Staatspräsident Basescu setzt auf das Volk

6. Juli 2007, 09:56
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Undiplomatische Art machte 56-Jährigen unter den Rumänen beliebt

Berlin - Der 56-jährige Traian Basescu ist eine der interessantesten Gestalten der rumänischen Politik. Sein Bild entspricht nicht dem eines höflichen, seriös auftretenden Politikers, der sich nur auf Argumente und Ideen stützt. In den zweieinhalb Jahren seiner Präsidentschaft ist er seinem Versprechen aus dem Wahlkampf treu geblieben, als Staatschef ein "Mitspieler" sein zu wollen, also im politischen Geschehen aktiv mitzuwirken. Dies hat er auch getan, sehr zum Verdruss seines Ministerpräsidenten, des Liberalen Calin Popescu Tariceanu, und der meisten politischen Parteien. Am 19. April wurde er vom Parlament zumindest vorübergehend seines Amtes enthoben.

Beim Amtsenthebungsreferendum, das die Suspendierung durch das Parlament nach sich zog, setzte das Staatsoberhaupt auf seine große Beleibtheit bei den Wählern. Kaum jemand in Rumänien glaubte im Vorfeld ernsthaft daran, dass Basescu am Samstag verlieren konnte. Trotz Fehltritten und eigener "Flecken" - ihm wird unter anderem vorgeworfen, während seiner Amtszeit als Transportminister Anfang der 90er Jahre bei dem verlustreichen Verkauf der rumänischen Handelsflotte an ausländische Investoren mitschuld zu sein - besteht bei der Mehrheit im Volk der Eindruck, dass er der einzige ist, der etwas bewegen und erfolgreich gegen Korruption und die Macht von "Oligarchen" vorgehen kann.

Vertreter des Kampfes gegen Korruption

Von Anfang an trat Traian Basescu als Vertreter des Kampfes gegen die grassierende Korruption, neben der ehemaligen Justizministerin Monica Macovei, auf. Tatsächlich wurden in den vergangenen zwei Jahren Ermittlungen und sogar Korruptionsprozesse gegen einige "großen Fische" in Rumänien eröffnet. Sie wurden bisher zwar fast nie abgeschlossen. Trotzdem verschafften sie dem Präsidenten mächtige Feinde. Außerdem gelang Basescu etwas, was in den 15 Jahren zuvor nicht zu Stande gebracht werden konnte: Unter seiner Schirmherrschaft wurde ein Bericht über die Verbrechen des Kommunismus in Rumänien erarbeitet und im Dezember 2006 der Öffentlichkeit vorgelegt.

"Reformistischer Präsident"

Basescu selbst sieht sich als "reformistischer Präsident, der von einer Oligarchie mit Wurzeln in der kommunistischen Vergangenheit suspendiert" wurde. Einige Kommentatoren sprechen hingegen von einem "Basescu-Syndrom": So schreibt die Zeitung "Ziua", die Rumänen wünschten sich zur Zeit keine ernsthafte Politiker, sondern es schiene, als ob sie eher Figuren vorzögen, "die an Gestalten aus Telenovelas erinnern und die durch ihre ausgefallene und exotische Art von den Anforderungen des zivilisierten Europa sehr weit entfernt sind."

Tatsächlich ist Basescu für seine kämpferische, wenig diplomatische Art und für sein loses Mundwerk bekannt. Seine Botschaften bringt er offen, oft auf provokative Weise an den Wähler. Genau das macht ihn aber beliebt. Basescu spricht den Menschen aus der Seele.

Zuvor Bürgermeister von Bukarest

1976 absolvierte Basescu das Marineinstitut im Schwarzmeerhafen Constanta. Bis 1987 war er Marineoffizier und Kapitän in der rumänischen Handelsflotte, zwischen 1987 und 1989 Vertreter der Seehandelsgesellschaft NAVROM in Antwerpen. Von 1991 bis 1992 wirkte Basescu als Transportminister unter Regierungschef Theodor Stolojan, später als Abgeordneter der Demokratischen Partei (PD), zu dessen Vorsitzender er auch wurde. Zwischen 2000 und 2004 war Basescu Bürgermeister von Bukarest. (APA)

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