Ein Fest im Forst

3. Juli 2007, 12:48
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Aus der Forstverwaltung Mitterndorf wurde ein Schlosshotel

Abends weisen verschnörkelte Kugellaternen den Weg, während des Tages erkennt man schon auf halbem Weg die schönbrunngelbe Fassade mit den grünen Spalierobstgerüsten: ein einstöckiges Gebäude aus dem Jahr 1591 mit quadratischem Grundriss und einem mächtigen, holzschindelgedeckten Walmdach.

Von der Anhöhe des Schlosses Grubegg bietet sich ein herrlicher Blick in die Landschaft des Ausseerlands. Im Osten schweift das Auge über weite Wiesen, um in einiger Entfernung an den imposanten Felswänden des Grimming hängen zu bleiben, im Süden und Westen steigen bewaldete Hügel auf, im Norden erstreckt sich der Ort Bad Mitterndorf vor der Bergkulisse der Tauplitz. Auf den naturgeschützten Wiesen unterhalb des Schlosses blühen Ende Mai jene cremeweißen Narzissen, deretwegen jährlich Tausende zu einem viertägigen Fest ins nahe Aussee strömen. Hier, in Bad Mitterndorf, hat man das Narzissenmeer für sich allein.

Forstwirte gesucht

Bis 1997 war die Forstverwaltung Mitterndorf im Schloss untergebracht. Als diese nach Bad Goisern übersiedelte, stand das denkmalgeschützte Schloss mit einem Mal leer, und seine Besitzer, die Österreichischen Bundesforste, suchten nach einer nachhaltigen Verwertungsmöglichkeit. Bis vor zwei Jahren, als Walther Albrecher und Martin McDonnell bei einem Spaziergang daran vorbeikamen. Die beiden - der eine Grazer, der andere Ire -, die zuvor auf Mallorca ein historisches Stadthaus in ein Gästehaus umgewandelt hatten, waren schon seit Jahren in der Gegend auf der Suche: "Wir wollten ein historisches Objekt in der Natur, aus dem man ein Hotel machen konnte", erzählt Walther Albrecher.

Sieben Monate lang ließen Albrecher und McDonnell das desolate Gebäude umsichtig sanieren und trugen nebenbei Antiquitäten zusammen. Seit Jahreswechsel ist das Haus eröffnet: ein kleines, feines Schlosshotel mit zehn luxuriös geräumigen, lichtdurchfluteten Zimmern, in denen mit alten Kachelöfen eine harmonische Beziehung zur anglophilen Einrichtung gelungen ist. Die breiten Kreuzgewölbe-Gänge des oberen und unteren Stockwerkes, die zu den Zimmern führen, sind zu gemütlichen Aufenthaltsräumen mit Sitzecken, Leselampen und Bücherregalen umgestaltet worden. Dazu gibt es noch eine Gäste-Lounge und das Esszimmer mit Bar. "Wir führen das Haus eben wie einen Familienbetrieb. Bei nur zehn Zimmern geht das auch gar nicht anders", so Walther Albrecher über sein fast privates Narzissenfest. (Julia Kospach/Der Standard/Printausgabe/19./20.5.2007)

  • Das einstöckige Gebäude stammt aus dem Jahr 1591.
    foto: schloss grubegg

    Das einstöckige Gebäude stammt aus dem Jahr 1591.

  • Ausblick in die Landschaft des Ausseerlands.
    foto: schloss grubegg

    Ausblick in die Landschaft des Ausseerlands.

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