hin, dass sie künftig bei der Hypo-Group das Sagen haben werden. Davon wird das Land Kärnten rund 800 Mio. Euro für die Abgabe von 21 bis 22 Prozent seiner bisher 44 Prozent lukrieren. Tilo Berlin veräußert 24 Prozent. Offen ist noch wie viel von der Hypo-Mitarbeiterstiftung, die 4,55 Prozent hält, definitiv abgegeben wird. Das hängt davon ab, wie viel noch für die Mehrheit der Bayern gebraucht wird. Die Bayern LB schüttet eine Sonderprämie von 50 Mio. Euro aus.

Bayern als Wunschpartner

Wenig verwunderlich scheint der bayrisch-kärntnerische Deal für jene, die Kärntner Verhältnisse gewohnt sind. Hatten sich doch Haider und Martinz doch schon im Vorfeld festgelegt, dass der bayrische Löwe der geeignete Wunschkandidat für die Kärntner Braut sei.

Dass sich am Montag mit der Erste Bank (im Verbund mit den Kärntner und Steiermärkischen Sparkassen) und wenig später auch noch die Raiffeisengruppe als weitere Hypo-Interessenten angemeldet hatten (siehe auch Seite 20), schien die Kärntner offenbar nicht mehr zu interessieren. Schon am späten Nachmittag sollte der Deal in der Kärntner Landesholding abgesegnet werden.

Dem Aufsichtsrat der Landesholding blieb damit eigentlich nur das Abnicken. Er wurde erst über die Medien informiert. Die Details zum mehrheitlichen Verkauf der ehemaligen Landesbank wurden ihnen sozusagen auf den Tisch geknallt.

Nicht einmal der gesamte Bankvorstand der Hypo Group dürfte umfassen von den Verkaufsabsichten und der Identität des Käufers informiert gewesen sein. Zwar hat sich das Land einer Investmentbank bedient und die Käufer haben die Bücher in Form einer Due Dilligence durchleuchtet, wer aber der Interessent sei, habe man im Vorstand aber nicht gewusst, heißt es.

Offene Fragen

Die offen gebliebenen Fragen konnten am Montag jedenfalls nicht geklärt werden. Vor allem jene: Wozu haben Land Kärnten und Hypo-Miteigentümer Grazer Wechselseitige (Grawe) eigentlich Tilo Berlin gebraucht? Der hatte ja zunächst zweimal je 125 Mio. Euro Eigenkapital über private Investoren in die Hypo Group eingebracht und sich via Option weitere Anteile bis 26 Prozent von der Grawe gesichert. Berlin verkauft nun seinerseits an die Bayern weiter und macht damit ein gutes Geschäft. Ein Kärntner Banker dazu: "Beispiel für einen Kärntner Freundschaftsdienst".

In Wien sehen Informierte zwei Denkansätze: Entweder sei das Eigenkapital der Hypo dermaßen ramponiert gewesen, dass man nicht mehr auf den neuen Eigentümer habe warten können. Oder Berlin, dessen Investoren (allesamt deutsche und österreichische Industriellenfamilien) bis heute nicht genannt werden, hätten die Sperrminorität gebraucht, um mit den Bayern ernsthaft ins Gespräch zu kommen.

Faktum ist jedoch, dass die Grawe mehr erlöst hätte, wenn sie ohne Zwischenkäufer Berlin direkt nach München verkauft hätte und dass auch die Bayern jetzt mehr zahlen mussten als Tilo Berlin noch vor wenigen Monaten.

Zudem kennen sich nicht nur Wolfgang Kulterer und Berlin privat recht gut, sondern auch der Chef der Bayern, Werner Schmidt, hatte rege Geschäftsbeziehungen mit Berlin. Und er kennt die Kärntner Hypo Group zudem schon länger von innen: Er hat vor wenigen Jahren, als er noch selbständiger Berater tätig war, an Controlling-Projekten für die Hypo mitgearbeitet, in denen das (damals von der Bankenaufsicht als mangelhaft kritisierte) Berichts- und Controllingwesen für den Konzern aufgebaut wurde.

Gründe also für die SPÖ, die "Kärntner Not-Hochzeit" zu hinterfragen. SP-Chefin Gaby Schaunig spricht von einer "fahrlässigen Aktion" zum Schaden Kärntens. Wie sehr auch innerhalb der Hypo Group in Richtung Bayern LB gepusht wurde, zeigt die Ausladung Schaunigs durch die Hypo-Betriebsräte. Die SP-Chefin wollte sich Montagvormittag ein Bild vor Ort zum geplanten Deal machen. Mit Haider marschierten die Betriebsräte dann aber vollzählig im Spiegelsaal der Landesregierung auf. (Elisabeth Steiner, Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.05.2007)

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    montage: derstandard.at/putschögl
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