ÖBB war gut beraten

13. Juni 2007, 14:53
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Hohe externe Beratungskosten, deren Vergabe nicht den österreichischen Gesetzen entsprachen, und eine Holding-Umlage, die den Postbus kräftig belastet, kritisiert der Rechnungshof

Wien - Der Rahmenvertrag für Management-Guru Fredmund Malik über gut eine Million Euro war nicht der einzige lukrative Auftrag, der in der ÖBB eher wenig transparent verlaufen ist. Anfang 2005, also unmittelbar nach der Umwandlung der ÖBB-Personenverkehr AG (ÖBB-PV) in eine Aktiengesellschaft, suchte das für Fern- und Nahverkehr (inklusive Postbus) zuständige Unternehmen zum Beispiel einen Organisationsberater.

"Beauty Contest"

Was dieser genau können und tun sollte, war freilich ebenso wenig in Ausschreibungsunterlagen festgelegt worden, wie der Leistungsumfang, den die Auftraggeber erwarteten. Das muss nicht verwundern, denn laut Rohbericht des Rechnungshofs (RH) gab es keine dem österreichischen Vergabegesetz entsprechende Ausschreibung, sondern lediglich Einladungen, sich um den auch finanziell nicht näher definierten Auftrag zu bewerben. Die Bewertung dieser "aufgrund persönlicher Anbotseinladungen" abgegebenen und aufgrund ihres Leistungsumfangs nicht vergleichbaren sechs Offerte erfolgte dann nach einem so genannten "Beauty Contest" und, wie der RH kritisch anmerkt, "aufgrund von 15 gleich gewichteten Zuschlagskriterien, wodurch etwa der Frage nach der Sympathie des Anbieters und dem Angebotspreis gleicher Stellenwert beigemessen wurde".

Den Zuschlag bekam, wie der STANDARD in ÖBB-Holding-Kreisen erfuhr, die in Düsseldorf ansässige, internationale Unternehmensberatung Droege & Comp. Laut RH habe der Berater allerdings nur die Analyse-/Konzeptionsphase angeboten, nicht aber die Umsetzung, sei dafür mit 375.000 Euro aber "mit Abstand teuerster Anbieter" gewesen, wie der RH kritisch anmerkt. Diesen Betrag hätten Vorstand und Aufsichtsrat bewilligt, nachdem er auf 300.000 Euro herunterverhandelt worden sei. Quasi als Gegenleistung wurde derselbe externe Berater, der laut RH weit gehend auf das 2002 aufgesetzte ÖBB-weite Rationalisierungsprogramm "Power 2005" zurückgegriffen habe - ohne Einholung eines neuerlichen Angebots und ohne Aussagen über die zu erwartenden Kosten - auch mit der Umsetzung der Organisationsänderung betraut. "Nachdem die externen Kosten eine Höhe von insgesamt 940.600 Euro erreicht hatten, wurde das Beratungsunternehmen im August 2005 von weiteren Leistungserbringungen entbunden." Die eigens für die Umsetzung eingestellten zwei Mitarbeiter schieden im März 2006, "noch vor Beendigung der Umsetzungsphase aus", bemängelt der RH in dem Rohbericht, der dem STANDARD vorliegt.

Dreigleisig unterwegs

Droege & Comp. war am Freitag zu keiner Stellungnahme bereit. Die vorzeitige Beendigung des Auftrags diente, das geht aus dem RH-Bericht indirekt hervor, einem einzigen Zweck: Der Auftragsvergabe an Malik Management, dem Beratungsunternehmen des damaligen Aufsichtsratspräsidenten der ÖBB-Personenverkehr AG. Dessen Unternehmen arbeitete auf drei Gleisen gleichzeitig: Für insgesamt 650.000 Euro bei Railjet-Auftragsvergabe und Optimierung der Zusammenarbeit mit der ÖBB-Traktion; für 91.000 Euro an der Neuausrichtung der Werkstättenstrategie des Postbusses und für 294.000 Euro an einer Strategie für die ÖBB-Infrastruktur Betrieb AG.

Teuer kamen ÖBB-Personenverkehr und Postbus auch die Leistungen der ÖBB-DienstleistungsGmbH. Diese wurden nicht im Wettbewerb ausgeschrieben, moniert der RH, ja nicht einmal der Leistungsumfang schriftlich definiert. "Einen Kostenschub" brachte auch die ÖBB-Holding selbst: Der Postbus musste laut RH monatlich 210.000 Euro als Holding-Umlage abliefern statt der ursprünglich geplanten 16.500 Euro. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19./20.5.2007)

  • Musste einen ordentlichen Kostenschub durch die ÖBB hinnehmen: die Postbus GmbH.
    foto: postbus

    Musste einen ordentlichen Kostenschub durch die ÖBB hinnehmen: die Postbus GmbH.

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