Nicht nur die Qualität der Ausbildung, sondern der Ruf der Universität zählt

1. Februar 2008, 11:58
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Der Titel MBA allein ist oft wenig aussagekräftig. Was zählt ist der Name: Eine akkreditierte Business School oder Institution, die in den Rankings zu den "Top Ten" zählt

Global, Executive, MA, Part-time, International, Professional, MBA, berufsbegleitend, MSc, LLM ... in Technik, Management, Medizin, Recht, Life Science bis hin zu Computer Game Studies - um nur einen Bruchteil der derzeit am Weiterbildungsmarkt gehandelten postgradualen Ausbildungen und deren Markenbezeichnungen zu nennen.

Ob der Vielzahl der Angebote und der von außen oft schwer identifizierbaren Studieninhalte sowie damit verbundenen Qualifikationen der Absolventen macht sich auf allen Seiten Verwirrung breit.

Personalentscheider kämpfen sich durch den Dschungel neuer Lehrgänge und Studienrichtungen, und stellen sich laufend der Herausforderung der Entwicklung neuer Beurteilungskriterien von Bewerbern.

Universitäre Aufgabe

Wie ist die Wertigkeit der neuen Abschlusszeugnisse einzustufen? Etwa 900 Studien und Lehrgänge werden derzeit allein in Österreich im tertiären Bildungssektor angeboten. Das Universitätsorganisationsgesetz und das Universitätsstudiengesetz machen die postgraduale Ausbildung zur nachdrücklichen Aufgabe der Universitäten.

Aber auch die Studierenden stehen vor der Qual der Wahl bei einer derartigen Vielfalt an neuen Bildungsangeboten, die allesamt ein großes Fragezeichen aufwerfen: Welche beruflichen Möglichkeiten und Chancen eröffnen sich durch den zusätzlichen Abschluss? Ist das "Studium nach dem Studium" im individuellen Fall sinnvoll? Soll das postgraduale Studium direkt nach dem Bachelorabschluss absolviert werden oder erst nach mehrjähriger Berufserfahrung? Sind Zeit und Geld richtig investiert?

Personalentwicklung

Einige Branchen, allen voran die Unternehmensberater, nutzen ein MBA- oder Doktoratsstudium bereits jetzt als Personalentwicklungsinstrument, setzen einen postgradualen Abschluss für eine Karriere im Unternehmen definitiv voraus.

Andere Firmen sehen aus heutiger Sicht einen postgradualen Abschluss als Erfordernis für einen künftigen Einstieg ins Management. Dahinter liegt die Vermutung, dass die für eine Führungstätigkeit erforderlichen strategischen und analytischen Fähigkeiten erst im postgradualen Studium ausreichend erworben werden können.

Wer also nicht auf den untersten Stufen der klassischen Karriereleiter stehen bleiben möchte, wird in diesem Fall um ein Masterstudium nicht herumkommen. Zeit und Geld sind dann jedenfalls gut investiert.

Die derzeit herrschende Unsicherheit hinsichtlich der Qualifikationen und Kompetenzen, die ein postgraduales Studium vermittelt, kann nur durch eine bessere Vergleichbarkeit der Ausbildungsstätten behoben werden.

Die Akkreditierung einer Universität oder einer Fachhochschule ist eine der besten Möglichkeit der nationalen und/oder internationalen Feststellung von Qualitätskriterien. Anerkannte Gütesiegel versprechen einen signifikanten Wettbewerbsvorteil auf dem Arbeitsmarkt.

Der Ruf macht's aus

Betrachtet man etwa das US-amerikanische Hochschulsystem, so stellt sich dieses als in hohem Maße inhomogen und qualitativ differenziert dar: Neben einer Anzahl prestigeträchtiger Elite-Universitäten besteht eine breite Mittelgruppe und schließlich auch eine große Zahl von Hochschulen mit sehr bescheidenen akademischen Standards.

Entsprechend ist etwa auch der Titel "Master of Business Administration" allein nur wenig aussagekräftig. Was zählt, sind der Name und Ruf der Universität, an der der Titel erworben wurde: an einer akkreditierten Business School oder an einer Institution, die in den regelmäßigen Rankings zu den Top Ten zählt. Dies schlägt sich in hohen Unterschieden des Marktwertes der Absolventen - also deren Anfangsgehältern - nieder. Ein ähnliches Modell ist in Europa gerade im Entstehen. Es bedeutet mehr Transparenz und Klarheit für Unternehmen und Studierende. Es bedeutet aber auch eine Fortsetzung und Intensivierung des Wettbewerbs unter den Ausbildungsstätten.

Last, but not least kommt all dies den Qualifikationen und späteren Berufschancen der in Österreich Studierenden und dem Bologna-Ziel des "Lebensbegleitenden Lernens" zugute. (Ursula Axmann und Andrea Tschirf/DER STANDARD-Printausgabe, 19./20. Mai 2007)

ZU DEN PERSONEN

Ursula Axmann und Andrea Tschirf sind Geschäftsführerinnen des zBp Zentrum für Berufsplanung der Wirtschaftsuniversität Wien.

  • MBA ist nicht gleich MBA. Der Ruf der Uni, an der man den Titel erworben hat spielt eine Rolle.
    foto: bloomberg/hulishizer

    MBA ist nicht gleich MBA. Der Ruf der Uni, an der man den Titel erworben hat spielt eine Rolle.

  • Ursula Axmann und Andrea Tschirf sind Geschäftsführerinnen des Zentrums für Berufsplanung an der WU.
    foto: der standard

    Ursula Axmann und Andrea Tschirf sind Geschäftsführerinnen des Zentrums für Berufsplanung an der WU.

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